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DDR-Manager : Das Treuhand-Trauma ist immer noch da

  • -Aktualisiert am

Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie aus Berlin und Brandenburg demonstrieren am 28.11.1990 vor dem Sitz der Treuhandgesellschaft in Berlin. Bild: Picture-Alliance

Viele frühere Manager aus der DDR ärgert, wie ihre Betriebe abgewickelt wurden. Jetzt machen sie ihrem Ärger Luft – und werden von einer neuen Angst geplagt.

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          Die Sache mit den Behörden, sie lässt Eckhard Netzmann nicht los. Der 81-Jährige war einer der führenden Manager in der früheren DDR, hat Walzwerke, Zementfabriken und zuletzt das Kombinat für Kraftwerksanlagenbau geleitet. Eigentlich könnte Netzmann schon lange seinen Ruhestand genießen, doch in ihm brodelt etwas: Unmut darüber, wie nach der Wiedervereinigung Zehntausende Arbeitsplätze in der ostdeutschen Industrie verlorengegangenen sind. Und Unmut darüber, wie die Politik nun angesichts von drei nahenden Landtagswahlen versucht, diese Lücke zu schließen: zum Beispiel, indem sie den Menschen vor Ort die Ansiedlung neuer Behörden verspricht. „Jetzt wollen sie also Beamtensilos aus dem Westen in die Lausitz bringen“, sagt Netzmann und schnaubt verächtlich. „Das hat doch alles keinen Wert!“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Netzmann sitzt in den Räumen der Berliner Verlegerin Katrin Rohnstock, die eine Gesprächsrunde der besonderen Art ins Leben gerufen hat. „Erzählsalon“ nennt sich das Format, in dem frühere Kombinatsdirektoren über ihre Arbeit in der DDR, die Jahre des Umbruchs und ihre Sicht auf die heutigen Verhältnisse berichten. Die Orte wechseln, das Ziel bleibt dasselbe: Die Erzählsalons sollen Menschen eine Bühne geben, die das Gefühl haben, dass ihre Geschichten lange Zeit niemand hören wollte. Mehr als fünfzig ehemaligen Kombinatsdirektoren hat Rohnstock schon eine Bühne gegeben, viele ihrer Geschichten sind in dem Buch „Jetzt reden wir“ gebündelt. Das Interesse in Berlin ist groß, immer wieder müssen die Verlagsmitarbeiter neue Stühle in den Raum rücken. Das Publikum ist bunt gemischt, neben ehemaligen Mitarbeitern der volkseigenen Betriebe sitzen Jungberliner, die zur Wende noch nicht einmal geboren waren.

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