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Debatte um Organspende : So leicht manipuliert man uns nicht

Wer entscheidet, ob und in welcher Form wir unsere Organe spenden? Bild: dpa

Politik und Wissenschaft versuchen immer wieder, Menschen in die richtige Richtung zu drängen: zum Sport, zum Sparen – und nun auch zum Organspenden. Allerdings funktioniert das gar nicht so gut.

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          Donnerstag ist ein Tag der Hoffnung für alle in Deutschland, die ein Spenderorgan brauchen. Dann beschließt der deutsche Bundestag wahrscheinlich einen Gesetzentwurf, der die meisten Deutschen zu Organspendern machen soll. Es geht um die Frage, was geschieht, wenn jemand keine eigene Entscheidung hinterlassen hat. Bisher müssen Angehörige eines Sterbenden in seinem Sinne zustimmen. Künftig soll das Spenden die Regel sein. Angehörige sollen nur noch widersprechen, wenn sie überzeugt sind, dass der Sterbende das nicht wollte. So soll Deutschland endlich zu mehr Spenderorganen kommen, damit kranke Menschen nicht mehr so lange auf ein neues Herz oder eine neue Niere warten müssen – so stellen es sich Abgeordnete aus vielen Parteien vor, darunter Gesundheitsminister Jens Spahn und Karl Lauterbach aus der SPD.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist buchstäblich ein Manöver aus dem Lehrbuch. „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt“ heißt das Werk, das der amerikanische Verhaltensökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein 2008 vorgestellt haben. Die Idee: Alle Menschen wollen Sport treiben, sich gesund ernähren und Geld fürs Alter sparen, aber weil sie so schwach sind, schaffen sie das nicht immer. Also denken sich Forscher Nudges aus, kleine Schubser, die den Menschen das gute Verhalten erleichtern und das schlechte Verhalten etwas erschweren, ohne es gleich zu bestrafen. Im Bürogebäude können die Treppen prominenter plaziert werden als die Aufzüge. In der Kantine soll der Salat an die auffälligste Stelle rücken, die fettige Lasagne weit an den Rand.

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