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Das Beteiligungsgeschäft der Allianz : Kein zweites Manroland

  • -Aktualisiert am

Die Manroland-Beschäftigten erwarten von den Alteigentümern weitere Hilfen Bild: ZB

Die Allianz bleibt auch nach der gescheiterten Investition in Manroland ein großer Finanzinvestor. Mehrheitsbeteiligungen sind aber kein Thema mehr.

          Die Insolvenz des Druckmaschinenherstellers Manroland hat den Versicherungskonzern Allianz in seinem Strategiewechsel bestätigt, den er schon vor rund zwei Jahren eingeleitet hat. Unter der Regie der Tochtergesellschaft Allianz Capital Partners (ACP) soll in ein breites Spektrum sogenannter alternativer Anlageformen investiert werden. Dazu gehören Infrastrukturprojekte wie Windparks und Gasleitungsnetze sowie auch die Fonds von anderen namhaften Finanzinvestoren. Großübernahmen wie einst von Manroland oder dem Schweizer Automatenbestücker Selecta stehen dagegen nicht mehr auf der Agenda. „Wir wollen mit Ausnahme von Wind- und Solarparks keine Vollkonsolidierung einer Beteiligung mehr“, sagt Rainer Husmann, Geschäftsführer der ACP. „Wir suchen nach Unternehmen, an denen wir bis zu 50 Prozent Anteil erwerben und als bedeutender Minderheitsaktionär einen soliden Cash-flow erzielen können. Unsere Vorgaben im Beteiligungsgeschäft sind selektiver als früher.“

          Für diese Kehrtwende sei nicht entscheidend gewesen, dass Verluste, wie sie mit Manroland gemacht wurden, in der Allianz-Bilanz verbucht werden mussten. „Verluste schlagen auch als Minderheitseigner durch“, sagt Husmann. Das Problem seien veränderte regulatorische Anforderungen gewesen. „Mehrheitsbesitz bedeutet, dass auch der Firmenwert und andere immaterielle Werte einer Beteiligung ins Allianz-Zahlenwerk wandern und damit das regulatorische Eigenkapital des Konzerns belasten“, sagt er. Aber das klassische Private-Equity-Geschäft birgt für einen Konzern wie die Allianz zudem ein besonderes Risiko: Eine Insolvenz in der Größenordnung von Manroland bedeutet einen empfindlichen Reputationsschaden. Und im Nachhinein zeigt sich, dass auch die ACP in den Jahren des lockeren Geldes im Private-Equity-Geschäft ähnliche Fehler gemacht hat wie die angelsächsischen Rivalen: Gekauft wurde zu schnell, für zu hohe Preise und mit zu vielen Krediten.

          Keinen Cent herausgeholt

          Die Entscheidung, Manroland jetzt kein weiteres Geld mehr zu geben, sei erst nach langer Prüfung erfolgt, versichert Husmann. Immerhin habe die ACP 176 Millionen Euro beim Kauf und dann im Jahr 2009 nochmals 198 Millionen Euro zur Tilgung aller Bankschulden in Manroland investiert. Dieses Geld ist nun verloren, „und wir haben auch nie einen Cent aus dem Unternehmen herausgeholt“, sagt der ACP-Chef. Aber als der Markt für Druckmaschinen in diesem Jahr abermals deutlich hinter den Planungen zurückblieb, habe es zur Insolvenz keine Alternative mehr gegeben. „Das war eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Wir verwalten Versicherungsgelder für unsere Kunden, und das Risiko eines weiteren Investments wäre einfach zu hoch gewesen.“

          Den Vorwurf, die ACP habe schon in den vergangenen Jahren Manroland mit zu wenig Kapital für die Entwicklung von Innovationen ausgestattet und damit die Überlebenschancen geschmälert, weist er zurück. Zwar seien die Forschungsinvestitionen mit dem sinkenden Umsatz reduziert worden - aber die Quote von 4 bis 5 Prozent habe sich auf dem Niveau der Konkurrenz bewegt. Nach Ansicht der IG Metall und vieler Manroland-Beschäftigter steht die Allianz nun aber weiter in der Pflicht, etwas für das Unternehmen zu tun, zum Beispiel Bürgschaften zu stellen. Husmann zeigt sich bei diesem Thema allerdings zurückhaltend. Der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider sei Herr des Geschehens. „Wenn er mit einem Investorenkonzept auf uns zukäme, würden wir das genau prüfen“, sagt Husmann. In Aussicht stellen will er allerdings nichts, und Schneider rechnet auch nicht damit.

          Das Infrastrukturgeschäft lockt

          Der Schwenk im Private-Equity-Geschäft der Allianz wurde 2009 durch eine Umstrukturierung der ACP zementiert. Unter ihrem Dach wurden zusätzlich die Infrastrukturinvestments sowie die Geldanlagen in fremde Private-Equity-Fonds angesiedelt, und 2012 soll noch die Investmentgesellschaft für Wind- und Solarparks dazukommen. Insgesamt verwaltet die ACP damit 8,5 Milliarden Euro - rund 1,5 Milliarden Euro stammen noch aus früheren Zeiten von externen Investoren, „aber ansonsten sind das ausschließlich Gelder der Allianz-Versicherungsnehmer, und das soll auch so bleiben“, erläutert Husmann. Während man sich mit dem Vorhaben, Minderheitsbeteiligungen an guten Industrieunternehmen zu erwerben, derzeit noch schwer tut, kommt das Infrastrukturgeschäft immer besser in Schwung. Am norwegischen Gastransportnetz Gassled erwarb die ACP in diesem Jahr schon 13 Prozent. Marktbeobachter berichten, dass die Allianz-Gesellschaft zudem ein Auge auf das zum Verkauf stehende Gasnetz von Eon gerichtet hat. Auch für solche Infrastrukturinvestments gelte allerdings: „Wir bleiben in der Minderheit“, sagt Husmann.

          Sechs Unternehmen besitzt die ACP heute noch, „und wir stehen nicht unter Verkaufsdruck“, betont er. Die Fährschiffgesellschaft Scandlines, die zusammen mit dem Finanzinvestor 3i gehalten wird, entwickle sich sehr erfreulich, Selecta dagegen, so heißt es im Markt, würde die ACP gern verkaufen. Kommentieren mag Husmann solche Branchengerüchte nicht. Aufgeben wolle die Allianz das Private-Equity-Geschäft aber keinesfalls. „Wir haben die Zusage des Konzerns, dass wir immer wieder aktiv werden können“, sagt Husmann. Gut eine Milliarde Euro hatte die „alte“ ACP einst für Übernahmen zur Verfügung, und in ähnlicher Größenordnung könnte sie auch künftig dieses Geschäft betreiben. Ein weiteres Mal Mehrheitseigner werden, das sei jedoch „äußerst unwahrscheinlich“, betont der ACP-Chef. 

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