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Tarifpolitik in Zwickmühlen : Der Abschluss taugt nicht als Vorbild

Das Bodenpersonal der Lufthansa wird erst einmal nicht wieder streiken. Bild: dpa

Lohnerhöhungen klar oberhalb der Inflation und eine starke „soziale Komponente“: Worauf sich Verdi und die Lufthansa geeinigt haben, wird nachhallen.

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          Für Flugreisende ist die wichtigste Botschaft der Tarifeinigung zwischen Lufthansa und der Ge­werkschaft Verdi: Zumindest das Bodenpersonal der Fluggesellschaft wird vorerst nicht mehr streiken. Es bleibt allerdings das Risiko, dass bald Piloten ihre Reisepläne durchkreuzen. Oder demnächst doch wieder Verdi – mit Streiks der kommunalen Flughafenbeschäftigten in der anstehenden Tarifrunde des öffentlichen Dienstes.

          Der neue Lufthansa-Abschluss sendet aber auch eine inhaltliche Botschaft mit grundsätzlichem Diskussionsstoff für die Welt der Lohnpolitik: Zum einen geht er teils weit über die Teuerungsraten hinaus: plus 19,2 Prozent bei 2000 Euro Grundvergütung im Monat; plus 8,3 Prozent bei 6500 Euro. Zum anderen, die Prozentwerte zeigen es, ist das Paket steil nach Gehaltsklassen gestaffelt. Der Gewerkschaftssprech nennt dies eine „starke soziale Komponente“.

          Auf den ersten Blick mag vor allem die schiere Höhe diskussionswürdig erscheinen. Gedanken an eine Entgrenzung in Richtung der gefürchteten Lohn-Preis-Spirale liegen nahe.

          Der Kostendruck bleibt

          Diese werden allerdings dadurch relativiert, dass Lufthansa-Tarifpakete an sich kei­ne makroökonomisch relevante Größe sind. Und es gibt ja eine plausible Begründung dafür, die Entgelte nun im Luftverkehr überdurchschnittlich zu erhöhen – eine unerwartet ho­he Nachfrage nach Flügen hat dort ge­rade zu akuter Personalnot geführt.

          Eine Grundsatzfrage steht aber hinter der neuen, auch inflationsgetriebenen Beliebtheit „sozialer Komponenten“: Die Gewerkschaften mögen sie seit jeher, weil in ihrer Mitgliedschaft die unteren Lohngruppen am stärksten vertreten sind. Dass die Inflation sie besonders trifft, verstärkt nun ihre Position.

          Allerdings: Ist es bei weiterhin zunehmendem Mangel an Fachkräften wirklich ratsam, deren Arbeit ta­rifpolitisch weniger zu honorieren als die von Hilfskräften? Arbeitgeber, denen das widerstrebt, sehen sich derzeit unter dem Kostendruck im Zweifel schlicht dazu genötigt – sonst würden die Tarifabschlüsse noch teurer.

          Es ist gewiss nicht falsch, wenn in diesen Zeiten neben dem Staat auch die Tarifpolitik ein Stück sozialpoli­tische Verantwortung übernimmt. Die Verantwortung für eine zukunftsfeste Personalpolitik, zu der auch attraktive Qualifikationsrenditen gehören, sollte sie darüber aber nicht vergessen.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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