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Das Brennholz wird knapp : Tannen zapfen

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Dass das Pendel jetzt wieder in Richtung der energetischen Nutzung zeigt, belegen auch Zahlen der Universität Hamburg. Die Nutzung von Holz als Baumaterial war demnach noch vor 20 Jahren etwa dreimal so hoch wie die „energetische“. 2011 wurde erstmals wieder mehr Holz verbrannt, als verbaut - doppelt so viel wie noch vor wenigen Jahren. Künftig würden beide Nutzungen ansteigen, heißt es in der Hamburger Studie, für die 11.000 Waldbesitzer befragt wurden. „Die Zuwachsraten können aber nicht so weitergehen, wie bisher“, sagt der Forstökonom Udo Mantau.

Die Nachhaltigkeitsfloskel wird in Buche und Fichte konkret. Bald wird man genau wissen, wie es um den Wald steht. Derzeit sind im ganzen Land Waldarbeiter mit Vermessungen und Kartierungen beschäftigt - für die große „Waldinventur“, die das Forstministerium nur alle Jahre macht.

Nur wer selbst Hand anlege, könne noch sparen

Wie 1713 wird es nicht kommen: Gesetze regeln, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird. Es darf nicht mehr Holz entnommen werden, als nachwächst. Wie viel das ist, hängt von Wärme, Niederschlag oder der Bewirtschaftungsform ab. „Derbholz wird heute schon intensiv genutzt“, sagt Udo Mantau. Die Nutzung kann nach seinen Prognosen langfristig nur „sehr begrenzt gesteigert werden“. Das größte Potential bietet Restholz. Um es zu schöpfen, müsse aber wohl die „Akzeptanz aufgrund ökologischer Bedenken“ steigen, schreibt er in einer Studie vorsichtig.

Eine Folge des Öko-Aktivismus könnte am Ende sein, dass mehr Tropenholz oder solches von Holzplantagen aus Übersee importiert wird. Die Forstökonomen des staatlichen Thünen-Instituts Björn Seintsch und Matthias Dieter erwarten eine „Verknappung des inländischen Nadelholzaufkommens“ und etwa „deutlich reduziertes“ Potential von Fichtenholz - was zu steigendem Import aus Übersee führen würde.

Der eine klagt, andere profitieren von der Verknappung. So profitieren die größten Waldbesitzer - Städte, Kommunen. Die finanzklamme Stadt Suhl im Thüringer Wald etwa besitzt rund 900 Hektar und nimmt nunmehr 50 bis 60 Euro im Jahr pro Hektar ein, deutlich mehr als früher. Auch die rund 2 Millionen deutschen Privatwaldbesitzer freuen sich.

Die Holzkunden in Groß Gerau kriegen von all dem wenig mit. Sie jammern nicht über 30, 40 Euro Mehrausgaben pro Winter. Holz sei immer noch günstiger als Öl. Aber nur, wenn man selbst Hand anlege: Angesichts der hohen Brennholzpreise, erzählen sie, lohne sich das Kaminheizen nur, wenn man selbst mit der Motorsäge in den Wald stapfe, den Stamm zersäge, spalte, wegfahre. Fertig gespaltetes Kaminholz ist viel teurer. Im Forstamt kostet es das Dreifache. Und im Baumarkt kann es nochmal doppelt so teuer sein. Da würde Hubert Märten niemals Holz kaufen. Märten, ein kräftiger Mann in einer Uncle-Sam-Jacke, hat an diesem Tag beim Förster 15 Raummeter Holz bestellt, eine Menge. Vor acht Jahren hatte er sich entschieden, mit Holz zu heizen. Den Kamin stellte er in die Mitte seiner Wohnung, die Wärme zieht in alle Räume. Etwa 50 Prozent Kosten habe er gespart. Dafür muss Hubert Märten aber das Holz zersägen, spalten, abtransportieren, hacken. Nur wer das tue, könne noch sparen, sagt er. Holz aus dem Baumarkt sei teurer als Heizöl.

Nicht nur Apokalyptiker, die mit dem Kamin unabhängig vom Strom und Gas werden wollen, und besonders sparsame Menschen holen ihr Holz hier im Roteichenwald ab. Einige führen im großen BMW vor, erzählt der Förster. Sie trügen die teuersten Schutzanzüge und hätten die neuesten Motorsägen von Stihl. „Banker - die machen das als Sport“, lacht der Förster, „es sind mehr geworden.“

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