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Dennis Meadows im Gespräch : „Wir haben die Welt nicht gerettet“

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Das Geld kam aus Deutschland. Einer der wichtigen Leute im Club of Rome war Eduard Pestel gewesen, ein Mechanikprofessor aus Hannover. Er war von unserer Idee begeistert und unterbreitete der Volkswagenstiftung in Hannover den Vorschlag, das Projekt zu fördern. Er konnte seine Kollegen überzeugen, dass das ein überaus spannendes Vorhaben ist.

Als das Forschungsvorhaben losging, waren Sie 28 Jahre alt. Wieso hat man Ihnen das zugetraut?

Das ist sicher eine Frage von unterschiedlichen Kulturen. In Deutschland hätte ich mit 28 Jahren wohl keine Chance gehabt, ein solches Forschungsvorhaben zu übernehmen. In Amerika waren wissenschaftliche Karrieren schneller möglich. Das war damals nicht weiter bemerkenswert.

„Es war ein Kreis von Intellektuellen, Wissenschaftlern, Industriellen und sonstigen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens“: Der „Club of Rome“, gegründet vom italienischen Industriellen Aurelio Peccei (r.)

„Die Grenzen des Wachstums“ wurden schnell ein Erfolg. Insgesamt ist es 30 Millionen Mal verkauft worden.

Ich weiß nicht, ob ich den Erfolg des Buches allein an der Auflage messen würde. Aber Sie haben recht, für ein Buch zu einem Umweltthema ist die Auflage relativ hoch. Es gehörte damals sicher zumindest zu den zehn wichtigsten Büchern in diesem Bereich, auch die Aktualisierungen später wurden aufmerksam wahrgenommen. Aber wenn man die Auflage mit manchen Krimis oder Thrillern vergleicht, dann liegt es natürlich längst nicht an der Spitze.

Wurden Sie mit dem Buch reich?

Nein. Man kann sich natürlich immer darüber streiten, was reich bedeutet. Ich habe alles, was ich zum Leben brauche. Aber wirklich reich bin ich damit nicht geworden. Das hing auch damit zusammen, dass ein Großteil der Einnahmen an den Club of Rome ging und für dessen Anliegen eingesetzt wurde. Die Einnahmen aus den gesamten nichtenglischen Ausgaben gingen komplett an den Club. Und bei der amerikanischen Ausgabe die Hälfte. Ich habe zwar Zehntausende von Dollar damit verdient, aber nicht Millionen.

Bereits 1973 bekamen Sie den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“. Hatten Sie mit einer solchen Resonanz gerechnet?

Der Club of Rome bekam damals den Friedenspreis - für unser Buch. Eine richtige Überraschung war das für mich nicht, ich hatte vorher einfach nicht über die Möglichkeit nachgedacht. Viel mehr erstaunt hat mich, dass ich jetzt noch, vor drei Jahren, den „Internationalen Japanpreis“ für meine Arbeit bekommen habe. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Haben Sie persönlich damals Konsequenzen für Ihr tägliches Leben gezogen? Haben Sie zum Beispiel aufgehört zu fliegen?

Nein, mit dem Fliegen aufgehört habe ich nicht. Im Gegenteil, durch das Buch und meine Arbeit bin ich so richtig zum Fliegen gekommen. Ich bin bis heute ständig in der Welt unterwegs. Neulich habe ich sogar bei einer Airline eine Million Vielflieger-Meilen erreicht. Bei anderen Dingen habe ich mein Leben umgestellt. Ich heize mein Haus heute mit Holz und habe einen Garten, aus dem ich mich zum Teil selbst versorge. Ich habe darauf geachtet, dass ich nicht zu weit von der Stadt weg wohne, damit ich nicht zu viel Auto fahren muss. Und wo es geht, nehme ich lieber den Zug. Aber ist das alles passiert, weil ich das Buch geschrieben habe? Das weiß ich nicht.

Es gab nicht nur Lob für die „Grenzen des Wachstums“. „Unverantwortlichen Unfug“ nannten Kritiker das Buch. Haben Sie Fehler gemacht?

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