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Altmaiers Industriestrategie : Jetzt kommen die FAZ.NET-Leser zu Wort

  • Aktualisiert am

Peter Altmaier hat heute seine „Nationale Industriestrategie 2030“ vorgestellt. Bild: AP

Der Wirtschaftsminister hat seine „Nationale Industriestrategie 2030“ vorgestellt. Nachdem Unternehmer und Ökonomen gesagt haben, was sie darüber denken, äußern sich nun unsere Leser.

          Großfusionen erleichtern, Schlüsselindustrien definieren, nationale und europäische „Champions“ kreieren und im Zweifel mittels staatlicher Beteiligung eine unerwünschte Übernahme aus dem Ausland abwehren: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat seine „Nationale Industriestrategie 2030“ vorgestellt (zum PDF geht's hier entlang).

          Schon im Vorfeld entstand eine große Diskussion darüber, nachdem erste Eckpunkte durchgesickert waren. Viele Ökonomen äußerten sich zu Wort, häufig skeptisch. Auch unsere Leser auf FAZ.NET haben engagiert über Altmaiers Vorschläge debattiert. Viele von ihnen sehen sie kritisch, sie teilen aber auch Bedenken, die der CDU-Politiker vorgetragen hat.

          „Altmaier macht mir mehr Angst als die Chinesen“, schreibt beispielsweise unser Leser Stefan Weber, er findet: „Staatliche Eingriffe in die Freie Wirtschaft gingen noch nie gut. Der Staat hat für die Rahmenbedingungen zu sorgen, sprich niedrige Lohnnebenkosten, Ausbildung benötigter Fachkräfte und eine intakte Infrastruktur, die Unternehmen bestellen dann schon das Feld.“ Und mit Blick nach Fernost fügt er hinzu: „Man muss ja nicht meinen, dass es in China immer so weitergeht.“

          „Von einer ordoliberalen Marktwirtschaft ist kaum mehr etwas übrig“

          Zu der von Altmaier selbst getroffenen Feststellung, der Staat sei ein „lausiger Unternehmer“, kommentiert unser Leser Benjamin Fechner: „Der Staat ist überhaupt kein Unternehmer, sondern steht diametral zum Unternehmertum. Der Staat, das sind Politiker, Beamte und Angestellte – alles Leute, denen ein sicheres Einkommen wichtiger als alles andere ist. Diese Einstellung ist nicht ehrenrührig, aber Unternehmer kann man damit nicht sein.“

          Leser Christoph Runge wiederum hinterfragt die staatliche Planungsfähigkeit wirtschaftlicher Trends insgesamt und zieht einen Vergleich zur ehemaligen DDR: „Der derzeitige Wirtschaftsminister Altmaier träumt davon, zum „Kombinatleiter Industrie“ aufzusteigen.“

          „Die Chemie halb ruiniert“

          Deutschland sei auf „dem besten Weg direkt in den Sozialismus“, findet auch unser Leser Friedrich Zenteisch, und er fügt hinzu: „Von einer ordoliberalen Marktwirtschaft ist kaum mehr etwas übrig. Stattdessen sind Steuereinnahmen und Umverteilung trotz niedrigen Arbeitslosenzahlen auf Rekordwerten.“

          Neben großer Kritik teilen Leser indes auch Sorgen, die Altmaier vorbrachte in Hinsicht auf Konkurrenten deutscher Unternehmen zumal in China, aber auch in den Vereinigten Staaten. „Altmaier ist auf dem richtigen Weg“, kommentiert FAZ.NET-Leser Günter Busse: „Es geht nicht um China. Es geht um global agierende Investoren, Fonds, Anleger, die sich einkaufen und Forderungen nach Teilverkäufen, Ausgliederungen, Lohnsenkungen stellen. (...) Diese Angriffe auf die industrielle Substanz können nur mit Unterstützung der Regierung abgewehrt werden.“

          Leser Martin Hock schreibt: „Angst um Deutschlands wirtschaftliche Zukunft habe ich auch. Wir haben die Rohstoffindustrie gekillt (...), die Chemie halb ruiniert.“ Er kritisierte konkret und nicht als einziger Leser, wie der Manager Jürgen Dormann die frühere Höchst AG aufspaltete und zudem, dass der deutsche Bayer-Konzern das amerikanische Saatgut-Unternehmen Monsanto übernahm.

          Eine Umfrage auf unserer Seite, an der sich bislang mehr als 8500 Leser beteiligt haben, ergab ein zwiespältiges Ergebnis. 48 Prozent derjenigen, die abgestimmt haben, halten Altmaiers Strategie für falsch, 41 Prozent für richtig, 11 Prozent sind unentschieden.

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