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Cryan wird Deutsche-Bank-Chef : Wer ist der neue Mann an der Spitze?

Das Investmentbanking der Deutschen Bank wird im Rahmen der neuen Strategie zwar auch beschnitten, aber es bleibt ein bedeutender Geschäftsbereich, der auch künftig als Ertragsmaschine eingeplant ist. Cryan wird nicht nur die Neuordnung des Investmentbankings betreiben müssen, sondern vor allem auch dafür sorgen müssen, dass wichtige Mitarbeiter nach dem Ausstieg Jains an Bord bleiben.

Jain hat sein Ziel nicht erreicht

Denn Jain hatte das Investmentbanking der Deutschen Bank über viele Jahre geprägt. Halb respektvoll, halb besorgt hatte man Jains wichtigste Mitarbeiter im Konzern als „Anshu‘s Army“ bezeichnet. Mit seiner Berufung zum Ko-Vorstandsvorsitzenden im Mai 2012 war es Jain gelungen, langjährige Mitarbeiter auf wichtige Positionen in der Konzernführung zu hieven. Zu diesen Männern gehört beispielsweise Michele Faissola, unter dessen Führung der Geschäftsbereich Vermögensverwaltung erheblich an Schlagkraft gewonnen hat. Jain hat fast auf den Tag genau 20 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet. Sein Lebensziel, die Deutsche Bank aus dem Vorstandsvorsitz heraus als eine der führenden Universalbanken der Welt zu etablieren, ist mit seinem Ausstieg zur Jahresmitte gescheitert.

Cryans Pläne für das Investmentbanking werden auch deshalb mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden, weil er die schweizerische UBS sehr gut kennt. Die UBS hatte bis vor wenigen Jahren selbst sehr große Ambitionen im Investmentbanking. Unter Führung Axel Webers haben die Schweizer ihre Präsenz im Investmentbanking deutlich reduziert und statt dessen das ohnehin starke Geschäft mit der Vermögensverwaltung weiter ausgebaut. Die Deutsche Bank ist bis heute vor allem in Handelsgeschäften an den internationalen Finanzmärkten stark vertreten, die aber viel knappes Eigenkapital absorbieren. Die Deutsche Bank ist auf diese Weise die einzige nicht-amerikanische Investmentbank, die im Konzert der Riesen aus der Wall Street mitspielen kann. Cryan wird in den kommenden Jahren eine Antwort auf die Frage stellen müssen, ob sich die Deutsche Bank diese Ambitionen leisten kann.

Zahllose Rechtsstreitigkeiten

Noch lange nicht beendet ist die Verwicklung der Deutschen Bank in zahllose Rechtsstreitigkeiten. Hier hat Cryan den Vorzug, dass er bisher keine operative Verantwortung für die Deutsche Bank hatte und daher keine persönliche Verwicklung in die verschiedenen Skandale, mit deren Folgen die Deutsche Bank zu kämpfen hat, vorliegt. Aus seiner Zeit aus der UBS ist keinerlei Verwicklung Cryans in Skandale bekannt.

Die jüngste Hauptversammlung der Deutschen Bank hatte das Ende der Amtszeit von Fitschen und Jain eingeleitet. Dort hatten nur 61 Prozent der anwesenden Aktionäre den Vorstand entlastet. Jain hatte einen bizarren Auftritt, weil seine in englischer Sprache gehaltene Rede im Original überhaupt nicht zu hören war, sondern nur die Stimme eines Übersetzers, der Deutsch sprach. Der Auftritt wirkte, als spiele Jain die Hauptrolle in einem schlecht synchronisierten Film. Die Verträge von Fitschen und Jain wären 2017 ausgelaufen. Fitschen hätte die Bank dann mit 68 Jahren verlassen. Jain hingegen konnte nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht mehr sicher sein, einen über das Jahr 2017 hinausreichenden Vertrag zu erhalten, andererseits sollte er im Vorstand die Umsetzung der neuen Strategie bis zum Jahre 2020 verantworten. Mit ihrem Rücktrittsgesuch kamen Fitschen und Jain lähmenden Personaldebatten zuvor.

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