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EU ist größter Verlierer : Das Milliardengeschäft mit den Steueroasen

Steuervermeidungsstrategien von Unternehmen kosten die EU Milliarden. Bild: dpa

Eine neue Studie belegt: Konzerne verschieben Gewinne in großem Stil. Keine andere Region der Welt bezahlt das mit größeren Steuerverlusten als die EU.

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          Die Europäische Union leidet stärker als alle anderen Weltregionen unter den Steuervermeidungsstrategien internationaler Konzerne. Das geht aus einer neuen Studie mehrerer international anerkannter Steuerforscher hervor. Demnach entgehen den EU-Staaten 20 Prozent ihrer möglichen Unternehmensteuereinnahmen, weil Konzerne wie Google, Apple oder Nike erhebliche Anteile ihrer Gewinne in Länder verlagern, die keine oder nur geringe Körperschaftsteuern erheben.

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Der Verlust für den Fiskus der geschädigten Länder summiere sich auf rund 200Milliarden Euro im Jahr. Allein in Deutschland, wo Unternehmen 2017 rund 70 Milliarden Euro Körperschaft- und Gewerbesteuer gezahlt haben, könnten dem Fiskus mehrere Milliarden Euro entgangen sein. 2015, aus dem die Studiendaten stammen, zählten die Ökonomen unter anderem Irland, die Bermuda-Inseln, Luxemburg und die Schweiz zu den Steueroasen. „Wir schätzen, dass multinationale Konzerne jedes Jahr fast 40 Prozent ihrer Gewinne in diese Länder verschieben“, schreiben Gabriel Zucman (University of California, Berkeley) und zwei weitere Autoren.

          Um die Steuervermeidung zu beziffern, haben sie eine neue Methodik angewendet. Sie machten sich zunutze, dass auch kleinere Steueroasen vermehrt gesamtwirtschaftliche Daten veröffentlichen. Die Forscher verglichen, in welchem Verhältnis die in einem Land gezahlten Löhne zu den dort gemeldeten Vorsteuergewinnen der Unternehmen stehen.

          Normalerweise sei die Lohnsumme insgesamt rund dreimal höher als die Gewinne. In Luxemburg und Irland sei es umgekehrt: Gemeldete Gewinne seien etwa zweieinhalbmal so hoch wie die Lohnsumme. Für die Forscher ist das ein Hinweis, in welchem Maß Großkonzerne ihre Gewinne dorthin verschieben, ohne nennenswert in den Ländern aktiv zu sein.

          Der Finanzwissenschaftler Johannes Becker (Universität Münster) hält die Methode zwar für innovativ, bezweifelt aber, dass die höheren Vorsteuergewinne in Ländern wie Luxemburg allein auf Steuervermeidung zurückzuführen sind. „Es ist auch möglich, dass Unternehmen dort Bereiche ansiedeln, in denen weniger Personal benötigt wird, aber hohe Gewinne erwirtschaftet werden“, sagte er.

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