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Debatte um Raubtierbestand : Das Blut des Wolfes

Nachts sind die Kühe auf der Weide von Ralf Högemann gefährdet. Am liebsten reißen die Wölfe die jungen Kälber, oft können die Muttertiere ihre Jungen aber verteidigen. Bild: Matthias Lüdecke

Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt. Was Naturschützer freut, ärgert die Landwirte, deren Kälber sich der Wolf holt. Besonders in Ostdeutschland wird das streng geschützte Tier kurz vor den Landtagswahlen zunehmend zu einem Politikum.

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          „Die Angst fährt immer mit.“ Ralf Högemann schwingt sich in seinen Geländewagen, Zeit für die morgendliche Kontrollrunde. Der Wagen ruckelt über die Felder, gelegentlich drehen die Reifen im Matsch durch, es hat die vergangenen Tage viel geregnet in Treuenbrietzen, einem kleinen Ort im Süden Brandenburgs. Seit rund dreißig Jahren ist Högemann hier Landwirt. 500 Rinder auf 600 Hektar Land, die männlichen Kälber verkauft er an Mäster, die weiblichen behält er für die Zucht. Doch immer häufiger fragt sich Högemann, wie lange er sich das noch antun soll: Tiere aufziehen, die sich dann der Wolf holt. Er stoppt den Wagen, setzt das Fernglas an, der sonst so redselige Mann wird plötzlich ganz still. Högemann zählt seine Kälber. Dann atmet er auf. Glück gehabt, alle sind noch da.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das ist nicht immer so. 35 tote Tiere durch Wolfsrisse hat Högemann in den vergangenen zwölf Monaten gezählt. Zuletzt hat es ihn Anfang April erwischt, das Kalb war gerade erst einen Tag alt. Die Mutter hat noch versucht, es zu verteidigen, Bissspuren an ihren Ohren künden vom nächtlichen Kampf. Högemann hat eine Excel-Datei angelegt, sie ist ausgedruckt zwei Seiten lang. „Kalb, Kalb, Kuh, Kalb, Kalb, Fohlen“, so geht das immer weiter, mit Datum und den Nummern der Tiere. Mal war der Rissgutachter des Landesumweltamtes da, mal hat Högemann ihm Fotos geschickt. Die Bildergalerie auf seinem Handy gleicht einem Schlachtfeld: lauter tote Tiere. Von einem Kalb, das ein geschientes Bein hatte, hat Högemann nur noch den Verband in einem nahegelegenen Waldstück gefunden. Auf rund 1000 Euro beziffert er den Schaden je Kalb. Der Bauer ist es leid: „Meine Tiere waren vor den Wölfen hier. Der Wolf gehört gejagt.“

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