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Dank Jahresendspurt : Der deutsche Automarkt wächst

Neuwagen auf dem Weg zum Käufer Bild: dpa

Die Zahl der Neuzulassungen steigt um 5 Prozent auf 3,61 Millionen. Eine Käufergruppe trägt besonders zum Wachstum bei.

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          Die Neuwagenkäufer in Deutschland haben im letzten Monat des vergangenen Jahres mehr fabrikneue Fahrzeuge erworben als erwartet. Weil die Behörden hierzulande im Dezember fast 283400 und damit fast 20 Prozent mehr Autos neu zuließen, stieg der Absatz im gesamten Jahr auf rund 3,61 Millionen Neuwagen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Montag mitteilte. Das war der zweithöchste Wert seit dem Jahr 2000, nur im Jahr 2009 ließen die Behörden mehr Autos in Deutschland zu. Damals hatte die Bundesregierung den Autoabsatz mit der Abwrackprämie angekurbelt, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise für die Autobranche abzufedern. Im Dezember hatte der Verband der Automobilindustrie noch ein Wachstum um 4 Prozent auf 3,57 Millionen Neufahrzeuge prognostiziert.

          Angetrieben wurde der Neuwagenmarkt im vergangenen Jahr vor allem von gewerblichen Nachfragern, zu denen auch Eigenzulassungen des Autohandels zählen. Fast zwei Drittel der Neuzulassungen und damit gut 8 Prozent mehr als im Vorjahr entfielen auf gewerbliche Anmelder. Die privaten Zulassungen beliefen sich dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge auf 34,5 Prozent, was einem Rückgang um 0,4 Prozent entsprach. Laut der Beratungsgesellschaft EY haben im vergangenen Jahr unter anderem Mietwagenunternehmen die gewerblichen Zulassungen angetrieben. Dies sei ein weiteres Indiz dafür, dass die Nachfrage von Unternehmens- und Privatkunden tatsächlich niedriger gewesen sei, als es der Absatzrekord vermuten lasse, hieß es in einer Analyse des EY-Partners Peter Fuß.

          VW bleibt Marktführer

          Im Gesamtjahr hat sich der Siegeszug der sportlichen Geländewagen (SUV) fortgesetzt. Mit einem Anteil von gut 21 Prozent sind die SUV inzwischen das absatzstärkste Segment in Deutschland und haben die Kompaktwagen abgelöst. Auch hier sieht EY-Fachmann Fuß eine Besonderheit. „Es spricht einiges dafür, dass der derzeitige Boom bei SUVs und Geländewagen in Deutschland zu einem erheblichen Teil auf verkaufsfördernde Maßnahmen der Autobranche zurückzuführen ist“, sagte Fuß, der zu diesen Mitteln Eigenzulassungen und hohe Rabatte zählt.

          Hintergrund ist die Regulierung der Europäischen Union zum Abgasausstoß der Neufahrzeuge: In diesem Jahr müssen 95 Prozent aller neu zugelassenen Personenkraftwagen im Durchschnitt den europäischen Grenzwert für Kohlendioxid (CO2) von 95 Gramm CO2 je Kilometer einhalten. Andernfalls drohen den Autoherstellern Strafzahlungen in Milliardenhöhe. „Die Unternehmen haben Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß in den Markt gedrückt, damit sie nicht ab Januar ihre CO2-Bilanz belasten“, sagte Fuß.

          Marktführer in Deutschland war auch im vergangenen Jahr die Kernmarke VW des Volkswagen-Konzerns, auf die 18,5 Prozent aller Neuzulassungen entfielen. Die Daimler-Marke Mercedes-Benz kam auf einen Marktanteil von 9,4 Prozent, der bayerische Konkurrent BMW erreichte 7,7 Prozent. Der Marktanteil von Ford betrug derweil 7,8 Prozent, der von Opel 6 Prozent.

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