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„Botschaft an alle“ : So teuer ist die Sanierung der deutschen EM-Stadien

Das Olympia-Stadion in Berlin glänzte bereits im März für die damals noch unentschiedene EM-Kandidatur. Bild: EPA

Die letzte EM brachte Gewinne von 830 Millionen Euro ein – und eine große Gewinnsteigerung zum vorherigen Austragungsort. Darf Deutschland auf einen ähnlichen Erfolg hoffen? Zumindest die Hauptsponsoren stehen bereits fest.

          Nach der Vergabe der Europameisterschaft 2024 an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zeichnen sich die ersten organisatorischen Entscheidungen ab. So wird der DFB zusammen mit dem europäischen Fußballverband (Uefa) demnächst eine GmbH gründen, über die das milliardenschwere Veranstaltungsgeschäft mit der EM laufen soll. Nach Informationen der F.A.Z. werden die Deutschen 5 Prozent der Anteile am gemeinsamen Unternehmen halten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders als zur WM 2006 gewährt der deutsche Staat diesmal keine Steuerprivilegien für die Fußballorganisatoren. Die Uefa wird den Geschäftsführer der GmbH stellen. Der deutsche EM-Botschafter Philipp Lahm, der im vergangenen Jahr erst seine Fußballerkarriere beendet hat, soll eine hohe repräsentative Funktion übernehmen, aber wohl nicht die operative Verantwortung tragen. Was das sein könnte, ist nicht bekannt.

          Mehr als 300 Millionen Euro sollen für die Modernisierung der bestehenden Stadien eingesetzt werden. Als nächster Schritt würde nun vor allem in Infrastruktur und Komfort investiert werden, sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, der F.A.Z. So beabsichtige der FC Bayern, in den kommenden Jahren etwa 50 Millionen Euro für die eigene Arena aufzuwenden. „Die Vergabe der Europameisterschaft 2024 nach Deutschland ist eine Botschaft an alle Menschen in unserem Land. Die EM wird unser Selbstvertrauen stärken. Deutschland wird ein sehr guter, sympathischer, organisierter Gastgeber sein, da bin ich mir sicher“, sagte Rummenigge.

          Fernseh- und Werberechte brachten meisten Einnahmen

          Gespielt wird im Juni und Juli 2024 in zehn Stadien, welche von der EM-GmbH für die Zeit des Turniers angemietet werden. Die EM ist damit ein großes Investitionsprogramm zum Vorteil der Vereine. Fünf Spielstätten sind in öffentlicher Hand (Berlin, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Frankfurt), so dass dort absehbar Steuerzahlergeld zur Renovierung verwendet wird. Die Stadien in Hamburg, Leipzig, Gelsenkirchen, Dortmund und München gehören den ansässigen Bundesligaklubs.

          Im Schnitt haben die zehn Arenen eine Kapazität von rund 55.000 Plätzen. Gemäß des vorgesehenen Spielplans mit 24 Nationalteams und 51 Partien ergibt sich eine Verkaufszahl von etwa 2,8 Millionen Tickets – ausnahmslos für Sitzplätze.

          Das vergangene EM-Turnier in Frankreich vor zwei Jahren erbrachte für die Uefa Einnahmen von fast 2 Milliarden Euro – vor allem aus dem Verkauf von Fernseh- und Werberechten sowie Eintrittskarten. Im Vergleich zum Turnier davor war dies ein Plus von 34 Prozent. Unter dem Strich wurde ein Gewinn von 830 Millionen Euro erwirtschaftet.

          Adidas und VW als Sponsoren

          Von DFB-Seite ist zu erfahren, dass die Uefa dem deutschen Verband 15 Millionen Euro fest als EM-Prämie zusichert. Hinzu kämen Boni-Zahlungen im Fall einer organisatorisch und wirtschaftlich erfolgreichen Veranstaltung bis zu insgesamt weiteren 10 Millionen Euro. Direkte Vermarktungsmöglichkeiten erhält der DFB nicht. Indirekt hofft der Verband, über das Turnier von einem Mitgliederzuwachs und steigenden Vermarktungswert der Nationalelf zu profitieren. Die Uefa garantiert die komplette Kostenübernahme.

          Zwei deutsche Konzerne befinden sich derzeit schon ganz vorn an der Werbefront. Adidas ist einer der Hauptsponsoren der Uefa und hat auch mit dem DFB gerade den Vertrag bis 2026 verlängert. Gezahlt werden jeweils mittlere zweistellige Millionensummen im Jahr für das Engagement. Volkswagen hat den koreanischen Konkurrenten Hyundai als Auto-Partner der Uefa abgelöst und ist EM-Sponsor. Mit dem Turnier in Deutschland dürfte VW das Ziel verfolgen, den Uefa-Vertrag über das Jahr 2022 hinaus auszuweiten, ist doch die Marke VW auch für Mercedes-Benz beim DFB eingestiegen. Diese Vereinbarung gilt von nächstem Jahr an bis 2024.

          Paneuropäische EM 2020

          Auf die EM in Deutschland setzt auch der hiesige Handel. Wie der Einzelhandelsverband mitteilte, spülte die WM im Jahr 2006 zusätzlich rund 2 Milliarden Euro in die Kassen. Auch Gaststätten und Hotels werden aufgrund der Hunderttausende EM-Touristen Profit aus der Veranstaltung ziehen. Nach Informationen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages habe das Sommermärchen vor 12 Jahren etwa ein Drittel Prozentpunkt zum Wachstum beigetragen.

          Zur Einstimmung findet schon in zwei Jahren ein EM-Turnier in Deutschland statt – zumindest teilweise. Der DFB ist einer der Mitausrichter aus 13 Ländern der erstmals paneuropäischen EM 2020. In München werden drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale ausgespielt. Das deutsche Organisationsteam wird dazu schon fast 60 Mitarbeiter umfassen. Für das Jahr 2024 könnten es 300 werden.

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