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Brandbrief : Daimler-Vorstand rüttelt die Belegschaft wach

Das Mercedes-Benz Logo auf dem Turm des Hauptbahnhofes in Stuttgart. Bild: dpa

Der Daimler-Vorstand Ole Källenius will mit einem Brandbrief seine Führungskräfte wachrütteln: Daimler will kurzfristig mindestens 4,2 Milliarden Euro einsparen. Die Mitarbeiter sollen selbst Ideen dafür finden.

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          Der Daimler-Vorstand hat in einem Brief an die Führungskräfte deutlich gemacht, dass eine harte Zeit vor den Mitarbeitern des Konzerns liegt. „Der Mittelabfluss, den wir zuletzt verzeichnet haben, ist nicht akzeptabel“, heißt es in dem Schreiben warnend: „Die finanzielle Solidität ist die Lebensader unseres Unternehmens. Daher müssen wir uns bei all unseren Entscheidungen, die mit Geld ausgeben verbunden sind, die Frage stellen: Müssen und können wir uns das leisten?“ Allein im ersten Halbjahr hat der Daimler-Konzern einen Abfluss von Finanzmitteln in Höhe von 3,3 Milliarden Euro verbucht.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Dabei geht es nicht um allgemeine Ausgaben-Disziplin. Der Vorstand formuliert eine klare Erwartungshaltung: „Wir müssen mindestens die Sondereinflüsse im zweiten Quartal in Höhe von 4,2 Milliarden Euro kurzfristig kompensieren. Zusätzlich gilt es weiterhin, Investitionsvorhaben, Mitteleinsatz, Wertschöpfungstiefe und das Einkaufsvolumen sowie das Produkt- und Produktionsprogramm im Blick zu haben.“

          Die genannten 4,2 Milliarden Euro sind im zweiten Quartal als Ergebnisbelastung außerhalb des laufenden Geschäfts verbucht worden. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf den Zwangsrückruf von Dieselautos, die nach Auffassung des Kraftfahrtbundesamts (KBA) mit manipulierter Abgasregelung ausgestattet sind. Ausdrücklich heißt es in dem Brief, dass man sich nicht auf äußere Einflussfaktoren berufen könne. „Einige – mit großer Hebelwirkung – sind hausgemacht“, heißt es vielsagend.

          Wenig Einblicke in die Strategie

          Solche Töne sind nicht grundsätzlich neu. Schon bei der Bilanzpressekonferenz im Februar hatte Dieter Zetsche angekündigt, dass das neue Vorstandsteam um Ola Källenius, der seine Nachfolge als Vorstandsvorsitzender im Mai angetreten hat, erhebliche Anstrengungen unternehmen muss. Källenius selbst hat bisher wenig Einblick in seine Strategie gegeben. Es sei „alles andere als zufriedenstellend“, dass Daimler innerhalb weniger Wochen gleich zweimal die Prognosen korrigieren musste, sagte Källenius im Juli anlässlich der Vorlage der Zahlen fürs zweite Quartal, in dem Daimler einen Verlust (vor Steuern und Zinsen) von 1,6 Milliarden Euro auswies.

          Auch in diesem Kontext gab es schon einen Brief des Vorstands an die Führungskräfte, dessen Wirkung aber möglicherweise verpuffte. Unmittelbar danach begannen in Baden-Württemberg die Sommerferien, und seither gab es auch schon wieder positive Nachrichten aus dem Mercedes-Vertrieb. Offenbar fürchtet der Vorstand, dass die Belegschaft sich deswegen allzu wenig mit der bevorstehenden Transformation befasst. „Wir brauchen das Verständnis aller Beschäftigter für den aktuellen Handlungsbedarf. Daher bitten wir Sie, das Gespräch mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzunehmen und über mögliche Beiträge zu sprechen“, lautet die Forderung.

          Wer genau die Empfänger des Briefs sind, will Daimler nicht kommunizieren. Offenbar sind es aber mehrere tausend Führungskräfte, bis auf die Ebene von Teamleitern. Sie sollen jetzt in ihrem Umfeld dafür werben, dass die Mitarbeiter sich an einer Ideenbörse beteiligen, um Daimler voranzubringen. „Grundsätzlich gilt: Sparen allein ist keine Strategie“, heißt es in dem Schreiben – man arbeite daher auch an der nachhaltigen strategischen Ausrichtung des Konzerns. Welche Strategie das neue Vorstandsteam um Ola Källenius und den ebenfalls neu angetretenen Finanzvorstand Harald Wilhelm für Daimler genau verfolgt, ist im Detail noch nicht klar. Erst Mitte November soll der „Transformationsfahrplan“ den Führungskräften und den Investoren vorgestellt werden.

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