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Börse : Das aussagekräftigste deutsche Börsenbarometer

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Es muss in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gewesen sein, als ich während meines volkswirtschaftlichen Studiums in München bei der Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf eine besondere Maßzahl zur Beurteilung der deutschen Wirtschaft aufmerksam geworden bin.

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          Es muss in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre gewesen sein, als ich während meines volkswirtschaftlichen Studiums in München bei der Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf eine besondere Maßzahl zur Beurteilung der deutschen Wirtschaft aufmerksam geworden bin. Es war der F.A.Z.-Index, der mich bis heute begleiten sollte. Denn aufgrund seiner besonderen Konstruktion ist er in meinen Augen das aussagekräftigste deutsche Börsenbarometer geblieben.

          Da ist zunächst die breite Aufstellung des F.A.Z.-Index mit über 100 Aktien und zwölf Branchen-Subindizes, wodurch nicht nur die Wirtschaftsriesen der Republik abgebildet werden, sondern eben auch mittelständische Unternehmen, die bekanntlich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft darstellen. Darunter sind beispielsweise auch 13 deutsche Maschinenbauer, eine der hiesigen Vorzeigebranchen, von der mit MAN nur ein Wert im Dax enthalten ist. Und dabei ist MAN nicht mal ein typischer deutscher Maschinenbauer.

          Allein schon aus diesen Gründen gibt der F.A.Z.-Index ein differenzierteres Bild der hiesigen Wirtschaft ab als der Dax und ist somit die Benchmark für die Betrachtung deutscher Aktien schlechthin.

          Wie seine internationalen Brüder S&P 500, Euro Stoxx 50, Nikkei oder CAC 40 ist der F.A.Z.-Index als Kursindex konzipiert, womit ein sauberer Vergleich mit anderen Ländern oder Regionen ermöglicht wird. Bekanntlich ist der Dax ein Performance-Index, der durch die Einbeziehung von Dividenden den deutschen Markt immer überzeichnet und damit nur mehr einen verzerrten Vergleich mit der Entwicklung anderer Märkte zulässt, deren Börsenbarometer eben Kursindizes sind. Dies gilt erst recht für eine Langfristbetrachtung, bei der die Verzerrungen noch zunehmen. Hinzu kommt, dass der F.A.Z.-Index bis auf das Jahr 1961 zurückgeht und damit eine längere Historie als der Dax aufweist, der erstmals 1988 berechnet wurde.

          Einen weiteren Vorteil gegenüber dem Dax sehe ich in der größeren Kontinuität der Zusammensetzung des F.A.Z.-Index. Während Letzterer nur einmal jährlich überprüft wird, wird die Zusammensetzung des Dax vierteljährlich nach den Kriterien Freefloat-Marktkapitalisierung und Börsenumsatz unter die Lupe genommen. Die Regularien der Deutschen Börse sind hier sehr transparent, keine Frage. Aber das führt auch dazu, dass kurzfristige Lieblinge der Börse, die gerne auf dem Kamm einer Welle oder Blase reiten, schnell in den Dax hinein-, aber ebenso schnell wieder hinausgespült werden. Man denke hier nur an MLP oder Infineon. Die Anzahl der jährlichen Änderungen bei der Zusammensetzung des Dax ist in den vergangenen Jahren jedenfalls spürbar gestiegen. Und ich gehe davon aus, dass dieser Trend mit steigender Schwankungsbreite an den Märkten eher noch zunimmt.

          Keine Frage, der Dax hat seine Berechtigung in unserer Börsenwelt, gilt er doch als das Standardbarometer des deutschen Aktienmarkts und stellt somit eine Erfolgsgeschichte für die Deutsche Börse dar. Der relativ rasche Wechsel bei der Dax-Zusammensetzung aber wirkt sich auf Finanzprodukte aus, die sich auf den Dax beziehen. ETFs (Exchange Traded Funds) oder Indexzertifikate auf den Dax haben nicht die Stetigkeit wie Produkte auf den F.A.Z.-Index, dessen Zusammensetzung sich weniger häufig ändert. Dies gilt es bei einem Investment einfach zu beachten.

          Ich will an dieser Stelle auch nicht verhehlen, dass die Attraktivität des F.A.Z.-Index in Kombination mit dem exzellenten Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch gesteigert wird. Die Reputation des einen Produkts strahlt positiv auf die des anderen ab. Und wenn ich zurückblicke, ist mir hier besonders Heinz Brestel - einer, der mit Leib und Seele Finanzjournalist gewesen ist - in Erinnerung geblieben. Der engagierte F.A.Z.-Redakteur hatte zuerst von Frankfurt und ab 1973 von Zürich aus das Finanzgeschehen in der F.A.Z. kompetent begleitet und beschrieben - und immer wieder gerne auf den F.A.Z.-Index Bezug genommen.

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