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Süßwaren : Sex, Stars und Lollipops - das Erfolgsrezept von Chupa Chups

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Lutscher, eine Frage des Geschmacks Bild: dpa

Mit Naschwerk lässt sich Geld verdienen. Wie, das wissen die Spanier von Chupa Chups. Das Unternehmen expandiert mit großem Werbeaufwand.

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          Lollipops sind nicht nur was für Kinder. Das weiß auch Chupa Chups, der weltgrößte Hersteller und die erste Anlaufstelle für Naschkatzen. 3,8 Milliarden Lollis verkauft Chupa Chups jährlich. Stars mit Sex- Appeal sollen den Anteil, den das spanische Unternehmen am eine Milliarde Dollar schweren Lolli-Markt hält, erhöhen.

          Vor allem in den USA will Chupa Chups präsenter werden, dort haben die Spanier nur einen Marktanteil von acht Prozent, hinter Tootsie Roll Industries. Da kommen naschende Weltstars wie gerufen: Auf der Mailänder Fashion Show lutschte Modezar Giorgio Armani an einem Lolli von Chupa Chups. Das Gleiche gilt für Fernsehauftritte von Pop-Prinzessin Britney Spears. Auch der französische Schauspieler Gerard Depardieu wurde bei der Premiere seines neuen Films mit einem Lollipop gesehen.

          Sprung aufs Börsenparkett

          Sollte es Chupa Chups gelingen, den US-Umsatz anzukurbeln, könnte der Gesamtumsatz in diesem Jahr um zehn Prozent gesteigert werden. Angedacht ist auch der Sprung aufs Börsenparkett. Allerdings müsste sich der Umsatz bis dahin auf eine Milliarde Euro mehr als verdoppelt haben, räumt Chairman Xavier Bernat ein.

          Trotz der Umsatzeinbußen von 2,5 Prozent auf 414 Millionen Euro im letzten Jahr konnte das vor 44 Jahren gegründete Unternehmen seinen Umsatz in den letzten fünf Jahren fast verdoppeln. Naschkatzen im Alter von elf bis zwanzig sind heute die Hauptabnehmer der spanischen Zuckerwaren. Vor vier Jahren entfielen nur zehn Prozent vom Umsatz auf diese Kundengruppe.

          Lollipop als Lustobjekt

          „Wir haben beobachtet, wie Teenies ihren Drink mit einem Lollipop umrühren“, berichtet Paul Regan, Barkeeper vom eines Bistros in Madrid. „Lollis liegen voll im Trend.“ Für Erwachsene lässt sich das Unternehmen einiges einfallen. Bei den Grammy Awards verteilen „Chupa Chicks“ - das sind leicht bekleidete Mädchen - kostenlos Lollipops an Promis aus dem Showgeschäft, darunter Madonna. Sie soll ein großer Fan von Chupa Chups sein, verrät ihre Agentin Liz Rosenberg.

          „Sex sells“, das weiß auch Chupa Chups. Derzeit wirbt das Unternehmen in den USA mit einem Plakat, auf dem eine Frau, umgeben von mehreren Männern, genüsslich an einem Lollipop leckt. „Oral Pleasure“ heißt es da. In diesem Sinne ist auch das Motto der Spanier: Genuss für jeden Geschmack. Jeden Tag.

          „In gewisser Hinsicht ist der Lollipop ein Lustobjekt“, räumt Bernat ein. „Trotzdem bemühen wir uns, die Grenzen nicht zu überschreiten.“ Chupa Chups wurde 1958 von Enric Bernat, dem Vater von Xavier, gegründet. Mit einem Privatvermögen von 1,2 Milliarden Dollar zählt die Familie heute zu den reichsten der Welt: Forbes ermittelte Rang 378.

          Wie wär's mit Mango oder Cayennepfeffer

          Noch immer ziert das von Salvador Dali 1969 entworfene Firmenlogo die Lollipops, die in 170 Länder exportiert werden. Größter Abnehmer ist Russland. So versüßten sich die russischen Kosmonauten ihre Mir-Mission 1995 mit Chupa Chups. Unter den 44 Geschmacksrichtungen rangiert „Erdbeere“ auf Platz eins. Aber auch „Lychee“, „Mango“ oder „Cayennepfeffer“ sind weltweit sehr beliebt.

          Derweil läuft die Produktion auf Hochtouren. In Saint Esteve Sesrovires, etwa 40 Kilometer nördlich von Barcelona, entsteht aus Zucker, Glukose und Wasser ein Gemisch, das zunächst auf 130 Grad erhitzt und anschließend von Hand mit Geschmacksstoffen versetzt wird. Maschinen übernehmen das Formen zu kleinen Kugeln, die mit weißen Plastikstäbchen versehen werden, bevor sie abkühlen und verpackt in den Versand kommen. Pro Minute entstehen in Saint Esteve Sesrovires 2.777 Lollipops.

          Lutschen statt rauchen

          Unter den erwachsenen Fans finden sich nicht nur Lüstlinge. So greifen immer mehr Raucher zum zuckersüßen Glimmstängelersatz. „Wir haben einen Kunden, der kauft jede Woche 25 Lollis, um sich das Rauchen abzugewöhnen“, berichtet Maria Teresa Medina. Seit 30 Jahren verkauft die 62-Jährige in der Panaderia Boleria von Madrid Lollipops von Chupa Chups.

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