https://www.faz.net/-gqe-94i83

Illegaler Online-Handel : Im Darknet

  • -Aktualisiert am

Obwohl sich viele Kriminelle im undurchsichtigen Darknet tummeln, misst dem BKA-Präsident Holger Münch einen Wert bei. Bild: iStock, Bearbeitung F.A.S

Das Darknet ist ein versteckter und verruchter Teil des Internets. Dort floriert der illegale Handel mit Waffen und Drogen. Warum schaltet man es nicht einfach ab?

          7 Min.

          Henry ist häufig im Stress. Der junge Mann studiert an einer renommierten Münchner Universität und will auf der Suche nach der perfekten „Study-Life-Balance“ sowohl Leistung bringen als auch Spaß haben. Für Ersteres nimmt er Ritalin ein, das Mittelchen zur Beruhigung hyperaktiver Kinder, das gerne als Droge zweckentfremdet wird. Damit befindet er sich „im Tunnel“ und kann sich auf das Lernen oder die Klausur fokussieren. In seiner Freizeit ist dagegen Cannabis das Mittel der Wahl. Wenn er bekifft ist, vergisst er den Stress, macht Musik, lacht und feiert.

          Zur Beschaffung seiner Drogen lungert er nicht etwa in der Nähe des Hauptbahnhofs herum und hofft, beim Erwerb in der Öffentlichkeit nicht erwischt zu werden. Die Digitalisierung verändert unser Leben, auch den illegalen Handel. Vertriebswege ändern sich auch für Drogen radikal.

          Das Angebot ist vielfältig, die Geschäfte sind geheim

          Dazu muss man nur in den dunklen Bereich des Internets vordringen, ins „Darknet“, wo die Angebote vielfältig und die Geschäfte geheim sind. Im Schutze der Anonymität lässt sich vieles einfädeln. Nicht nur Kriminelle profitieren davon. Aber vor allem die. Das Darknet erreicht man nur über einen speziellen Internetbrowser. Firefox würde die URL-Adressen nicht erkennen. Der Browser „Tor“ aber findet sie problemlos. Er öffnet die Tür, an der der Rechtsstaat endet. Dahinter verbergen sich mehr als 30 Plattformen, auf denen munter mit allerlei Illegalem gehandelt wird. Von gefälschten Pässen und prall gefüllten Paypal-Accounts über Drogen und scharfe Waffen bis hin zu Kinderpornographie ist alles dabei. Selbst ein Auftragskiller kann angeblich über eine Internetseite für mörderische Absichten beauftragt werden.

          Das Darknet ist der Wilde Westen des digitalen Zeitalters. Es revolutioniert den Schwarzmarkt. Sein Anteil etwa am internationalen Drogenumsatz ist zwar mit weniger als einem Prozent noch sehr gering. Einer Studie des amerikanischen Forschungsinstituts Rand Corporation zufolge betrug der Umsatz der Plattformen mit Drogen im Jahr 2015 maximal 19 Millionen Euro im Monat. Gegenüber den zwei Milliarden Euro Umsatz im analogen Handel ist der Online-Anteil also noch winzig. Doch das Wachstumspotential ist enorm, fürchten Fahnder.

          Eine ernstzunehmende Alternative für Händler

          Im Gegensatz zu vielen Heroinabhängigen, die auch künftig analog an Bahnhöfen und dunklen Ecken einkaufen werden, sind gerade junge Menschen wie Henry mit dem Internet groß geworden. Sie erledigen alles online. Nicht nur den Klamottenkauf, sondern auch ihre Drogen-Bestellung. Damit wird es immer schwerer, dem Problem beizukommen. Viel schwieriger als an der Bahnhofsecke.

          Auch für Händler ist das Internet eine ernstzunehmende Alternative, jedenfalls in der westlichen Welt. Die meisten Verkäufer kommen aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland. Der Schwerpunkt im Drogenverkauf liegt einer Studie der Rand Corporation zufolge auf Cannabis, Aufputschmitteln wie Kokain, Ecstasy-Produkten und psychedelischen Substanzen. Derweil spielt der Waffenhandel noch eine untergeordnete Rolle. Dennoch: Dem Darknet wird eine rosige Zukunft prophezeit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Laschet und Merkel in Stralsund am Dienstagabend

          Merkel und Laschet : Kann er Ostsee?

          In Stralsund macht Angela Merkel Wahlkampf mit Parteifreunden. Der eine will ihren Platz im Wahlkreis einnehmen – der andere jenen im Kanzleramt.
          Idar-Oberstein: Blumen und Kerzen sind vor der Tankstelle aufgestellt, in der ein Angestellter erschossen wurde.

          Idar-Oberstein : Allgegenwärtige Enthemmung

          Aus den widerlichen Reaktionen im Netz ist nicht auf das Tatmotiv in Idar-Oberstein zu schließen. Man muss aber nicht nach Idar-Oberstein schauen, um zu wissen, dass jeder „Extremismus“ in Bestialität enden kann.
          Der französische Präsident Emmanuel Macron am 7. September in Paris

          U-Boot-Streit mit Amerika : Warum Frankreich den Eklat herbeiführte

          Im U-Boot-Streit mit Amerika, Großbritannien und Australien hat Paris seine Botschafter aus Washington und Canberra zurückberufen. Im Gespräch mit der F.A.Z. erklären beide die Hintergründe und, wie sich die NATO aus ihrer Sicht ändern muss.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.