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Debütanten am Aktienmarkt : Ein halbes Dutzend Börsenkandidaten

Gute Stimmung am deutschen Aktienmarkt: Fachleute glauben, dass vor allem Private Equity Firmen davon profitieren wollen Bild: Verena Müller / F.A.Z.

Viele für 2010 vorgesehene Börsengänge sind aufgrund der Griechenland-Krise im Frühjahr verschoben worden. 2011 aber könnten rund ein halbes Dutzend Unternehmen ihr Debüt am deutschen Aktienmarkt geben. Das sagen in Frankfurt ansässige Investmentbanker voraus.

          Rund ein halbes Dutzend Unternehmen dürften im kommenden Jahr ihr Debüt am deutschen Aktienmarkt geben. Das sagen in Frankfurt ansässige Investmentbanker voraus. Verkäufer dürften überwiegend Private-Equity-Unternehmen sein, die von der guten Stimmung am deutschen Aktienmarkt profitieren wollen. Mehrere der nun für 2011 vorgesehenen Börsengänge waren schon für dieses Jahr ins Auge gefasst worden. Als ein Grund der Verschiebung wird in Banken die Verunsicherung der Anleger durch den Ausbruch der griechischen Schuldenkrise im Frühjahr genannt. Eine eventuelle Eskalation der laufenden Schuldenkrise könnte daher durchaus eine nochmalige Verschiebung von Börsengängen zur Folge haben.

          Auf der Kandidatenliste steht unter anderem der in Telgte im Münsterland ansässige Textilhändler Takko Holding, der in Europa rund 1400 Filialen betreibt und auf einen Umsatz von fast einer Milliarde Euro kommt. Takko befindet sich seit dem Jahr 2007 im Besitz der Bostoner Private-Equity-Gesellschaft Advent International. Allerdings läuft für Takko ein „Dual-Track-Verfahren“: Neben einem Börsengang wird auch ein Verkauf des Unternehmens an einen anderen großen Investor erwogen.

          Gleiches gilt für das Berliner Immobilienunternehmen GSW, das rund 50.000 Wohneinheiten mit 3,1 Millionen Quadratmetern besitzt. Dieses Portfolio wurde Ende 2009 mit 2,9 Milliarden Euro bewertet. Die GSW befindet sich im Besitz der Private-Equity-Unternehmen Whitehall und Cerberus. An die Börse strebt zudem der im hessischen Maintal ansässige Industrieausrüster Norma, der unter anderem Schläuche und Dichtungen herstellt. Der Umsatz des von dem britischen Investor 3i-Group gehaltenen Unternehmens beläuft sich auf rund eine halbe Milliarde Euro. Gelegentlich ist auch der Name der auf Factoring spezialisierten GE Heller Bank als Börsenkandidat zu hören.

          Geringes Interesse der Privatanleger

          Das Interesse deutscher Privatanleger an Börsengängen ist in den vergangenen Jahren gering geblieben. An den fünf Plazierungen des laufenden Jahres beteiligten sich deutsche Privatanleger im Durchschnitt mit weniger als 10 Prozent; lediglich beim Werbeunternehmen Stroer war der Anteil zweistellig.

          Die Aktien der Neulinge waren indessen bislang keine schlechte Anlage: Seit ihren Börsengängen sind die Kurse dieser Aktien im Durchschnitt um rund ein Drittel gestiegen. Auch deutsche Großanleger sind zurückhaltend; dagegen werden mindestens 40 Prozent der Aktien in London verkauft. „Es gibt rund zwei Dutzend britische und amerikanische Großanleger, die an solchen Papieren interessiert sind“, heißt es aus einer Investmentbank in Frankfurt. Diese Investoren, bei denen es sich überwiegend um Hedge-Fonds sowie Investment- und Pensionsfonds handelt, nehmen dementsprechend starken Einfluss auf den Emissionspreis.

          Im zu Ende gehenden Jahr haben deutsche Unternehmen nach Angaben von Investmentbankern rund 20 Milliarden Euro Eigenkapital bei Investoren eingeworben. Nahezu die Hälfte dieses Betrags entfiel auf die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Im kommenden Jahr dürften neben Börsengängen von Unternehmen aus dem Besitz von Private Equity einige Kapitalerhöhungen nicht zuletzt aus der Finanzbranche zu erwarten sein. So gilt es am Finanzplatz Frankfurt als sicher, dass die Commerzbank versuchen wird, neue Aktien zu plazieren. Aber auch andere Banken sowie Versicherungen sollen in den Startlöchern stehen.

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