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Boomender Arbeitsmarkt : Dax-Konzerne schaffen mehr als 100.000 neue Stellen

Gewinnmaschine: Dax-Konzerne sorgen für Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt. Bild: Bloomberg

Auch wenn Umsatz- und Gewinndynamik im dritten Quartal etwas nachgelassen haben: Die Wirtschaft ist weiter auf Rekordjagd – und steckt gleichzeitig in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess.

          Die Konzerne, die mit ihren Papieren im Aktienindex Dax vertreten sind, haben im dritten Quartal die Zahl ihrer Mitarbeiter abermals um 3,4 Prozent aufgestockt. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben die Dax-Konzerne damit knapp 124.000 neue Stellen geschaffen. Der Stellenaufbau geschieht vor dem Hintergrund eines nach wie vor brummenden Geschäfts: Denn die Unternehmen konnten ihren Umsatz im dritten Quartal um 4Prozent auf 329 Milliarden Euro steigern. Das ist ein neuer Rekordwert.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Nicht überall aber stehen die Zeichen auf Wachstum. Denn der Gewinn ist erstmals seit dem zweiten Quartal 2016 gesunken. Vor allem Sondereffekte führten hier zu einem Minus von 9 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro. Aber auch das ist noch immer der zweithöchste Wert aller Zeiten. Mit Blick auf das Umsatzwachstum hatten im dritten Quartal der Gesundheitskonzern Fresenius und Deutsche Lufthansa die Nase vorn, die um 12 beziehungsweise 11 Prozent zulegten. Sinkende Umsätze verzeichneten nur vier Unternehmen: Munich Re, Linde, RWE und Bayer.

          Von verschiedenen Sondereinflüssen gekennzeichnet

          Der Blick auf die Gewinnentwicklung ist von verschiedenen Sondereinflüssen gekennzeichnet, die mit der Konjunktur wenig oder nichts zu tun haben: Dreizehn Konzerne mussten einen Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) vermelden, ein Unternehmen – die Munich Re – machte gar Verlust. Die insgesamt schwache Gewinnentwicklung ist allerdings teilweise auf Sondereffekte zurückzuführen: In der Ertragsrechnung des Rückversicherers Munich Re führte die schwere Hurrikan-Saison in den Vereinigten Staaten und in der Karibik zu hohen Einbußen, in den Häusern Daimler und Volkswagen waren hohe Kosten für die Nachrüstung von Dieselautos und eine Rückrufaktion der Grund für den Gewinnrückgang. Den höchsten Gewinn fuhr dennoch Daimler mit 3,5 Milliarden Euro ein, gefolgt von der Deutschen Telekom (3,1 Milliarden Euro) und Allianz (2,5 Milliarden Euro). Ungeachtet des nachlassenden Umsatzwachstums – im ersten Halbjahr war der Gesamtumsatz der Dax-Konzerne noch um 7,3 Prozent gestiegen – und des sinkenden Gewinns setzen die Dax-Konzerne unter dem Strich weiter auf Expansion und stellen zusätzliche Mitarbeiter ein.

          Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- beziehungsweise Quartalsberichte. „Die Dax-Konzerne sind weiter im Wachstumsmodus, aber der Schwung hat im dritten Quartal etwas nachgelassen“, wird Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung, in einer Mitteilung zitiert: „Das liegt zum einen an Sondereffekten, die die Gewinnbilanz verhagelten. Zum anderen herrscht aber, trotz des Rekordumsatzes und eines nach wie vor hohen Gewinnniveaus, längst nicht überall eitel Sonnenschein.

          Angesichts sich rasch verändernder Märkte und des rasanten technologischen Wandels befinden sich viele Großkonzerne in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess. Sie schaffen neue Unternehmensstrukturen, spalten Teile ab und kaufen neue Kompetenzen hinzu. Und sie investieren Milliardensummen in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle und Zukunftstechnologien.

          Europas Wirtschaft erholt sich

          Im bisherigen Verlauf dieses Jahres konnten die Dax-Konzerne den Umsatz um 6,2 Prozent und den Gewinn sogar um 10,4 Prozent steigern. „2017 dürfte also trotz des leichten Durchhängers im dritten Quartal ein Rekordjahr werden“, erwartet Meyer. Besonders gut entwickelten sich im dritten Quartal das Asien- und das Europa-Geschäft, wo die Umsätze um 6 beziehungsweise 5 Prozent zulegten. Schwächer als in den Vorquartalen verlief das dritte Quartal hingegen in den Vereinigten Staaten: Hier verzeichneten die Konzerne unterm Strich nur noch ein Umsatzwachstum von 3,6 Prozent, nachdem im zweiten Quartal die Umsätze noch um 10 Prozent gestiegen waren – hier wirkten vor allem Währungseffekte bremsend.

          Erfreulich sei aber die anhaltend positive Entwicklung auf dem Heimatkontinent, so Meyer: „Die wirtschaftliche Erholung in Europa ist robust – hier erzielen die Dax-Konzerne immerhin die Hälfte ihres Umsatzes. Die Arbeitslosigkeit sinkt auch in den ehemaligen Krisenländern kräftig, und das Konsumenten-Vertrauen steigt ebenso wie die Investitionsbereitschaft“. Insgesamt also rosige Aussichten auch für den Standort Deutschland. Und auch mit den Zukunftsinvestitionen ging es im zweiten Quartal weiter aufwärts: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen gegenüber der vergleichbaren Zeitspanne des Vorjahreszeitraums um vier Prozent auf 11,6 Milliarden Euro.

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