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Demographie : Sicherungssysteme an ihren Grenzen

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Bild: F.A.Z.

Niedrige Geburtenraten gehen in Deutschland seit Jahren einher mit einer steigenden Lebenserwartung. Diese demographische Entwicklung treibt die sozialen Sicherungssysteme an ihre Grenzen.

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          Wir haben zu wenig Kinder, und wir werden immer älter.“

          Niedrige Geburtenraten gehen in Deutschland seit Jahren einher mit einer steigenden Lebenserwartung. Die Bevölkerung wird immer älter. Diese demographische Entwicklung treibt die sozialen Sicherungssysteme an ihre Grenzen. Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung leiden unter der Aussicht, daß künftig immer weniger Beitragszahler immer mehr Leistungsempfänger finanzieren müssen. Nach Annahme der Rürup-Kommission, die sich 2003 im Auftrag der Bundesregierung mit der nachhaltigen Finanzierung der Sozialsysteme befaßte, wird die durchschnittliche Lebenserwartung von 65 Jahre alten Menschen bis zum Jahr 2030 bei Männern um 2,6 Jahre auf 83,4 Jahre und bei Frauen um 3,1 Jahre auf 87,6 Jahre steigen. Zugleich sinkt die Geburtenrate seit Ende der sechziger Jahre. Um den Bestand zu sichern, wären 2,1 Geburten je Frau erforderlich. Tatsächlich liegt dieser Wert aber knapp unter 1,4 Geburten.

          Die längere Lebenserwartung erhöht die Anforderungen an die Kranken- und Pflegeversicherung. Denn je älter der Mensch, desto höher die Wahrscheinlichkeit, daß er medizinischer Hilfe bedarf oder pflegebedürftig wird. Besonders einschneidend wirkt die höhere Lebenserwartung in der Rentenversicherung: Die durchschnittliche Bezugsdauer hat sich - auch wegen des immer früheren Rentenbeginns - in der Zeit von 1960 bis 2002 von 9,9 Jahren auf 16,6 Jahre verlängert. Die Rürup-Kommission erwartet zwischen 2000 und 2030 eine Verlängerung um 2,6 Jahre bei den Männern und um 3,1 Jahre bei den Frauen. Damit die Beitragssätze zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung (und damit die Belastung der Arbeitnehmer und Arbeitgeber) bis 2030 nicht explodieren, müssen die Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung und Pflegeversicherung begrenzt werden; das Rentenniveau muß langfristig sinken.

          In allen Sparten der Sozialversicherung werden zunehmend kapitalgedeckte Systeme die gesetzlichen ergänzen müssen. Die Rürup-Kommission empfiehlt ferner bei der Rente die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters. Besonders in der Krankenversicherung besteht politischer Streit darüber, ob mehr Beitragszahler wie Beamte und Selbständige in das System einbezogen werden sollen oder ob es eine von den Arbeitskosten abgekoppelte Gesundheitsprämie plus Sozialausgleich über Steuern geben sollte.

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