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Stromausfälle : Das Stromnetz im Hitzetest

Gegenüber dem Netz in Nordamerika hat das deutsche Stromnetz einen bedeutenden Vorteil. Es wurde nach dem sogenannten N-1-Prinzip konzipiert. „Das heißt, es muss immer einen zweiten Weg geben, über den der Strom fließen kann, wenn ein Weg verstellt sein sollte“, erläutert Annett Urbaczka von Transnet BW. Die Netzbetreiber sprechen von einer „Vermaschung“ des Netzes. Störungen können so in den meisten Fällen umgangen werden, und die Versorgung wird nicht unterbrochen.                                             

Hitze kann zum Problem werden

Davon abgesehen, lässt sich das deutsche Stromnetz in drei Bereiche aufteilen: Das Übertragungsnetz überträgt die Elektrizität von den Kraftwerken in das Verteilnetz. Dieses wiederum versorgt das Mittelspannungsnetz und große Industriebetriebe über Umspannwerke mit Strom. Von dort gelangt die Energie über das Niederspannungsnetz in die Haushalte. Je höher die Ebene, auf der sich eine Störung ereignet, desto größer die Auswirkungen. Die letzte Störung im deutschen Übertragungsnetz, also auf der höchsten Netzebene, ereignete sich im November 2006.

Gegen manche Einflüsse ist jedoch auch das beste Netz nicht gewappnet. Das Wetter zum Beispiel. Blitzeinschläge und Stürme können die Stromversorgung beeinträchtigen. Auch die anhaltende Hitze kann zu einem echten Problem für die Stromversorgung werden. So heiß wie in Lingen im Emsland, wo am Donnerstag 42,6 Grad Celsius gemessen wurden, war es in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie. Dürre und Hitze wirken sich auf die Stromproduktion in den Kraftwerken aus, und zwar auf vielfältige Weise.

Im vergangenen Sommer etwa konnten einige Kohlekraftwerke nicht mehr per Schiff mit dem Brennstoff versorgt werden, weil der Rhein zu wenig Wasser führte. Und in der vergangenen Woche war das Wasser in der Weser so warm, dass die Betreibergesellschaft Preußen-Elektra entschied, das Atomkraftwerk im niedersächsischen Grohnde vorübergehend vom Netz zu nehmen. Ein weiteres Aufheizen des Wassers hätte das ökologische Gleichgewicht des Flusses gefährden können.

Mehrheit der Menschen entspannt

In Frankreich sind die Stromlieferungen aus den Atomreaktoren wegen der Hitze um acht Prozent zurückgegangen, wie Daten des Netzbetreibers RTE zeigen. Das ist in Frankreich besonders von Gewicht, weil dort üblicherweise mehr als drei Viertel des Stroms aus Atomkraftwerken kommen. Dennoch sei die Versorgungssicherheit gewährleistet, heißt es vom Netzbetreiber RTE.

Auch die Stromkabel leiden übrigens unter der Hitze. Wenn sich der Boden aufheizt, verstärkt das die Zug- und Druckkräfte auf die im Boden verlegten Kabel. Mit der Zeit wird die Isolierung porös. Dadurch kann Feuchtigkeit eindringen, die zu einer Unterbrechung in der Stromleitung führt. Es kommt – wie in der vergangenen Woche in Hamburg – zu Stromausfällen.

Gefährden solche Einzelfälle aber auch schon die „Versorgungssicherheit“, wie es in der Debatte um die Zuverlässigkeit der deutschen Stromnetze manchmal heißt? Die Zahlen sprechen dagegen. Und die Mehrheit der Bevölkerung ist entspannt: Einer Umfrage zufolge, die von Eon in Auftrag gegeben wurde, halten 63 Prozent die Versorgungssicherheit für „hoch“ oder „sehr hoch“.

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