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Der Auslandsmarkt: Kanada : Die Hausse lebt

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Im freundschaftlichen Wettbewerb mit den Aktienmärkten der Vereinigten Staaten haben in diesem Jahr die Kanadier die Nase vorn. Der S&P/TSX Composite, der Standardwerteindex der Börse Toronto, ist seit Anfang des Jahres um rund 27 Prozent gestiegen.

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          Im freundschaftlichen Wettbewerb mit den Aktienmärkten der Vereinigten Staaten haben in diesem Jahr die Kanadier die Nase vorn. Der S&P/TSX Composite, der Standardwerteindex der Börse Toronto, ist seit Anfang des Jahres um rund 27 Prozent gestiegen. Der S&P 500, das Barometer für den amerikanischen Aktienmarkt, hat im gleichen Zeitraum dagegen nur um rund 20 Prozent zugelegt. Für Anleger aus dem Euro-Raum sind die Differenzen noch drastischer. Der kanadische Dollar hat im gleichen Zeitraum gegenüber dem Euro um knapp 8 Prozent an Wert gewonnen. Das kommt für europäische Investoren zum Kursgewinn hinzu. Der Kurs des amerikanischen Dollar dagegen ist gegenüber dem Euro um knapp 7 Prozent gefallen. Damit hat sich das Währungsrisiko, das deutsche Anleger bei internationalen Engagements immer berücksichtigen müssen, im Fall Kanada als lukrative Chance entpuppt.

          Nach der starken Erholung der Kurse von ihren Tiefständen im März stellen sich Anlagestrategen in Toronto und New York dieselbe Frage: Steht dem Aktienmarkt eine Korrektur bevor, oder besteht noch weiteres Potential für einen Kursanstieg? Noch scheint die Hoffnung auf weitere Kursgewinne zu überwiegen. Diese Schlussfolgerung ziehen Aktienfachleute zumindest aus dem Verhalten der Börsianer, die kurzzeitige Kursverluste als Kaufgelegenheit betrachten. "Bei Rückschlägen wird weiter gekauft", beobachtet Elvis Picardo, Analyst beim Wertpapierhaus Global Securities in Vancouver.

          Von Bedeutung für Aktienanleger ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne, da Aktien Anteile an Unternehmen verbriefen. Kanadische Konzerne haben während der jüngsten Rezession ihre Kosten nicht so stark gesenkt wie ihre amerikanischen Konkurrenten, meinen Analysten. Die Aktienfachleute glauben aber auch, dass kanadische Unternehmen von einer im Vergleich zu den Vereinigten Staaten kräftigeren Konjunkturerholung profitieren könnten. Nach Angaben der Notenbank Bank of Canada ist das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2 Prozent gestiegen. Das lag deutlich über den zuvor geäußerten Prognosen von nur 1,3 Prozent.

          Die Notenbank warnte allerdings auch vor einigen Risiken. So könne eine schwache Konjunktur in den Vereinigten Staaten den kanadischen Aufwärtstrend belasten. Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft steht im Blickpunkt, weil rund vier Fünftel der kanadischen Exporte in die Vereinigten Staaten gehen. Auch die Stärke des kanadischen Dollar gibt Anlass zu Besorgnis, weil das die Exporte schwächt. Am Rentenmarkt wird schon unterstellt, dass die Bank of Canada die Leitzinsen bald anheben wird. Das könnte den kanadischen Dollar weiter beflügeln, weil wegen eines höheren Zinskupons die Nachfrage internationaler Anleger nach kanadischen Staatsanleihen steigen dürfte.

          Ein höherer Dollarkurs wäre allerdings ein Belastungsfaktor für den Aktienmarkt. Das Gleiche gilt für höhere Zinsen, die festverzinsliche Papiere im Vergleich zu Aktien attraktiver machen. Die Bank of Canada erwartet derzeit aber, dass die Leitzinsen bis Mitte 2010 stabil bleiben werden.

          Trotz aller Risiken überwiegt der Optimismus unter den Börsianern. "Das Wissen, dass die Notenbank den wirtschaftlichen Aufschwung bestätigt, gibt dem Markt Selbstvertrauen", sagt Analyst Picardo. Aufgrund der jüngsten Konjunkturdaten glauben Analysten nun, dass 55 Prozent der im S&P/TSX abgebildeten Unternehmen ihre Gewinne im dritten Quartal gegenüber dem zweiten Jahresviertel steigern konnten. Das wäre nach Angaben des Informationsdienstes Bloomberg der höchste Prozentsatz in diesem Jahr. Die Berichtssaison für das dritte Quartal läuft derzeit.

          Auch Aktienexperten, die sich nicht auf fundamentale Unternehmensdaten wie Umsatz und Gewinn, sondern auf die Analyse des Kursverläufe spezialisieren, glauben an weiteres Kurspotential der kanadischen Börse. David Tippin von der Analysegesellschaft Phases & Cycles in Montreal führt an, dass sich der S&P/TSX wie auch der des S&P 500 über den Durchschnittskursen der vergangenen 50 Tage bewegt. Sein Fazit: "Die Hausse lebt und ist gesund." Norbert Kuls

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