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Glücksspiel vor der Reform : Das große Zocken

Es gibt gut 220 000 Spielautomaten in Deutschland. Bild: Frank Röth [FAZ-Recht:1]

In Deutschland wird das Online-Spielen um Geld erlaubt. Der Staat will mitverdienen – treibt er die Zocker damit Kriminellen in die Arme?

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          Daniel Henzgen hat keinen leichten Stand. „In der politischen Diskussion werde ich oft angeschaut, als würde ich Hundebabys frühstücken“, sagt er. Das macht Henzgen vermutlich nicht. Aber er vertritt als einer der Geschäftsführer von Löwen Entertainment die Interessen des größten Spielhallenbetreibers im Land, der zugleich einer der größten deutschen Spielautomatenhersteller ist. „Ich finde es eine Unverschämtheit und Hochnäsigkeit einer pseudo-intellektuellen Mittelschicht, die Besucher von Spielhallen pauschal als Gescheiterte gesellschaftlich abzuqualifizieren“, schimpft Henzgen. Er zeichnet ein ganz anderes, fast schon idyllisches Bild. „Es ist der vielleicht letzte verbliebene Ort, wo sich Leute ohne soziale Schichtung bewegen können. Hier kann keiner mit einem 500-Euro-Schein den dicken Max markieren wie in der Spielbank. Hier sind alle gleich.“ Zehn Euro sind der maximale Einsatz. „Wir sehen hier ein Abbild der Gesellschaft, Partygänger vor dem Disco-Besuch ebenso wie Bewohnerinnen aus dem Altersheim, die den Geldeinwurf als Eintrittsgeld für die Teilhabe am Leben betrachten.“

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rund 8000 Spielhallen gibt es derzeit in Deutschland. Gut 220 000 Spielautomaten stehen dort und in Gaststätten. Sechs Milliarden Euro betrug der Bruttospielertrag für die Anbieter mit staatlicher Lizenz vor Ausbruch der Corona-Seuche im Jahr. Das ist der Betrag, den die Spieler im Lauf des Jahres mehr in die Automaten eingeworfen haben, als sie wieder herausbekamen. Rechnet man das auf die fünf Millionen regelmäßigen Spielhallenbesucher um, kommt man auf 1000 Euro je Person im Jahr; 200 Euro sind es für jeden der weiteren fünf Millionen Leute, die nach Angaben aus der Branche unregelmäßig spielen. Das ist viel Geld. Aber es gibt auch noch teurere Hobbys.

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