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Gut fürs Klima? : Das Problem mit dem Flüssiggas

Ein Flüssiggasfrachter im Hafen von Rotterdam Bild: dpa

Donald Trump will, dass die Europäer mehr amerikanisches Flüssiggas kaufen. Umweltschützer warnen aus mehreren Gründen davor.

  • -Aktualisiert am

          Gas hat derzeit Konjunktur – wirtschaftlich wie politisch. Nach dem eingeläuteten Kohleausstieg soll der als weniger klimaschädlich geltende Energieträger sicherstellen, dass es genug Elektrizität gibt. Schon im vergangen Jahr hatte Gas im deutschen Strommix Boden zu Lasten der Kohle gutgemacht.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Aus Sicht des amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat amerikanisches Gas noch mehr Vorteile. Es sichert nicht nur dessen Geschäftsinteressen, sondern soll die Dominanz russischen Pipelinegases in Europa brechen. Die Amerikaner nennen ihr verflüssigtes Gas – LNG –, mit dem sie die Welt und Europa beliefern wollen, deshalb „Freiheitsgas“. Die Bundesregierung will zwei Importterminals an der Deutschen Bucht bauen.

          In ganz anderen Dimensionen wird in den Vereinigten Staaten und Kanada geplant. Auf der ganzen Welt sei geplant, die LNG-Kapazitäten zu verdreifachen, schreibt der Global Energy Monitor, eine auf Energiethemen spezialisierte Umweltgruppe. Das aber sei gar nicht gut für das Klima. „Die Ausbaupläne befinden sich auf Kollisionskurs mit den Klimazielen von Paris, wonach der Gasverbrauch bis zum Jahr 2030 um 15 Prozent sinken soll“, heißt es. Geldgeber müssten aufpassen: „Es besteht das Risiko, dass Investitionen über 1,3 Billionen Dollar verloren gehen.“

          Die Autoren machen folgende Rechnung auf. Aktuell betragen die weltweiten LNG-Exportkapazitäten gut 400 Millionen Tonnen im Jahr. Projekte für weitere 45 Millionen Tonnen sind im Bau und für 800 Millionen Tonnen gibt es Pläne. Allein Amerika würde seine Exportkapazität verzehnfachen, Russland verdreifachen und Kanada von heute null auf 280 Millionen Jahrestonnen in die Höhe schnellen.

          Terminals als Druckmittel in Verhandlungen?

          Mindestens 202 neue LNG-Terminals würden derzeit geplant, davon 116 zur Ausfuhr. Zwei Drittel der weltweiten Investitionen flössen in nordamerikanische Export-Anlagen. Unter den zehn Ländern mit den größten Vorhaben führten Amerika und Kanada mit weitem Abstand vor Russland, Australien, Tansania, China und Indonesien. Der Bau neuer Import-Kapazitäten konzentriere sich auf Asien.

          Die Autoren sehen die Wirtschaftlichkeit vieler Investments aus zwei Gründen als riskant an: Erstens werde die Erzeugung erneuerbarer Energien, die weitgehend ohne CO2-Emissionen auskommen, immer günstiger. Es sei absehbar, dass Gaskraftwerke damit im Wettbewerb zurückfielen. Das Risiko sei umso größer, je länger die Investitionen in neue Hafeninfrastruktur abgeschrieben werden müssten. Zusätzliche Kosten wie die hierzulande erwogene CO2-Abgaben auf Kohle, Öl und Gas könnte die Wirtschaftlichkeit der Investitionen weiter mindern.

          Gefahr droht auch aus anderer Perspektive. Nach Berechnungen des Weltklimarates, eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums der Regierungen, müsste der Gasverbrauch bis 2030 um 15 Prozent, bis 2050 sogar um 43 Prozent sinken, wenn die Klimaziele von Paris erreicht werden sollten. Mehr LNG-Terminals und ein größerer Verbrauch passten dazu nicht – es könnten regulatorische Eingriffe drohen.

          Wegen der großen Mengen des Klimagases Methan, die durch Fördern, Transportieren und Verbrennen des Gases freigesetzt würden, sei dessen Klimabilanz fragwürdig. „Bezogen auf einen Zeitraum von 20 Jahren würden die angekündigten neuen LNG-Terminals den Klimaeffekt der heute geplanten neuen Kohlekraftwerke um 25 Prozent übertreffen“, schreiben die Autoren.

          Eine Hoffnung indes haben sie: Da erst 8 Prozent der geplanten Erweiterungen im Bau seien, gebe es noch ausreichend Möglichkeiten, den Aufbau von Überkapazitäten zu vermeiden.

          Hinzu kommt ein in Europa beobachtetes Phänomen. Drei Viertel der LNG-Terminal-Kapazitäten werden gar hier nicht genutzt. Für Händler kann es wirtschaftlich sein, mit dem Einsatz der vorab gebuchten LNG-Kapazitäten zu drohen, um den Verkäufer von Pipelinegas zu Preisnachlässen zu bewegen.

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