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Fußballmarkt : Daimler greift VfB Stuttgart unter die Arme

  • Aktualisiert am

Bald mit Partner? VfB Stuttgart Bild: Reuters

Der VfB Stuttgart plant den Verkauf seiner Anteile. Da wittert der Autokonzern eine besondere Chance und will sich mit mehr als 41 Millionen Euro am Fußballverein beteiligen

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          Zweitliga-Meister VfB Stuttgart ist ein Spätzünder. Neben dem Klub aus Baden-Württemberg haben in der Ersten Bundesliga nur ganz wenige Vereine ihre Profiabteilung noch nicht ausgegliedert: Schalke 04, Mainz 05 und Freiburg. Am Donnerstag kommt es nun in Stuttgart zum Schwur. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sollen die Mitglieder des Bundesliga-Aufsteigers einer Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft zustimmen. Dazu müssen 75 Prozent der anwesenden Stimmberechtigten für diesen Schritt votieren.

          Präsident Wolfgang Dietrich wirbt seit Wochen für das Vorhaben. Denn für den Verein, der sein Trainingsgelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Automobilkonzerns Daimler AG hat, geht es um einiges. Daimler will nämlich Anteile an der Aktiengesellschaft kaufen. Der Konzern ist bislang der einzige potentielle Investor. Er will 11,75 Prozent der Anteile für 41,5 Millionen Euro erwerben. „Es wird keine Daimler-Werks-Elf geben“, versichert Personalvorstand Wilfried Porth, der schon im Aufsichtsrat des Vereins sitzt, auf Anfrage.

          Positives Signal an die Region

          Der VfB Stuttgart will mit dem Verkauf von Anteilen insgesamt 100 Millionen Euro einnehmen. In den kommenden Jahren sollen maximal 24,9 Prozent der Anteile veräußert werden. Eine Zustimmung der Vereinsmitglieder zur Ausgliederung gilt keinesfalls als sicher. Vereinspräsident Dietrich sagt: „Der Verein würde auch ohne die Ausgliederung überleben. Aber wir wären nicht in der Lage, die Zukunft aktiv gestalten zu können. Wir wollen uns schließlich nicht damit begnügen, den Abwärtstrend zu stoppen.“ Daimler sehe die geplante Beteiligung als positives und emotionales Signal für die Region, so Auto-Manager Porth weiter. Wie der Fußball-Club müsse auch das Unternehmen viele Talente nach Stuttgart holen. Dabei spiele die Gesamtattraktivität der Region eine wichtige Rolle. „Ein erfolgreicher Fußballverein kann auch für uns ein Standortvorteil sein.“ Der Manager macht klar, dass er sich einen Einstieg bei einem anderen Bundesliga-Verein nicht vorstellen kann. „Das ist kein Thema. Der VfB ist seit Jahrzehnten unser direkter Nachbar.“

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          Von den neun Sitzen im Aufsichtsrat der VfB-AG sollen zwei an Vertreter des Weltkonzerns gehen. Einer an Daimler als Investor und einer an einen Repräsentanten der Mercedes-Benz-Bank, die ihr Engagement als Hauptsponsor im Falle einer Ausgliederung nach Angaben von Dietrich ausweiten will. Im bisherigen VfB-Aufsichtsrat sitzen schon Porth und Mercedes-Bank-Chef Franz Reiner. Mit Hartmut Jenner und Martin Schäfer sind zudem die Spitzenmanager der Firmen Kärcher und Würth vertreten, die als weitere potentielle Investoren gelten.

          Das Geld soll ausschließlich in die sportliche Entwicklung investiert werden. Auch dem Nachwuchsbereich sollen die zusätzlichen Mittel helfen. Der VfB Stuttgart taxiert seinen derzeitigen Vereinswert auf 300 Millionen Euro. Im Falle einer Ausgliederung und der Investition von Daimler könnte der Wert nach Club-Angaben auf mehr als 350 Millionen Euro steigen. Der Verein beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Ausgliederung. Nun soll es ein für alle Mal geklärt werden. Eine weitere Abstimmung wird es in seiner Amtszeit nicht geben, hatte Dietrich mehrfach erklärt.

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