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Cyberkrieg : Kann Russland Amerikanern den Strom abschalten?

  • Aktualisiert am

Hochspannungsleitungen in Los Angeles. Bild: dpa

Russische Hacker sind in amerikanische Energieversorger eingedrungen, warnt das Heimatschutzministerium. Und offenbar läuft der Angriff noch immer.

          2 Min.

          Kontrolliert Russland Amerikas Elektrizitätswerke? Kann Moskau amerikanischen Bürgern den Strom abstellen? Das legen neue Aussagen des Heimatschutzministeriums (DHS) der Vereinigten Staaten nahe, über die das „Wall Street Journal“ berichtet.

          Demnach ist es russischen Hackern gelungen, in die Computer einer Vielzahl amerikanischer Versorger einzudringen und sich in die Lage zu versetzen, bei Bedarf die Kontrolle darüber zu übernehmen. „Sie sind zu dem Punkt gekommen, an dem sie die Schalter umgelegt“ und den Energiefluss unterbrochen haben könnten, zitiert die Zeitung  Jonathan Homer, der für das DHS industrielle Kontrollsysteme analysiert. Alleine im vergangenen Jahr habe es „hunderte Opfer“ dieses Cyberangriffs gegeben, wahrscheinlich laufe die digitale Infiltration auch derzeit noch.

          Es geht nicht nur um Elektrizität

          Hinter dem Angriff steckt dem Bericht zufolge eine durch den russischen Staat gestützte Hackergruppe, die bereits unter den Namen „Dragonfly“ und „Energetic Bear“ identifiziert worden sein soll. Sie seien in die eigentlich isolierten Netzwerke der Versorger eingedrungen, indem sie sich zunächst Zugang zu den Netzen von Personen oder Unternehmen verschafft hätten, die mit den Versorgern in Beziehung stehen. Nach Angaben des DHS wissen vermutlich immer noch nicht alle Betroffenen davon, attackiert worden zu sein. Etwa weil die Hacker die Zugangsdaten von tatsächlichen Mitarbeitern nutzten und es darum schwieriger sei, die Angriffe aufzuspüren.

          Die Bedrohung existiert dabei offenbar schon deutlich länger, als die nun beschriebene Attacke andauert. Bereits seit dem Jahr 2014 warne das Heimatschutzministerium die Manager von Versorgern mit Sicherheitsfreigabe davor. Nun habe das DHS erstmals entsprechende Informationen allgemein herausgegeben, wenn auch weiterhin, ohne konkrete Namen von Opfern zu nennen. Fachleute halten die Gefahr für groß. „Sie (die Russen) sind in unsere Netzwerke eingedrungen und positionieren sich für einen begrenzten oder umfassenden Angriff“, sagte Michael Carpenter, ein ehemaliger Staatssekretär im amerikanischen Verteidigungsministerium und nun Wissenschaftler an der University of Pennsylvania, und fügte hinzu: „Sie führen einen verdeckten Krieg gegen den Westen.“ Moskau verneint, Infrastruktur in den Vereinigten Staaten ins Visier zu nehmen.

          Dass es nicht nur um Elektrizitätswerke geht, ist wiederum bereits seit Monaten bekannt. Am 15. März dieses Jahres veröffentlichten das Heimatschutzministerium und die Bundespolizei FBI eine eindringliche Warnung davor, russische Hacker würden „kritische Infrastruktur“ der Vereinigten Staaten attackieren, darunter auch Kernreaktoren und Wasserkraftwerke. Einen Tag später sagte der amerikanische Energieminister Rick Perry vor Abgeordneten, täglich ereigneten sich Tausende Cyberattacken und dass sein Ministerium eine Cyberabwehr brauche, um auf künftige Angriffe ausreichend vorbereitet sein zu können.

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