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Neue Wahlumfrage : Mays „Demenzsteuer“ verschreckt Wähler

  • Aktualisiert am

Theresa May im Wahlkampf im Landkreis Lancashire. Bild: AFP

Der Vorsprung der britischen Konservativen in den Wahlumfragen schrumpft, nun scheint sogar die absolute Mehrheit in Gefahr. Grund ist eine wirtschaftspolitische Idee der Premierministerin. Das Pfund reagiert.

          Die britischen Konservativen unter der Premierministerin Theresa May könnten infolge der anstehenden Unterhauswahl die absolute Mehrheit verlieren. Das geht aus einer neuen Erhebung und Berechnung des Instituts YouGov hervor, die sich von vorangegangenen Umfragen in der Methode unterscheidet: Die Meinungsforscher haben für jeden einzelnen Wahlkreis Modellrechnungen vorgelegt und dafür in der vergangenen Woche 50.000 Interviews geführt.

          Demnach könnten die Konservativen nur noch auf 310 Mandate kommen, bislang verfügen sie über 330 Sitze. Damit würden sie die bei 326 Sitzen liegende absolute Mehrheit um 16 Mandate verfehlen. Die oppositionelle Labour-Partei kann YouGov zufolge darauf hoffen, fast 30 Sitze hinzuzugewinnen. Das britische Pfund gab nach Bekanntwerden der Umfrage nach.

          Umfragemethode in der Brexit-Abstimmung erfolgreich

          Die Umfrage ist gerade wegen der Mehrheitsfrage brisant: Denn dass die Zustimmung für die Konservativen in den Umfragen seit Mitte Mai zurückgeht, ist bekannt. Insgesamt sieben Umfragen innerhalb der vergangenen Woche ermittelten, dass sich der Abstand zu Labour verringert. Einen Verlust der absoluten Mehrheit hat bislang aber kein Institut prognostiziert. Nach einer aktuellen Erhebung des Instituts ICM beispielsweise ist der Vorsprung von Mays Konservativen innerhalb von drei Wochen von 22 auf 12 Prozentpunkte geschrumpft.

          Der Niedergang in den Meinungsumfragen begann nach einhelliger Auffassung mit der Ankündigung der Premierministerin, älteren Briten höhere Eigenleistungen für die Pflege abverlangen zu wollen. Gegner bezeichneten das Vorhaben als „Demenzsteuer“. Nach dem Anschlag von Manchester in der vergangenen Woche setzte die oppositionelle Labour-Partei den Tories aber offenbar auch (erfolgreich) mit Kritik an den Stellenkürzungen bei der Polizei zu.

          May hatte die vorgezogene Wahl im April völlig überraschend für den 8. Juni angesetzt. Sie will ihre Mehrheit ausbauen und so ihre Position in den für das Land so wichtigen Brexit-Verhandlungen mit der EU stärken. Fällt sie hingegen hinter die bisherigen Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus zurück, würde dies May mutmaßlich in den Gesprächen mit den übrigen EU-Ländern schwächen.

          Die YouGov-Analyse basiert auf Befragungen in der vergangenen Woche. Die Meinungsforscher räumen ein, dass die Methodik umstritten sei. Allerdings können sie auf einen wichtigen Erfolg verweisen: Dasselbe Modell sei bereits im Vorfeld der Volksabstimmung über die EU-Mitgliedschaft eingesetzt worden und habe stets eine Mehrheit für das Brexit-Lager ergeben.

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