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Cyberkriminalität : Viele Smartphones werden zu schlecht geschützt

Viele denken über Sicherheitsmaßnahmen erst nach, wenn es längst zu spät ist. Bild: obs

Mobiltelefone sind unsere ständigen Begleiter – doch für Kriminelle sind sie häufig noch ein leichtes Ziel. Dabei könnten die Nutzer mit kleinen Schritten die Sicherheit erhöhen.

          Viele Menschen tragen in ihrem Smartphone ihr halbes Leben mit sich spazieren: Persönliche Fotos sind darauf gespeichert, Kontakte natürlich und private Nachrichten sowieso. Die kleinen Computer sind Arbeitsgerät und Zeitvertreibmaschine zugleich, alberne Spiele sind darauf genauso gespeichert wie berufliche E-Mails. Dafür, dass Smartphones den Alltag schon so stark bestimmen, sind sie erstaunlich schlecht geschützt gegen Angriffe. Auf Computern oder Laptops gehört es hingegen seit Jahren zum Standard, Virenscanner, Firewalls oder andere Schutzmechanismen zu installieren. Schon die regelmäßige Überprüfung der Smartphones mit aktuellen Updates ist längst nicht für jeden selbstverständlich, obwohl es das sein sollte.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Vier von fünf Deutschen besitzen nach Angaben von Statista heute schon ein Smartphone. Das Ausmaß der Sicherheitslücken auf diesen Geräten ist einer neuen Umfrage zufolge hoch: Fast jeder dritte Smartphonenutzer gibt an, in den vergangenen zwölf Monaten Schwierigkeiten mit der Sicherheit des Gerätes erlebt zu haben. Das können Schadprogramme sein, die versuchen, Daten des Gerätes auszulesen, oder gleich das gesamte Smartphone verschlüsseln, um daraufhin Lösegeld zu erpressen. Auch der klassische Diebstahl wird als Sicherheitsvorfall gewertet, weil Kriminelle dann häufig auch Zugriff auf persönliche Daten bekommen.

          Die Geräte sind häufig schlechter geschützt als stationäre Computer

          Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Digitalverbandes Bitkom. „Das Smartphone ist für Cyberkriminelle mindestens ebenso interessant wie der heimische PC“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom. „Auf unseren Mobiltelefonen tragen wir nicht nur eine Fülle hoch sensibler Daten mit uns, häufig schützen wir die Geräte auch schlechter als die stationären Computer.“ Dabei sind dort heutzutage die privateren Inhalte gespeichert. 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie Inhalte auf ihren Smartphones gespeichert haben, die auf keinen Fall jemand anderes zu Gesicht bekommen soll.

          Während noch 86 Prozent der Nutzer ihr Telefon immerhin mit einem Pin-Code oder einer anderen Bildschirmsperre sichern, hat nur etwa jeder Zweite eine Lokalisierung eingestellt, mit der man das Smartphone im Verlustfall orten kann. Solche Funktionen sind freilich in jedem gängigen Betriebssystem verbaut, die Einrichtung ist nicht sonderlich kompliziert. 4 von 10 Smartphone-Nutzern haben eine Virenschutz-App installiert, die meisten Nutzer wollen dafür allerdings kein Geld ausgeben – was wiederum die Frage erlauben sollte, welches Geschäftsmodell eine kostenlose Sicherheitsapp verfolgt. Manchmal werden dann Daten der Nutzer gesammelt und verkauft. Regelmäßige Sicherheitskopien der Geräte fertigt sogar nur ein Drittel der Befragten an. Dabei sind die Daten häufig viel wertvoller als die Geräte selbst – ein Smartphone zu verlieren ist freilich ärgerlich, in Fotos gegossene Erinnerungen nie wiederzubekommen jedoch viel mehr.

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          Auch die Sicherheitsfachleute des russischen Unternehmens Kaspersky empfehlen, Apps und Betriebssysteme immer zu aktualisieren, die Programme nur von vertrauenswürdigen Quellen herunterzuladen und auch die W-Lan- und Bluetooth-Funktionen nur zu aktivieren, wenn man sie auch braucht. Gleiches gilt für die Ortungsfunktion.

          Nachdenken über Schutz setzt bei vielen ein, wenn der Schaden eingetreten ist

          „Leider wird über das Thema Sicherheit und Schutz des Smartphones häufig erst nachgedacht, wenn der Schaden bereits eingetreten und es zu spät ist“, sagt der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder. Dabei gehe es nicht nur um die eigenen Daten, sondern auch um die persönlichen Daten von Bekannten oder Freunden. Die sind schließlich häufig auch auf dem Gerät gespeichert. „Auch Privatpersonen sollten auf ihrem Smartphone die Daten Dritter zuverlässig schützen.“

          Deshalb geht es darum, es Kriminellen so schwer wie möglich zu machen. Denn die Angriffsfläche wird beständig größer: Die Verkäufe von Smartphones steigen stetig. Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass bis zum Jahresende rund um die Welt 1,57 Milliarden neue Smartphones verkauft werden, was eine Steigerung von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Vier der fünf größten Smartphonehersteller, also Samsung und die chinesischen Unternehmen Huawei, Oppo und Xiaomi, konnten ihren Smartphoneabsatz zuletzt um einen zweistelligen Prozentsatz steigern. Auch der schon hohe Absatz der iPhones steigt für Apple noch um 5,4 Prozent im Quartal.

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