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Zukunft eines Riesenflugzeugs : Dem Airbus A380 droht der Todesstoß

Was hat Emirates mit dem A380 (noch) vor? Bild: dpa

Abermals kursieren Zweifel an der Zukunft des Riesenfliegers. Diesmal aber wird es ernst: Der Großabnehmer könnte abspringen.

          Die Zukunft des Riesenfliegers A380 ist wieder ungewiss geworden. Der Hauptabnehmer der weltgrößten Passagiermaschine, die Fluggesellschaft Emirates, möchte eine Reihe von Bestellungen auf die kleinere Langstreckenmaschine A350 umstellen. Wenn es so kommt, könnte dies das vorzeitige Ende des einstigen Hoffnungsträgers bedeuten.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Erst vor gut elf Jahren ist der A380 zum ersten Mal für einen kommerziellen Flug in die Lüfte gestiegen, damals für Singapur Airlines. Bei den Fluggästen ist die Maschine beliebt, nicht aber bei den Fluggesellschaften. Vor allem der Spritverbrauch der vier Triebwerke und die Sorge, die je nach Sitzausstattung mehr als 600 Sitze nicht füllen zu können, stört die Kunden.

          Nachdem die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters Wind von Gesprächen zwischen Emirates und Airbus bekommen hatten, bestätigte der Flugzeughersteller am Donnerstagabend die neuen Verhandlungen über mögliche Abbestellungen des A380. „Details der Gespräche bleiben vertraulich“, teilte der Konzern in Toulouse mit.

          Sechs Maschinen im Jahr

          In den Büchern von Airbus stehen heute noch Aufträge über 87 Riesenflieger, doch bei weitem nicht alle davon gelten als aktuell in dem Sinne, dass die einstigen Auftraggeber sie heute noch abnehmen und bezahlen wollen. Analysten vermuten, dass nur die Bestellungen von 53 Fliegern für Emirates und drei für die japanische Fluggesellschaft Ana belastbar sind.

          Vor rund einem Jahr, als die Zukunft des A380 schon einmal in Frage stand, hatte ein neuer Großauftrag von Emirates über 36 A380, davon 16 Optionen, für Erleichterung gesorgt. Doch unerwarteter Weise konnten sich Emirates und der Triebwerkshersteller nicht einig werden. Die Verträge mit den Motorenbauern werden immer getrennt verhandelt. Jetzt scheint Emirates die Geduld auszugehen. Die Fluggesellschaft vom Golf ist mit Abstand der größte Kunde des A380. 160 Maschinen dieses Typs bekam Emirates schon überstellt – fast 70 Prozent der gesamten Auslieferungen. 109 A380 hat Emirates derzeit im Einsatz.

          Wegen der dünnen Bestelldecke hat Airbus die Produktion des A380 schon auf sechs Maschinen im Jahr gestreckt. Dies war mit der Hoffnung verbunden, dass neue Aufträge hereinkommen. Der Konzern hatte immer argumentiert, dass der Trend wegen des stark wachsenden Flugaufkommens und der begrenzten Flughafenkapazitäten zu großen Maschinen gehe. Das stimmt, doch die Nachfrage konzentriert sich heute auf moderne zweistrahlige Langstreckenmaschinen wie den A350 und die Boeing-787.

          Emirates und Airbus verhandeln nun über eine Neuordnung des jüngsten Auftrages über 20 A380. Gleichzeitig werden die Gespräche zwischen Rolls-Royce und Emirates fortgesetzt. Die Triebwerkshersteller General Electric und Pratt&Whitney, die in einem Gemeinschaftsunternehmen ein Konkurrenzmodell anbieten, hatten sich im vergangenen Jahr an dem Auftrag für Emirates nicht interessiert gezeigt. Sollte das A380-Programm eingestellt werden, wären besonders die Standorte Toulouse und Hamburg betroffen, wo die Endmontage stattfindet.

          In der aktuellen Debatte um den A380 meldete sich am Freitag auch der Vorstandsvorsitzende der britisch-spanischen Fluggesellschaft IAG, Willie Walsh, zu Wort, der 12 der Großraummaschinen im Einsatz hat: Er sei höchst zufrieden mit der Maschine. „Sie funktioniert extrem gut. Doch ich habe Airbus immer gesagt: Wenn Sie das Flugzeug verkaufen wollen, müssen sie extrem aggressiv beim Preis sein“.

          Der A380 steht mit 445 Millionen Dollar in den Preislisten von Airbus. Auf diese werden aber fast immer hohe zweistellige Abschläge gewährt. Es ist bekannt, dass Airbus mit dem A380 kein Geld verdient. Daher zeigten sich die Anleger am Freitag wegen der düsteren Aussichten für die Maschine nicht zerknirscht. Der Kurs von Airbus lag mit einem Prozent im Plus.

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