https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/das-steuerexperiment-15324608.html

Finanzamt-Kommentar : Das Steuerexperiment

Unternehmen sollen an einem einzigen Anlaufpunkt ihre gesamten Mehrwertsteuerpflichten für alle EU-Staaten erfüllen können, eine gute Idee. Die Frage ist, ob das auch in der Praxis funktioniert. Zweifel sind berechtigt.

          1 Min.

          Die Idee klingt gut: Künftig sollen Unternehmen an einem einzigen Anlaufpunkt ihre gesamten Mehrwertsteuerpflichten für alle EU-Staaten erfüllen können – in einer Sprache, nach einem ihnen bekannten Muster. Zumindest für bestimmte Geschäfte soll die Vision bald Wirklichkeit werden. Die EU-Finanzminister wollen den Ansatz an diesem Dienstag in Brüssel beschließen.

          Für die Unternehmen klingt das attraktiv. Wer beispielsweise in Deutschland sitzt, kann die lästige Pflicht aus Anmelden und Zahlen leichter erfüllen. Betriebe im Ausland können wählen, mit welchen Finanzbehörden sie bei der Umsatzsteuer künftig für ihre EU-Geschäfte exklusiv zusammenarbeiten wollen.

          Die entscheidende Frage ist, ob das Experiment am lebenden Objekt gelingen wird. Wie sich in der Euro-Staatsschuldenkrise brutal gezeigt hat, sind etwa die griechischen Finanzbeamten gnadenlos überfordert, auch nur die eigenen Steuern nach eigenem Recht einzutreiben.

          Befürworter der Neuregelung weisen beschwichtigend darauf hin, dass die nationalen Behörden in Zweifelsfällen Rat in anderen Ländern einholen können. Solche Auskunftsersuchen gibt es schon – allerdings nicht immer eine Antwort.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Weitere Themen

          „Fast ein Luxusgut“

          Kaffee in der EU : „Fast ein Luxusgut“

          Die Kaffeepreise in der Europäischen Union sind im August durchschnittlich um satte 16,9 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Ländern.

          Topmeldungen

          Vieles bleibt geheim:das Gefangenenlager Urumqi Nummer 3 in Dabancheng in der westchinesischen autonomen Region Xinjiang im April 2021

          Keine Debatte über Xinjiang : Da klatscht China Beifall

          Eine Niederlage für den Westen: Im UN-Menschenrechtsrat verhindern Pekings Freunde eine Debatte über den Xinjiang-Bericht. Sogar Kiew verhält sich anders als vom Westen erwartet.
          Ankara, am 2. Oktober: Eine junge Frau demonstriert gegen das Regime in Iran und wird –  wie etliche andere –  von Polizistinnen festgenommen.

          Brief aus Istanbul : Die Türkei wird iranisiert

          Während die Menschen in Iran gegen das Regime aufbegehren, dreht Erdoğan weiter an der religiösen Schraube. Und sucht die Nähe zu den arabischen Ländern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.