https://www.faz.net/-gqe-767tg

Das Brennholz wird knapp : Tannen zapfen

  • -Aktualisiert am

Der Konkurrenzkampf wird härter

Die Industrie also klagt. „Es ist ein Dilemma“, sagt Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Verbands AGR, „die Holzwerke sind auf regionale Versorgung angewiesen, aber mit ihren Produkten stehen sie im überregionalen Wettbewerb.“ Etwa für Zellstoff, aus dem Papier oder Fasern wie Viskose werden. Die Sägeindustrie baute wegen der Verteuerung schon Kapazitäten ab, Werke schlossen.

Alles kommt in den Ofen. Selbst dicke, für die Sägewerke am besten geeignete Stämme werden schon zu Brennholz gemacht. Auch der Handel mit Baumstämmen nimmt zu. Mittelgroße Sägewerke oder Zellstofffabriken, sagt Ohnesorge, besorgten sich ihr Holz schon aus einem Umkreis von 100 Kilometern, vor ein paar Jahren hätten sie nur halb so weit fahren müssen. Die großen Werke kaufen das Holz mittlerweile in ganz Deutschland. Import gibt es wenig, denn der Transport ist teuer. Anders ist es mit verarbeitetem Holz: Hier ist Deutschland seit 2009 etwa Nettoimporteur von Kiefernholz geworden. Einzelne Brennholzhändler lieferten derweil schon aus ländlichen Gegenden in die Städte, heißt es, andere verkaufen über Ebay, einige bringen Holz aus Tschechien etwa in den Münchner Raum.

Der Konkurrenzkampf um den Wald wird härter, und das nicht nur zwischen Haushalten und Sägewerken. An dem Tauziehen nehmen auch Umweltverbände teil („Rettet den Buchenwald“, „Altholz für die Waldvögel“), Zellstoffunternehmen wie der österreichische Konzern Lenzing stellen massenhaft Textilien aus Holzfasern her um die - oft unter großem Pestizideinsatz hergestellte - Baumwolle zu ersetzen. Und in Zukunft dürften auch die Bio-Chemie oder Bio-Plastikindustrie hinzukommen, denen eine Schlüsselstellung zukommen soll auf dem langen Weg in die Unabhängigkeit vom Erdöl. Holzdiebstähle nehmen zu. Und gleichwohl dieser rapide wachsenden Nutzungskonkurrenz heizen viele Haushalte immer noch mit uralten, ineffizienten Öfen und Kaminen.

Es wird wieder mehr Holz verbrannt als verbaut

Auf dem deutschen Wald ruht große Hoffnung. Auch die Energiewende nimmt ihn in Beschlag. Nicht nur Haushalte ersetzen Heizöl durch Holz und durch Pelletheizungen. Auch Biomasse-Kraftwerke verheizen, von EEG-Umlagen motiviert, immer mehr Holz. Sie verbrauchen nicht viel weniger als alle Haushalte zusammen.

Von so vielen Seiten wurde der Wald seit Jahrhunderten nicht mehr belagert. Er wurde wirtschaftlich bis vor wenigen Jahren vor allem als Quelle für Baurohstoffe genutzt. Seitdem der Ölpreis hochschoss, hat eine epochale Wende eingesetzt. Der Wald wird wieder zur Energiequelle. So, wie er es bis vor etwa 300 Jahren war. Damals war Holz der wichtigste Energielieferant - und der deutsche Wald fast kahlgeschlagen. Goethe beseelte ihn daraufhin lyrisch, und Carl von Carlowitz, ein früher Forstwissenschafler, erfand das Wort „Nachhaltigkeit“, als die Holznot die Wirtschaft lahmgelegt hatte - vom Handwerk bis zum Transportgewerbe. Der Wald wuchs schließlich wieder. Aber nicht nur wegen Carlowitz’ Wortschöpfung, sondern vor allem, weil Holz von der Kohle als Energiequelle abgelöst wurde.

Weitere Themen

Topmeldungen

Segelboote bei einer Regatta in Antigua

Deutsche Segler in Gefahr : Geleitzug aus der Karibik?

Hunderte Deutsche sitzen wegen der Corona-Pandemie zwischen Antigua und den Bahamas auf ihren Segelschiffen fest. Eine Gruppe von ihnen plant deshalb, in zwei großen Verbänden zurück über den Atlantik zu segeln. Ein riskantes Unterfangen.
Ein Soldat der spanischen Armee steht vor der Kathedrale in León.

Liveblog zum Coronavirus : Spanien verschärft Ausgangsbeschränkungen

Alle nicht überlebenswichtigen Unternehmen geschlossen +++ Über 10.000 Tote in Italien +++ Trump erwägt Quarantäne für New York +++ Rückholaktion von Touristen eines deutschen Kreuzfahrtschiffs +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.