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Arbeitswelt : Das Coronavirus beschleunigt den Trend zur Heimarbeit

  • Aktualisiert am

In den kommenden Wochen wird viel von zu Hause aus gearbeitet. Bild: dpa

Ein ganzes Land kommandiert seine Mitarbeiter ins heimische Wohnzimmer. Arbeitsprozesse und Kommunikation werden digital. Für die deutsche Wirtschaft ist das eine große Herausforderung.

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          Beine auf dem Schreibtisch, Morgenmantel statt Anzug und ständig mit dem Chef über den Chat verbunden. Die Angst vor der Ansteckung mit dem Coronavirus beschleunigt den Trend, häufiger oder ausschließlich von zu Hause zu arbeiten. Die großen Technologieunternehmen wie Google, Amazon oder Twitter haben ihre Mitarbeiter aufgerufen, wenn möglich das eigene Arbeitszimmer zu nutzen.

          Nach der Ankündigung von flächendeckenden Schulschließungen in Deutschland hoffen viele Unternehmen, das Geschäft aufrechterhalten zu können, indem sie Mitarbeiter ins Home-Office schicken. Viele können von zu Hause dank Laptops und Smartphones ziemlich reibungslos arbeiten.

          Vielen Firmen fällt erst jetzt auf, was dazu alles nötig ist. „Die Unternehmen stellen über das verstärkte Arbeiten im Home-Office fest, ob sie bereits über die richtigen Werkzeuge - von Kommunikationssoftware bis Cloud-Services – für das Arbeiten 4.0 verfügen“, sagt Digitalisierungsexpertin Carolin Proft vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Von den Breitbandkapazitäten sei die verstärkte Heimarbeit her kein Problem. „Die Bandbreite ermöglicht es aktuell in der Fläche, dass jemand ein Videotelefonat führt und zugleich die Kinder nebenan eine Serie streamen.“ Das sieht auch Bitkom-Sprecher Nick Kriegeskotte so: „Deutschland ist beim Breitbandausbau gut unterwegs und über 90 Prozent der Haushalte haben inzwischen Anschlüsse mit 50 Megabit pro Sekunde. Damit ist man gut für das Home-Office ausgestattet.“ 

          Stresstest für VPN-Netzwerke

          Allerdings müssen die IT-Systeme der Firmen ganz anderen Belastungen standhalten, wenn sich Mitarbeiter vermehrt von außen einwählen. „Kommunikationsnetzwerke wie VPN müssen funktionieren, die Sicherheit muss gewährleistet sein und die Bandbreite, ob beim Serverstandort oder bei den Mitarbeitern zu Hause, muss ausreichen. Ich hoffe, dass die meisten IT-Systeme diesen Stresstest bestehen“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Startups, Christian Miele. Um flächendeckende digitale Anwendungen sicherzustellen, fordert Proft den Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen auch in ländlichen Gebieten.

          Während sich bislang alles Wichtige vor Ort abspielte, müssen nun Web-Anwendungen die persönliche Anwesenheit ersetzen. „Aktuell fragen sich alle, welche Software benötigt wird, um die Zusammenarbeit wie im echten Büro zu ermöglichen. Technisch ist da schon alles möglich und viele Programme können über die Cloud schnell installiert werden“, sagt ein Sprecher der Deutschen Telekom.

          Kommunikation verlagert sich

          Deswegen erfreuen sich Kommunikationsplattformen wie Microsoft Teams oder Slack in der Krise steigender Beliebtheit. „Das Interesse an Teams ist gerade definitiv sehr hoch und zwar sowohl intern als auch bei unseren Kunden“, sagt eine Microsoft-Sprecherin. Und trotzdem rechnet beispielsweise Slack nicht damit, dass dies ausreicht, um die durch die Coronakrise mutmaßlich geringere Ausgabefreude von Unternehmen wettzumachen.

          Ähnlich sieht es auch beim schwäbischen Softwareunternehmen Teamviewer aus, das Software für Fernzugriffe und Fernwartungen anbietet und trotz stärkerer Nachfrage an seiner Prognose festhält. „Der Ausbruch der Coronavirus-Epidemie hat für uns positive wie auch negative Auswirkungen. Wir merken, dass Großkunden-Beziehungen gerade schwierig zu pflegen sind. Aber die andere Seite der Medaille ist, dass deutlich mehr Unternehmen proaktiv anrufen und nach unseren Home-Office-Lösungen fragen“, sagt Pressesprecherin Martina Dier.

          Während die technischen Hürden mit einigen Klicks, Weiterbildungen im Netz und dem Aufstocken des Cloud-Datenspeichervolumens behoben werden können, kann die fehlende Teeküche nicht mal eben ins Web transformiert werden. Neben positiven Aspekten der Heimarbeit wie dem wegfallenden Arbeitsweg gibt es auch negative Seiten, weiß Petra Schmid, Expertin für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich: „Es fehlt der Austausch mit Kollegen, das Zugehörigkeitsgefühl sowie das gewohnte Arbeitsumfeld, durch das die Arbeit strukturiert wird. Auch muss man lernen, mit der Ablenkung durch Haushaltsaufgaben, Kinder oder Nachbarn umzugehen.“ Erschwerend in der Coranavirus-Krise komme hinzu, dass niemand wisse, wie lange sie und damit die Home-Office-Zeit anhalte.

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