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Dämpfer für Urlaubspläne : Lissabon wird für ein Wochenende abgeriegelt

Straßenbahn in Lissabon: In Portugals Hauptstadt steigt die Zahl der Delta-Infektionen. Bild: dpa

Impfungen und Lockerungen: Urlauber brechen wieder auf. Doch für Portugals Hauptstadt gibt es einen Rückschlag. Wie gefährlich wird die Delta-Variante des Corona-Virus für den Tourismus?

          2 Min.

          Es ist die Grundsorge der Reisebranche und ihrer Kunden, der Urlauber, in diesem Sommer: Der gerade erstarkende Reiseverkehr könnte einen Dämpfer erhalten, wenn das Infektionsgeschehen wieder aufflammt. So wie nun in Portugal. Das Land riegelt die Landeshauptstadt Lissabon für rund zweieinhalb Tage ab, um die Verbreitung des Corona-Virus zu bremsen.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dort gab es einen Anstieg der Infektionen mit der zunächst in Indien entdeckten Delta-Variante des Coronavirus. Von Freitag 16 Uhr bis Montag 6 Uhr dürfen die 2,8 Millionen Bürger den Großraum Lissabon nur aus triftigem Grund verlassen. Auswärtige dürfen vorübergehend nur in Ausnahmefällen einreisen. Ausländische Touristen, die in Lissabon landen, können aber ihr Hotel in Portugal erreichen. Man darf allerdings am Wochenende Lissabon als Tourist nicht besuchen, wenn man an einem anderen Ort ein Quartier hat.

          Für die Reisekonzerne und viele Urlauber bleiben die Folgen zunächst begrenzt. Im Sommer sind Strandurlaube begehrter als Städtereisen. Griechische und spanische Inseln stehen in der Buchungsrangliste aktuell oben – und dort hat die Virusvariante noch keinen tragenden Anteil. Doch Erinnerungen an das vergangene Jahr werden im Tourismus wach: Damals endete mancherorts – unter anderem auf Mallorca – die ohnehin schwache Saison schon Mitte August jäh, weil damals die Phase der niedrigen Inzidenzen vorerst vorbei war.

          Reisekonzerne bleiben zuversichtlich

          Im Reisekonzern Tui demonstriert man Zuversicht. „Ich habe keine Bedenken, dass die Delta-Variante zu einer Bedrohung werden kann“, sagte Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak mit Blick auf die eigene Geschäftsentwicklung. Immer mehr Menschen seien geimpft. Angesichts der fortschreitenden Impfungen rechnet er gar damit, jede Woche den Rückstand auf das Vorkrisenniveau von 2019 um 5 bis 8 Prozentpunkte verkürzen zu können.

          Bis zum offiziellen Abschluss der touristischen Sommergeschäftsphase Ende Oktober will er auf 75 Prozent des früheren Buchungsniveaus kommen – diesmal halt mit weniger Reisen im Juli und einem stärkeren Geschäft im September und Oktober. Die Zuversicht von Tui aus Hannover kam vor den Meldungen aus Lissabon. Strandurlauber steuern, wenn sie Portugal wählen, auch eher den äußersten Süden des Landes an.

          Die Hauptstadt meldete derweil für Donnerstag mit 928 neuen Infektionen den höchsten Wert seit Mitte Februar. 75 Prozent aller Neuinfektionen in dem Land entfielen auf die Hauptstadtregion, dabei leben dort nur 27 Prozent der Einwohner Portugals. "Es ist nicht leicht, solche Maßnahmen zu ergreifen, aber uns erschienen sie unerlässlich, damit die Lage, die in Lissabon derzeit herrscht, nicht auf das ganze Land übergreift“, begründete Präsidentschaftsministerin Mariana Vieira da Silva die neuen Einschnitte.

          Skeptische Worte vom RKI

          In Berlin äußerte sich am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem nationalen Luftfahrtgipfel, bei dem es  eigentlich mehr um den Neustart nach der Krise gehen sollte. „Die Aussichten hellen sich auf, mit dem Impffortschritt lebt die Reisetätigkeit wieder auf“, sagte sie – schob jedoch nach: „Aber das Virus ist nicht verschwunden.“ Man beobachte die Ausbreitung von Virusvarianten sehr genau.

          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte am Rand des Gipfels: „Ich möchte nicht vorschnell schon wieder sagen, wir müssen jetzt wieder einschränken.“ Das wäre die falsche Botschaft. Zum Reisen 2021 gehörten aber „Vorsicht und Umsicht“. Erst vor einer Woche hatte er zusammen mit Flug- und Reisebranche ein Sommerurlaubskonzept vorgestellt.

          Lothar Wieler, der Chef des Robert-Koch-Instituts, schlug skeptischere Töne an. „Es ist nicht die Frage, ob Delta die führende Variante wird, sondern wann", sagte er. In Deutschland habe die Variante derzeit einen Anteil von 6 Prozent. In der Vorwoche schwankte der Wert noch zwischen 2,5 und 3,1 Prozent.

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