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Lastwagen-Produktion startet : Daimler expandiert in China

Gemeinschaftsunternehmen: Seit mehr als zehn Jahren fertigt Daimler mit dem chinesischen Hersteller Foton gemeinsam Lastwagen - der erste rollte im Juli 2012 vom Band. Bild: dpa

Der Nutzfahrzeughersteller wird nun auch unter eigenem Namen in China fertigen. Daimler verspricht sich davon Kostenvorteile und hofft auf ein großes Wachstumspotential.

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          Der Lastwagenhersteller Daimler Truck setzt seine Expansionspläne in China trotz aller Forderungen nach einer stärkeren Abkopplung von dem Land fort. Der Konzern, der als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt gilt, startet an diesem Freitag in seinem chinesischen Gemeinschaftsunternehmen die Produktion von Lastwagen der Marke Mercedes-Benz, wie das Unternehmen mitteilte.

          Gustav Theile
          Wirtschaftskorrespondent in Stuttgart.

          Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Forderungen etwa des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne), den Handel mit China einzuschränken, in der deutschen Autoindustrie auf taube Ohren stoßen.

          Auf die politischen Spannungen angesprochen sagte Daimler-Truck-Asienvorstand Karl Deppen, man beobachte die Situation sehr genau. Investitionsentscheidungen seien aber sehr langfristig, sagte der Manager in einer Videokonferenz mit Journalisten, die im Rahmen der Nutzfahrzeugmesse IAA Transportation in Hannover stattfand.

          Daimler hofft auf Wachstum

          China sei „der größte Markt für schwere Lkw der Welt und bietet ein erhebliches Wachstumspotenzial“, sagte Deppen. Vergangenes Jahr setzte das Unternehmen lediglich 5,7 von 39 Milliarden Euro in Asien um, den Großteil davon in Japan. Jeweils ein Drittel des Umsatzes kommen bisher aus Europa und den USA. Daimler Truck ist seit einem Dreivierteljahr ein eigenständiges Unternehmen und gehörte davor zum Mercedes-Benz-Konzern.

          Der Markt in China professionalisiert sich laut Deppen gerade. Deshalb hält er den Zeitpunkt für gut, mit den teureren Mercedes-Lastwagen in China zu starten. Diese seien zwar in der Anschaffung kostspieliger, worauf chinesische Kunden bisher vor allem geachtet hätten. Die Energiekosten würden aber auch in der Volksrepublik nun zu einem größeren Thema. Deshalb werde sich „die hohe Effizienz unserer Fahrzeuge bemerkbar machen.

          Keine Angaben zu Produktionszielen

          In China kooperiert der Lastwagenhersteller seit etwa zehn Jahren mit dem chinesischen Konzern Foton Motor. Das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Foton Daimler Automotive (BFDA), an dem beide Partner jeweils die Hälfte halten, stellte schon bisher in Peking Fahrzeuge der Marke Auman her und kommt auf eine Jahresproduktion von etwa 100.000 Fahrzeugen. Insgesamt verkaufte der Konzern vergangenes Jahr 455.000 Fahrzeuge, wobei der Absatz des Gemeinschaftsunternehmens nicht einberechnet wird.

          Wie viele Mercedes-Benz-Lastwagen künftig in China produziert werden sollen, ließ BFDA-Chef Holger Scherr in der Videokonferenz offen. Bisher wurden die Fahrzeuge importiert. Mit der Struktur des Gemeinschaftsunternehmens sei man zufrieden, sagte Deppen. „Wir fühlen uns wohl mit der Partnerschaft“, antwortete er auf die Frage, ob das Unternehmen wie andere europäische Hersteller die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen übernehmen wolle.

          Die Investitionen in das neue Werk hatte Daimler Truck vor etwa zwei Jahren angekündigt. Der Investitionsbetrag wurde damals mit 485 Millionen Euro beziffert. Das Werk hat laut Konzernangaben eine Fläche von mehr als 400.000 Quadratmetern. Parallel wurden Scherr zufolge mehr als 100 Betriebs- und Servicepunkte entlang der wichtigsten Logistikachsen des Landes aufgebaut.

          Für Scherr sieht in der neuen Daimler-Produktion in China mehrere Vorteile: Das Unternehmen könne dadurch die Kosten senken und habe keine langen Lieferketten mehr. Diese sogenannte Local-for-Local-Strategie verfolgen viele Großkonzerne. Die Fahrzeuge seien zudem „keine Eins-zu-Eins-Kopien aus Europa“, sagte Scherr. Lastwagen in China dürften schneller fahren, die Strecken seien länger, die Fahrzeuge hätten größere Tanks, die Fahrer seien meistens zu zweit unterwegs. Darauf habe man die Fahrzeuge nun angepasst. Gleichzeitig gebe es im Vergleich zu Deutschland weniger Konfigurationsmöglichkeiten für die Kunden, um die Produktionskosten zu senken.

          „Wir starten mit einem reinen Dieselantrieb“, sagte Deppen auf die Frage nach dem Antrieb der produzierten Lastwagen. Das decke in China mehr als 90 Prozent des Marktes ab. Man arbeite auch an alternativen Antrieben, davon sei aber noch vieles im Erprobungsstadium. China sei der „Hotspot“ für alle emissionsfreien Fahrzeuge. Nach Rückzug klingt auch das nicht.

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