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Comeback der FDP? : „Dann haben wir den Salat und müssen regieren“

Neues politisches Traumpaar? FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit Angela Merkel Bild: Hans Christian Plambeck/laif

Die FDP ist die politische Überraschung im Bundestagswahlkampf. Das Trauma von 2013 erschwert allerdings eine Koalition mit der Union. Die Therapiearbeit in der Partei hat früh begonnen.

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          Nur nicht übermütig werden. Nur nicht gleich wieder eine Regierungsbeteiligung anstreben. Die FDP muss vielmehr zeigen, dass sie ihre Lektion gelernt hat und nicht nach Macht und Pfründen giert. Solche Sätze hört man derzeit reichlich. Grund ist die vergangene Bundestagswahl, als die FDP wegen erwiesener Großmäuligkeit kombiniert mit Kleinmütigkeit im Handeln aus Regierung und Parlament flog. Das Projekt Wiederaufstieg war zunächst alles andere als ein Selbstläufer. Nun reiben sich die Liberalen die Augen, wie gut sie mittlerweile wieder dastehen. Nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein vor wenigen Monaten regiert die FDP mit, in Düsseldorf mit der CDU, in Kiel mit Schwarzen und Grünen. Beides waren die politischen Überraschungen des Sommers.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Verspricht der Herbst aus Sicht der FDP ebenfalls gülden zu werden? Ein zweistelliges Ergebnis scheint derzeit nicht ausgeschlossen. Für ein schwarz-gelbes Bündnis reicht es nach den jüngeren Umfragen zwar nicht, da die Werte für die Union zuletzt bröckelten. Doch Vorsicht mit solchen Prognosen. Wer diese Kombination heute ausschließt, könnte am Sonntag sein schwarz-gelbes Wunder erleben. CDU und CSU werden derzeit zwischen 36 und 37 Prozent vorhergesagt, die FDP kommt in der Allensbach-Umfrage für die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf etwa 11 Prozent. Zwar dürften dieses Mal so viele Parteien in den Bundestag einziehen wie noch nie seit der Wiedervereinigung, aber kleinere werden auch dieses Mal an der Fünfprozenthürde scheitern. Deswegen können 48 Prozent genug sein, um eine Koalition zu schmieden. Die Fehlertoleranz der Umfragen ist größer als der Abstand von CDU/CSU und FDP von der Mehrheit der Sitze.

          Wenn es für die Union und die Liberalen rechnerisch reichen sollte, wird es auf diese Koalition hinauslaufen, selbst wenn einige Schwarze und so mancher Gelbe nicht wild auf ein Wiederaufleben der Zusammenarbeit sein dürfte. „Dann haben wir den Salat und müssen regieren“, heißt es wenige Tage vor der Wahl in der FDP. Im zweiten Kabinett von Angela Merkel (CDU) war die FDP als Riese gestartet (14,6 Prozent) und als Bettvorleger gelandet. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte mit Merkel erst die FDP-Steuerversprechen und dann die ganze liberale Partei erfolgreich geschrumpft.

          Die alten Verletzungen sind noch nicht gänzlich geheilt

          Da sind einige Verletzungen und blaue Flecken zurückgeblieben, auch jenseits der Schmutzeleien, die sich die Liberalen mit der CSU lieferten: „Wildsau“ hier, „Gurkentruppe“ dort. Ein Grund dafür war nicht zuletzt, dass CSU-Chef Horst Seehofer auch in München mit der FDP regieren musste, obwohl er das doch viel lieber allein getan hätte. Gut, inzwischen regiert die CSU allein, aber 2018 stehen auch in Bayern Wahlen an.

          Manche Leistungsträger aus der alten liberalen Bundestagsfraktion werden auch der neuen angehören. „Da gibt es noch viele Vergrätztheiten aus der letzten Runde“, weiß ein altgedienter Parlamentarier, dem Schwarz-Gelb ein Herzensanliegen ist – auch wenn er angesichts der jüngsten Schwäche der Union in den Wahlumfragen die Hoffnung darauf fast schon wieder fahren sieht.

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