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Ältester Dax-Konzern : Wie Merck über 350 Jahre hinweg erfolgreich blieb

Seit 350 Jahren in Darmstadt daheim Bild: dpa

Wenn ein Un­ter­neh­men wie Merck über al­le po­li­ti­schen Um­brü­che hin­weg jahr­hun­der­te­lang über­lebt, pro­spe­riert und dem Schick­sal ein Schnipp­chen schlägt, spie­len nicht nur Kön­nen und Be­harr­lich­keit ei­ne Rol­le. Wie lautet das Erfolgsrezept?

          Es ist ein unglaubliches Jubiläum, im Wortsinn. 350 Jahre Merck. Kein deutscher Konzern, der im Dax notiert ist, blickt auf eine längere Tradition zurück. Für das Chemie- und Pharmaunternehmen aus Darmstadt war es Anlass, zum ersten Mal seit seiner Gründung seine Unternehmensgeschichte vollständig wissenschaftlich aufbereiten zu lassen. Angesichts der zu analysierenden Zeitspanne ist es kein Wunder, dass ein ganzes Autorenteam mit der Arbeit befasst war. Die Autoren Carsten Burhop, Michael Kißener, Hermann Schäfer und Joachim Scholtyseck haben, basierend auf dem Archivmaterial von Merck, einen vollkommen unabhängigen Überblick über die Geschichte erstellt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die Frage, wie die entscheidenden Faktoren für die Kontinuität über dreieinhalb Jahrhunderte erfolgreich bis in das 21. Jahrhundert so stabil gehalten werden konnten, dass Merck sich auch in der Gegenwart zu mehr als zwei Drittel in Familienbesitz und in einer wirtschaftlich komfortablen Lage befindet, ist das Leitmotiv der Untersuchung. Entstanden ist eine Langzeitstudie vor dem Hintergrund der wechselvollen deutschen Geschichte. Dabei zeigt sich: Wenn ein Unternehmen über alle politischen Umbrüche hinweg jahrhundertelang überlebt, prosperiert, der permanenten Bestandsbedrohung trotzt und so dem Schicksal gleichsam ein Schnippchen schlägt, spielen nicht nur Können und Beharrlichkeit eine Rolle.

          Auf der Jubiläumsfeier: Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Merck-Vorsitzender Stefan Oschmann feiern die 350 Jahre Unternehmensgeschichte in Darmstadt.

          Tatsächlich war der Weg von Merck von den handelnden Personen bestimmt, von deren Geschick und Talent, von Schicksalsschlägen ebenso wie von Standortfaktoren, von Konkurrenzen und Kooperationen, aber auch dem immer notwendigen Quentchen Glück. Doch Glück über 350 Jahre hinweg? Die Frage nach der Resilienz begleitet die Geschichte von Merck über die gesamte Zeitspanne hinweg. Hinzu kommt, dass das Unternehmen aus allen Krisen bisher stets gestärkt hervorgegangen ist. Handelte die Familie bewusst anders als andere Unternehmer, die beispielsweise seit dem 19. Jahrhundert ihre Firmen in Aktiengesellschaften umwandelten? Es zeigt sich: Der Anspruch, stets bescheiden aufzutreten, vielleicht auch abgeleitet aus protestantischer Ethik, spielte und spielt im Selbstverständnis der Familie eine wichtige Rolle.

          Das heutige Unternehmen wiederum hat natürlich nichts mehr mit der Apotheke des Jahres 1668 gemeinsam. Ohne ausreichendes Kapital und Reserven für Krisenzeiten kann kein Unternehmen auf den in der Regel unsicheren und risikobehafteten Märkten überleben. So hat Merck stärker als bislang bekannt schon in den Anfangsjahren nicht nur eine erfolgreiche Heiratspolitik verfolgt, sondern neben der Apotheke auch Geld- und Bankgeschäfte betrieben. Auch im 19. Jahrhundert pflegte Emanuel Merck neben der Heiratspolitik nicht nur die kluge, systematische Ausbildung seiner Söhne und Nachfolger. Mit seinem ausgeprägten Forscherinstinkt und seinen kaufmännischen Fähigkeiten war er in der Lage, die Chancen der sich industrialisierenden Welt zu nutzen.

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