https://www.faz.net/-gqe-978x4
 

Kommentar : Mehr Geld für unsere Olympia-Stars

  • -Aktualisiert am

Laura Dahlmeier erreicht keinen Millionenverdienst Bild: AP

Im Fußball verdienen Sportler Millionen, im Wintersport haben sie darauf keine Chance. Schuld ist das olympische Komitee.

          2 Min.

          Nur zu gerne regen wir uns über überbezahlte Sportler auf: Ob im Fußball oder Basketball, die Spitzenspieler verdienen Millionen – per Gehalt und Sponsorenverträgen zuhauf. Bei unseren Olympiateilnehmern im südkoreanischen Pyeongchang sieht das anders aus. Die Einkommen fallen wesentlich bescheidener aus. Die Wintersportler finanzieren sich über Geld aus der deutschen Sportförderung und einen Job im öffentlichen Dienst. Ob Sportsoldaten, Polizeibeamte oder Zollwachtmeister: Unter den Olympiateilnehmern finden sich in erster Linie Staatsbedienstete. Der Einsatzort liegt dann bevorzugt direkt im Bayerischen, da ist die Rodelbahn gleich um die Ecke.

          Dass Deutschland vor allem „Staatssportler“ zu den Spielen schickt, sorgt für Kritik bei Olympia-Fundamentalisten. Immerhin gehe es um den Amateurgedanken. Jeder soll die Chance auf eine Medaille haben – sofern er die olympische Norm schafft. „Dabei sein ist alles“ ist aber nur das vermeintliche Motto der Spiele. Der offizielle Wortlaut geht anders: „Citius, altius, fortius“, heißt es in der Satzung des Olympischen Komitees: „Schneller, höher, stärker.“ Es ist demnach der Sieg, der zählt.

          Wer sich die Einnahmen der Wintersportler ansieht, dem wird schnell klar, warum viele das Angebot des Staates dankend annehmen, in den öffentlichen Dienst zu gehen. Ohne Absicherung geht es nicht, stünde Deutschland wahrscheinlich gerade nicht so weit vorne im Medaillenspiegel. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe bezahlt in der Basisförderung nur 300 Euro im Monat. Wer zur absoluten Spitze zählt, kommt mit der Eliteförderung auf 1100 Euro im Monat.

          Thomas Müller verdient 16 Millionen – Laura Dahlmeier nicht mal eine

          Um ihren Sport zu finanzieren, müssten die Athleten also Unmengen an Zeit Sponsoren widmen, die für Wintersport weit weniger zahlen als beispielsweise für Fußball. Ein Vergleich: Fußballer Thomas Müller verdient im Jahr rund 16 Millionen Euro durch sein Gehalt beim FC Bayern München und Prämien, die es für Tore und Meisterschaften gibt. Für Werbung bekommt er nach Schätzungen noch einmal vier Millionen Euro. Biathletin Laura Dahlmeier, obwohl Einzelsportlerin, Olympiastar und Spitzenverdienerin im Wintersport, erreicht trotz ihrer 18 Sponsoren nicht einmal die Millionengrenze.

          Um sich finanziell abzusichern, brauchen viele Sportler den Beamtenjob. Zumal die Sportler während der Olympischen Spiele ein Werbeverbot plagt. Ganz im Sinne des Amateurprinzips darf nicht für die Sponsoren geworben werden. Das trägt absurde Früchte. Beim Skispringen werden Ski abgeklebt, in den Stadien Plakatwände verhüllt. Laura Dahlmeier kann ihre Goldmedaillen also erst dann über Werbeverträge zu Geld machen, wenn das südkoreanische Spektakel vorbei ist.

          Ein Olympiasieg bringt nur 20.000 Euro

          Ein Olympiasieg an sich spült nämlich nur wenig Geld in die Kasse: Die Stiftung Deutsche Sporthilfe bezahlt für Gold 20.000 Euro. Andere Staaten sind da großzügiger – auch auf Kosten der Steuerzahler. Polnische Olympiasieger erhalten 50.000 Euro für Gold und eine lebenslange, steuerfreie Rente ab dem 40. Lebensjahr. Italiens Olympiateilnehmer winken bei einem Sieg 150.000 Euro und zusätzlich für vier Jahre jährlich 30.000 Euro. Trotzdem dürften auch sie von den Prämien in anderen Sportarten nur träumen: Unsere Fußballnationalspieler bekämen im Fall einer Titelverteidigung im Sommer 350.000 Euro – je Kopf.

          Wer anprangert, dass Deutschland mit seinem Zoll-Ski-Team und den Sportkompanien der Bundeswehr dem Amateurgedanken von Olympia widerspricht, dem sei deshalb gesagt: Die Sportler werden nicht Staatsdiener, um sich auf einer staatlichen Rente auszuruhen. Sie müssen in den öffentlichen Dienst, um bei internationalen Wettbewerben für ihr Land erfolgreich sein zu können. Es ist an der Zeit, dass das Olympische Komitee seine Doppelzüngigkeit aufgibt: Der Amateurgedanke hat ausgedient. Längst dominieren professionelle Sportler die Spiele.

          „Schneller, höher, weiter“ – das olympische Motto sollte auch fürs Geldverdienen offiziell gelten. Dann dürften die Sportler werben, würden nach Leistung und Marktwert bezahlt. Und der Staat könnte sich ihre Verbeamtung sparen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das französische Atomkraftwerk Cattenom

          Grüne im Dilemma    : Eine Kröte namens Atomkraft

          Gegen die atomfreundliche EU-Taxonomie zu kämpfen, dürfte für die Grünen vergebens sein. Die europäische Kooperationsperspektive stünde auf dem Spiel. Ein Gastbeitrag.