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Wachstumsprognose halbiert : Der Aufschwung ist zu Ende

Ein Stahlarbeiter prüft am Hochofen 8 bei Thyssen-Krupp die Stahlqualität nach dem Abstich. Bild: dpa

In Deutschland ist selbst eine Rezession nicht mehr auszuschließen. Mit dem Wirtschaftsabschwung wird es ungemütlich, auch für die schwarz-rote Bundesregierung.

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          Die deutsche Konjunktur ist gekippt. Man kann es nicht mehr leugnen: Der jahrelange Aufschwung ist zu Ende. Schon in der zweiten Jahreshälfte 2018 stagnierte die Wirtschaft nur noch – doch jetzt scheint es richtig bergab zu gehen. Was Deutschlands Wirtschaft derzeit erlebt, ist mehr als nur eine Delle, sondern ein längerer Abschwung. Nun streiten die Fachleute über die Frage, ob die Wirtschaft mit einem eher harmlosen Abschwung davonkommt und sich dann wieder fängt. Oder geht es wirklich kräftig nach unten? Droht gar eine Rezession?

          Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben an diesem Donnerstag ihre neue Vorhersage vorgelegt. Die alte Prognose mussten sie mehr als halbieren. Nur noch 0,8 Prozent Wachstum sollen es in diesem Jahr werden. Aber immerhin: Sie erwarten ein Wachstum und zudem noch weiter steigende Beschäftigung. Die Gefahr einer „ausgeprägten Rezession“ sei „gering“, sagt einer der an der Gemeinschaftsprognose beteiligten Forscher. Doch die Prognose wurde fertiggestellt, bevor die neuesten Daten vorlagen, die nochmals einen Schlag ins Kontor verheißen.

          Die neuen Zahlen vom Auftragseingang der Industrie verheißen nichts Gutes. Mit einem Minus von 4,2 Prozent im Februar ist der Verlust viel höher, als selbst pessimistische Analysten erwartet hatten. Auch wenn die schwankungsanfälligen Großaufträge, die im Februar ausblieben, die Statistik nach unten verzerrt haben. Die Tendenz zeigt seit vielen Monaten nach unten, jetzt beschleunigt. Vor allem aus dem außereuropäischen Ausland kommen weniger Bestellungen. Die Abkühlung in China macht den deutschen Exporteuren zu schaffen. Hingegen hält sich die Nachfrage aus dem Inland recht gut. Und die Industrie kommt von hohem Niveau: Ihre Kapazitäten sind überausgelastet. Sie hat noch immer ein dickes Polster an nicht abgearbeiteten Aufträgen. Es besteht also kein Grund für Panik – aber doch zur Sorge.

          Die Weltwirtschaft bremst Deutschland aus

          Diejenigen, die nichts von einer echten Rezession wissen wollen, setzen ihre Hoffnung auf die Binnenwirtschaft. Die rekordhohe Beschäftigung mit mehr als 45 Millionen Arbeitenden in Deutschland, steigende Löhne, eine moderate Inflation – all das sollte die Konsumnachfrage stützen. Das Deutschland-Bein der deutschen Wirtschaft ist kräftig. Aber die hiesige Wirtschaft kann nicht allein auf einem Bein stehen. Ein Großteil der Dynamik der vergangenen Jahre kam von der kräftig wachsenden Weltwirtschaft. Diese bremst seit geraumer Zeit ab. Die von Amerika ausgehenden Handelskonflikte belasten, der wirtschaftliche Riese China lahmt.

          Käme es jetzt noch zu einem chaotischen Brexit, würde das zumindest kurzfristig nochmals einen Abwärtsschub geben. Dann wäre zumindest eine „technische Rezession“ – die Ökonomen als zwei Quartale mit Minus-Wachstum hintereinander definieren – nicht mehr auszuschließen.

          Das deutlich schwächere Wachstum in diesem Jahr muss auch die Bundesregierung alarmieren – denn sie muss bald mit weniger Steuereinnahmen auskommen und kann nicht mehr teure Sozialpakete schnüren. Dann dürften neue Konflikte in der ohnehin streitlustigen schwarz-roten Koalition aufbrechen, die bislang ihren Mangel an politischen Gemeinsamkeiten dadurch überspielt hat, dass sie in die prall mit Steuergeld gefüllten Kassen griff.

          Auch die Stimmung in der Bevölkerung dürfte sich eintrüben, wenn die Wirtschaft nicht mehr gut läuft. Zwar gibt es hohe Beschäftigung, aber übermäßiger Enthusiasmus über den Aufschwung der vergangenen Jahre war nicht zu spüren. In diesem Jahr stehen wichtige Wahlen an. Wenn nun das böse Rezessionswort häufiger in den Mund genommen wird, ist eine weitere Verschärfung der politischen und gesellschaftlichen Konflikte nicht unwahrscheinlich.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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