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Immer mehr Patienten : Der deutsche Cannabis-Markt blüht

Heißt begehrt: Immer mehr Patienten vertrauen auf die heilsame Wirkung von Cannabis. Bild: AP

Seit März 2017 darf man auf Rezept kiffen – doch Cannabis aus deutschem Anbau lässt weiter auf sich warten. Hersteller beklagen Engpässe und rüsten sich für eine weiter wachsende Nachfrage.

          Die Deutschen verbrauchen mehr medizinisches Cannabis. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren ist der Bezug von Blüten und Extrakten in Apotheken hierzulande möglich. Patienten benötigen dafür ein ärztliches Rezept und bekommen die Kosten nach strenger Prüfung unter Umständen von der Krankenkasse erstattet. Die Nachfrage wächst rasant: Wurden im ersten Jahr der Liberalisierung 1,2 Tonnen Cannabisblüten von deutschen Händlern importiert, waren es nach Angaben des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Jahr 2018 schon 3,1 Tonnen.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zugelassene Herkunftsländer sind bislang die Niederlande und Kanada. Der Anbau in Deutschland hinkt dagegen im Zeitplan hinterher. Wegen Fehlern im Ausschreibungsverfahren kann die Produktion von deutschem Cannabis erst im kommenden Jahr starten. Die erlaubte Anbaumenge verteilt sich auf 13 Lizenzen, liegt mit jährlich 2,6 Tonnen aber schon heute unter der schnell gestiegenen Nachfrage – deutsche Patienten werden also auch künftig auf Einfuhren angewiesen sein.

          Hersteller sehen darin einen auf Dauer nicht tragbaren Zustand. „Wir haben in Deutschland nach wie vor eine Unterversorgung“, kritisiert Hendrik Knopp, Geschäftsführer von Aphria in Deutschland. Der hiesige Markt sei extrem streng reguliert, etwa was den von Blüte zu Blüte variierenden Anteil am berauschenden Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) anbelangt. Das bedinge Versorgungsengpässe, von einer nach wie vor zurückhaltenden Verschreibungspraxis seitens der Ärzte ganz zu schweigen.

          Bis zu 100 Gramm im Monat

          „Da tun sich die Beteiligten noch schwer“, meint Knopp. Vor allem bei Depressionen und Schlafstörungen erstatteten die Krankenkassen die Kosten oft nicht. Tatsächlich häufen sich Berichte von Patientenseite darüber. Die Krankenkassen verweisen darauf, dass erst sämtliche Therapieformen ausgeschöpft werden müssen, ehe ein Antrag zur Kostenübernahme bewilligt werden darf.

          Exakte Zahlen zu den Cannabispatienten fehlen allerdings. Aus Datenschutzgründen veröffentlichen die Apothekerverbände nur Angaben zu den erstatteten Rezepten und Abgabeeinheiten; je Patient sind dies bis zu 100 Gramm Cannabisblüten im Monat. Schätzungen gehen von rund 50.000 Patienten in Deutschland aus. Das ist ein Bruchteil im Vergleich zu Kanada, wo die offizielle Statistik seit der vollständigen Legalisierung im vergangenen Oktober mehr als 600.000 Konsumenten zählt – bei 37 Millionen und somit weniger als halb so vielen Einwohnern wie in Deutschland.

          Getränkekonzern ist Großinvestor

          Doch eben das ist Grund für unzählige Start-ups, auch auf dem hiesigen Markt ein weiter stark wachsendes Interesse zu vermuten und das Glück im Cannabisgeschäft zu suchen. Mit 240 Mitarbeitern ist der deutsche Ableger des kanadischen Aphria-Konzerns hierzulande schon vertreten. Von den 13 Anbaulizenzen hat man fünf ergattern können, Anfang August feierte das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Neumünster Richtfest für die deutschlandweit erste Cannabis-Produktionsstätte.

          Auch Canopy Growth, einer der global größten Hersteller, ist mit von der Partie. Während Aphria Cannabis in Deutschland bislang nur von Händlern kauft, vereint Canopy Growth nach eigenen Angaben drei Viertel aller Importe auf sich. Von Ende des Jahres an soll die eigene Anbaufläche in Dänemark an den Start gehen, die eine Menge im hohen dreistelligen Kilogramm-Bereich liefern kann. Weitere Flächen in Spanien sollen hinzukommen.

          Noch machen die Kanadier mit 300 Mitarbeitern in Deutschland nach diversen Zukäufen und Investitionen Verluste und man stecke in der Wachstumsphase, sagt Europa-Manager Paul Steckler. Canopy Growth unterscheide von anderen aber die eigene Forschungsabteilung – und wohl auch der solvente Großaktionär Constellation Brands, ein globaler Getränkekonzern, zu dem unter anderem Corona gehört.

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