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DaimlerChrysler : „Die innere Kündigung schon ausgesprochen“

  • Aktualisiert am

Nach dem Eindruck von Paul Russmann vom Dachverband Kritischer Aktionäre ist DaimlerChrysler-Chef Schrempp nur noch bemüht, das Gesicht zu wahren.

          Die Hauptversammlung der DaimlerChrysler ist Forum für Aktionärskritik am Kurs des Konzerns und an den Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat. Paul Russmann beim Dachverband Kritischer Aktionäre zuständig für den Stuttgarter Automobilkonzern fasst im FAZ.NET-Interview seine Kritik zusammen und äußert seine Vermutung, dass Vorstandsvorsitzender Jürgen Schrempp, die „innere Kündigung“ schon ausgesprochen habe. Der Dachverband Kritischer Aktionäre meldet sich regelmäßig auf den Hauptversammlungen von DaimlerChrysler und trat erstmalig 1991 auf, als Daimler-Benz MBB übernahm und damit nach Auffassung des Verbandes massiv ins Rüstungsgeschäft einstieg.

          Herr Russmann, Sie haben Kritik an der Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler geübt, was sind ihre Gründe?

          Wir haben schon vor zwei Jahren als einziger Aktionärsvertreterverband einwende gegen die Fusion geäußert. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, dass etwa 70 Prozent aller Fusionen ihr Ziel nicht erreichen.

          Warum sollte DaimlerChrysler nicht zu den 30 Prozent gelungenen Fusionen zählen?

          Die Unternehmenskulturen sind zu unterschiedlich, die Fahrzeugpaletten passen nicht zusammen. Außerdem führt die Beschäftigung mit der Fusion dazu, dass nicht etwa die Pläne zum Zwei-Liter-Auto aus der Schublade genommen werden. Der Versuch, die Halbierung des Flottenverbrauchs zu erreichen, ist damit ad absurdum geführt. Nicht zuletzt haben wir schon damals davor gewarnt, die Fusion könnte bis zu 100.000 Arbeitsplätze kosten. 35.000 Stellen wurden bereits gestrichen. So sehr haben wir uns mit unserer Einschätzung offensichtlich nicht getäuscht.

          Abgesehen von der Fusion, was kritisieren sie außerdem?

          DaimlerChrysler steigert durch sein Engagement bei EADS, bei dem sie mit 33 Prozent engagiert sind, seine Rüstungsaktivitäten. Wir kritisieren, dass DaimlerChrysler Minen im Angebot hat, die der Nato-Partner Italien abgeschafft hat, weil es sich bei der so genannten Muspa um eine von der Ottawa Konvention geächtete Antipersonenmine (je nach Definition wird diese Mine aber auch als Antifahrzeugmine bezeichnet und wird daher von der Ottawa Konvention nicht erfasst; Anmerkg. der Red.) handelt. Das Unternehmen streitet immer ab, Minen im Angebot zu haben. Wenn wir das aber offensiv in der Öffentlichkeit behaupten, dann wartet DaimlerChrysler nicht mit einer Unterlassungsklage auf.

          Sind sie zufrieden mit der Durchführung der Veranstaltung?

          Nein. Heute morgen haben Hilmar Kopper und Jürgen Schrempp sich sehr viel Zeit gelassen bei ihren Ausführungen. Jetzt kürzen sie den kritischen Aktionären die Redezeit von zehn Minuten auf fünf Minuten. Außerdem hat man erst mal fast ausschließlich die gemäßigten Stimmen zu Wort kommen lassen und dann erst die kritischeren. Das war schon mal anders. Die Dramaturgie ist dazu angetan, die angestaute schlechte Stimmung zu kanalisieren.

          Sind sie denn mit den Antworten des Vorstandes auf die ihm gestellten Fragen zufrieden?

          Die Antworten, die wir hier zu hören bekommen haben, sind sehr ausweichend. Der Vorstandsvorsitzende wirkt sehr defensiv. Ich habe den Eindruck, Herr Schrempp hat die innere Kündigung schon eingereicht. Er wirkt bei weitem nicht mehr so energisch wie noch in den letzten Jahren. Jetzt scheint er eine defensive Strategie zu verfolgen, die darauf angelegt ist, das Gesicht zu wahren und sich nur noch um Schadensbegrenzung bemüht.



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