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Vereinigte Staaten : Das zerrissene Einwandererland

Eine Grenzkontrolle glättet den Sand vor dem Grenzzaun zu Mexiko, um Fußspuren von Flüchtlingen besser sichtbar zu machen. Bild: AFP

Die Stimmung gegenüber Migranten in den Vereinigten Staaten wird immer feindseliger. Und das nicht erst seit Donald Trump in den Präsidentschaftswahlkampf eingestiegen ist.

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          Die ganze Welt redet über Immigration. Das ist der europäischen Flüchtlingskrise zu verdanken und dem Immobilien-Milliardär Donald Trump, der gerne Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte mit ausländerfeindlichen Tiraden. Die große Zustimmung für diesen Mann zeigt allerdings, dass er einen Nerv getroffen hat. Viele Weiße haben Angst, dass sich das Land verändert und ihnen dadurch nicht mehr vertraut sein wird. Wie Meinungsforscher vom Pew Research Center ermittelten, glaubt mehr als die Hälfte der weißen Babyboomer und Rentner, dass wachsende Zuwanderung aus anderen Ländern die traditionellen amerikanischen Werte bedroht.

          Achtung Flüchtlinge: Auf diese Schilder stößt man an der Grenze zwischen Mexiko und Texas häufiger.
          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Vereinigten Staaten erleben tatsächlich dank der Zuwanderung einen tiefgreifenden Wandel. In mehr als einem Drittel der hundert größten amerikanischen Ballungsräume sind weiße Kinder inzwischen in der Minderheit, notiert der bekannte Demograph William Frey von der Denkfabrik Brookings. In den drei Bundesstaaten New Mexico, Texas und Kalifornien bilden die Weißen zwar noch die stärkste Gruppe, die Minderheiten zusammen genommen sind dort jedoch inzwischen in der Mehrheit, sagt Frey. Das ist eine Folge der Zuwanderung und der Fertilität: Die Einwanderer verzeichnen mehr Geburten als Todesfälle.

          Kalifornien ist der amerikanische Bundesstaat, der nach allgemeiner Überzeugung dem Rest des Landes stets einige Jahre voraus ist. Was für das ganze Land gilt, gilt für Kalifornien besonders: Es ist der Sehnsuchtsort vieler legaler und illegaler Einwanderer. Lateinamerikanische Landarbeiter ernten hier das Obst, das Gemüse und die Nüsse, mit denen das ganze Land versorgt wird. Inder programmieren und managen im Silicon Valley, Iraner im Großraum Los Angeles versorgen als Ärzte Patienten oder betreiben kleine Unternehmen. Der Bundesstaat vereinigt das ganze Spektrum der Migration: Politische Flüchtlinge, Illegale, klassische Einwanderer und Spezialisten, die wegen ihrer Kenntnisse Sonder-Visa bekommen.  

          Zuwanderer wählen Demokraten

          Die Zuwanderung spiegelt sich in ganz unterschiedlichen Zahlen. Jeder vierte Schüler in Kalifornien muss sich das Englische in der Schule aneignen, weil er eine andere Muttersprache hat. In einem Schuldistrikt (Santa Ana) sind diese Schüler sogar in der Mehrheit.

          Noch in anderer Hinsicht ist Kalifornien interessant. Der Bundesstaat zeigt, wie die Zuwanderung die Politik prägt. Mitte der neunziger Jahre unterstützten Republikaner einen Anti-Immigrations-Wahlkampf, den der damalige republikanische Gouverneur Pete Wilson zum Zwecke seiner Wiederwahl unter dem Motto „Genug ist genug“ angezettelt hatte. Er machte sich für die Forderung einer Initiative stark, die Illegale von staatlichen Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheitsversorgung ausschließen wollte. Wilson gewann mit großer Mehrheit. Doch danach begann der Niedergang der Republikaner in dem Bundesstaat, den auch der populäre Immigrant Arnold Schwarzenegger (Gouverneur bis 2011) nicht aufhalten konnte.

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