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Das IOC in der Krise : Olympia ist am Boden

Doch die Reputation von Olympia könnte nicht schlechter sein. Der Verzicht des IOC auf einen Ausschluss der russischen Olympiamannschaft sorgt seit Tagen für Wellen der Empörung. Der ehemalige Automobilmanager und Sporthilfe-Vorsitzende Hans Wilhelm Gäb kritisierte den ehemaligen Funktionärskollegen Bach scharf und gab seinen Olympischen Orden zurück. „Wenn der oberste Hüter der olympischen Prinzipien die Prinzipien verrät, dann spricht das eine deutliche Sprache“, sagte Gäb. Doping sei Betrug und ein Verbrechen an anderen Menschen. Die Olympiasponsoren reagieren nicht und bleiben stumm – wie nicht anders zu erwarten.

Überfordert, schlecht geführt oder korrupt

Derweil schiebt das IOC seine Verantwortung beiseite. Zwar ist die Organisation Veranstalter der Spiele, doch auf einmal sollen nun die einzelnen Sportfachverbände dafür sorgen, dass in den unterschiedlichen Sportarten und Disziplinen nur „saubere“ russische Athleten an den Start gehen und somit auch die vom Staatspräsidenten Wladimir Putin mit Vehemenz geforderte Teilhabe Russlands in Rio gesichert ist. Viele Verbände sind hierbei überfordert, schlecht geführt oder korrupt – weshalb sich die Frage aufdrängt, ob die Auswahl überhaupt seriös umgesetzt werden kann. Es ist zu bezweifeln.

Einerseits glorifiziert das IOC den Olympismus, beruft sich auf Werte wie Höchstleistung, Fairplay oder Völkerverständigung. Im eigenen Handeln aber kann es diesen hoch angesetzten Idealen nicht gerecht werden. Olympia ist heute ein Riesenbusiness mit unterschiedlichsten Interessengruppen, mächtigen politischen Einflüssen, starken globalen Einwirkungen. Das Geschäftsmodell des IOC gerät an seine Grenzen. Statt Sonntagsreden über Werte braucht es mehr Kontrolle, Überwachungsmechanismen und ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl der Entscheider. „Es ist hochgradig problematisch, dass es entweder Diktaturen braucht oder korrupte Länder, damit Olympia heute überhaupt durchgeführt werden kann“, sagt der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth vom Basel Institute on Governance. Der Rechtswissenschaftler hat jahrelang die Arbeitsgruppe der OECD gegen Korruption geleitet und beim Fußball-Weltverband Fifa zwischen 2011 und 2013 wichtige Reformschritte implementiert. Pieth hält alle großen Sportverbände für zu unreguliert und stark reformbedürftig.

Das IOC befindet sich in einer schweren Vertrauenskrise. Was kann der Verbandsapparatschik Bach hier noch bewirken? Sein geplantes Reformpaket hatte Mut gemacht, ist aber längst nicht in die Praxis umgesetzt. Eine Stadt nach der anderen springt als Olympia-Kandidat ab. Meist Städte aus westlichen Ländern, denen die Dominanz der Sportorganisation, die vielen finanziellen Forderungen und das wirtschaftliche Risiko nicht mehr passen. Den Menschen an betroffenen Orten ist die überbordende, Ressourcen verschlingende Olympiamaschinerie unheimlich geworden. Hinzu kommt das Integritätsproblem mit dem Doping. Die Spiele sind inzwischen wesentlich schwerer zu vermitteln als in der Vergangenheit. Im vergangenen Herbst zog Hamburg seine Bewerbung für die Sommerspiele 2024 nach einem gescheiterten Bürgerreferendum zurück. Danach stieg Boston aus. Anlässlich der Winterspiele 2022 stieg erst Oslo aus, dann Stockholm, es folgten Krakau, München und Davos.

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