https://www.faz.net/-gqe-89ehn

Kohle-Abwrackprämie : Hartz IV vom Minister

  • -Aktualisiert am

Für die Nicht-Produktion gibt es nichts? Von wegen. Der Kompromiss zum Braunkohle-Ausstieg ist nichts anderes als viel Geld für nichts.

          1 Min.

          Markige Sprüche garantieren eine große Öffentlichkeit – bleiben aber auch besonders lange in Erinnerung. Im Sommer vergangenen Jahres hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel noch verkündet, „Hartz IV“ für Kraftwerke werde es mit ihm nicht geben. Sollte heißen: Geld bekommt nur, wer auch arbeitet, für die Nichtproduktion von Strom gebe es auch nichts.

          Nun wird Gabriel von seiner eigenen Aussage eingeholt, denn genau das ist ab kommendem Jahr geplant. Neun Braunkohlekraftwerke sollen dann schrittweise stillgelegt werden. Dafür erhalten die Energiekonzerne 1,6 Milliarden Euro – deutlich mehr als nichts. Offiziell werden die Kraftwerke zwar nicht stillgelegt, sondern in eine Sicherheitsbereitschaft überführt, so dass sie bei Engpässen als eine Art Notreserve zur Verfügung stehen können.

          Dass sie im Notfall den Strom schnell liefern werden, darf man bezweifeln, weil diese Kraftwerke unflexibel sind und nur langsam hochgefahren werden können. So sind die 1,6 Milliarden Euro doch eine Art „Hartz IV“ für die Energiekonzerne, die jedoch weder Wirtschafts- noch Arbeitsministerium belasten, sondern den Stromkunden. Der kennt das ja, denn er bezahlt die Energiewende.

          Judith Lembke
          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weitere Themen

          Tochter für die nächste Mode

          Zara-Mutterkonzern : Tochter für die nächste Mode

          Die Inditex-Gruppe ist mit Marken wie Zara und Bershka zum Textilimperium geworden. Nun rückt die jüngste Tochter des Gründers an die Spitze des Verwaltungsrats. Mancher ist skeptisch.

          Topmeldungen

          In den späten Jahren seiner Präsidentschaft verfällt der türkische Staatspräsident Erdogan in autokratische Verhaltensweisen.

          Erdoğans Währungskrise : Das haben die Türken nicht verdient

          Der türkische Staatspräsident Erdoğan schädigt die Wirtschaft seines Landes zielstrebig und ruiniert breite Schichten der Bevölkerung. Sein geld- und finanzpolitischer Kurs lässt den Wert der Lira ins Bodenlose stürzen.

          Rangnick-Start in Manchester : „Das ist natürlich Unsinn“

          Manchester Uniteds Sieg über Arsenal dank Cristiano Ronaldo sieht Ralf Rangnick nur von der Tribüne. Nun übernimmt der Trainer. Bei seiner Vorstellung beweist er Humor – und kontert ein Gerücht.