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Weltweite Umfrage : Was für die Deutschen in der Klimapolitik das Wichtigste ist

In Indonesien gingen Tausende Hektar Wald durch Rodungen verloren. Bild: AFP

Was wäre die bedeutendste Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel? Eine neue Umfrage zeigt, dass für viele Deutsche der Ausstieg aus der Kohle nicht an erster Stelle steht.

          Zur Bekämpfung des Klimawandels halten die Deutschen den Rodungsstopp der globalen Wälder und die Einführung kostenloser öffentlicher Verkehrsmittel für die wichtigsten Maßnahmen. Erst danach würden sie Plastiktüten verbieten und die Kohleverstromung beenden, wären sie von heute auf morgen Regierungschef und dürften entscheiden.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          100 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist nicht einmal für jeden fünften Deutschen vorrangig. Die Bürger in der gesamten EU halten dies für die zweitwichtigste Maßnahme, ebenfalls mit dem Rodungsstopp an erster Stelle.

          Das geht aus einer Umfrage unter 25.000 Teilnehmern hervor, die die in Luxemburg ansässige Europäische Investitionsbank (EIB) gemeinsam mit den Meinungsforschern von Yougov in Europa, China und den Vereinigten Staaten durchgeführt hat. 

          „Wenn man überlegt, welche großen Überschriften in der Berichterstattung im Zusammenhang mit der Klimapolitik zuletzt dominierten, überraschen die Umfrageergebnisse etwas“, kommentierte Martin Berg, in der EIB verantwortlich für Umweltfonds und Klimafinanzpolitik. Er hätte Themen wie Kohleausstieg, Elektromobilität und Plastik in den Ozeanen in der Umfrage höher vermutet.

          Zwar finanziert die EIB auch indirekt Projekte, die die Abholzung von Wäldern stoppen. 85 bis 90 Prozent des EIB-Finanzierungsvolumens entfallen aber auf die EU. „Mit einem Abholzungsstopp in den Regenwäldern wäre natürlich weit mehr gewonnen als wir mit dem Verbot des Flugverkehrs hierzulande je erreichen könnten“, gesteht Berg.

          Aber auf der Agenda habe das Thema zuletzt weniger gestanden. Auch in China halten rund 40 Prozent der Befragten und damit ähnlich viele Menschen wie in der EU den Rodungsstopp für prioritär in Sachen Klimaschutz. In den Vereinigten Staaten sind es nur 27 Prozent.

          Ein verheerendes Zeugnis stellen die Befragten in Europa den öffentlichen Institutionen aus. Nur eine Minderheit hält die staatlichen Klimaschutzmaßnahmen für wirksam. EIB-Mann Berg enttäuscht das niedrige Vertrauen in die Bemühungen der EU: „Viele Standards und Projekte werden auf europäischer Ebene klar und schnell durchgesetzt, beispielhaft dafür stehen in Bezug auf die EIB die Finanzierung eines schwimmenden Offshore-Windprojekts in Portugal.“ Die Prioritäten hält er für richtig gesetzt, doch müsse man bei Themen wie Elektromobilität und Energieeffizienz offenbar noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.

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