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„Crowdworking“ : Tschüss Büro

Das kann bitter sein für die Angestellten, die ihre Austauschbarkeit vorgeführt bekommen. Die Diagnose trifft im Kern aber die Unternehmen selbst: Zu schwerfällig sind offenbar ihre Organisationsstrukturen, zu starr die Hierarchien, um aus eigener Kraft Innovation schaffen zu können. Deshalb müssen die Ideen von außen kommen, eben durch „co-creation challenges“. So lösen sich die Grenzen der Unternehmen langsam auf.

Input der Netzgemeinde ist subtiler, ungefährlicher und unverbindlicher

„Die Geschwindigkeit, in der sich die Welt ändert, hat brutal zugenommen“, sagt Bastian Unterberg, der Gründer einer Plattform für Kreative, Jovoto genannt. Kunden wollen deshalb von solchen Plattformen immer häufiger das, was eigentlich Managementberatungsfirmen anbieten. So war das zwar niemals gedacht, aber irgendwie ist ja auch etwas dran: Innovationen hat man sich auch früher schon von außen geholt, von den McKinseys dieser Welt, die in Mannschaftsstärke durch die Etagen pflügten, bis kein Stein mehr auf dem anderen war.

Der Input der Netzgemeinde ist subtiler, ungefährlicher und unverbindlicher. In der Beschäftigung der jungen Wilden kann man auch eine gewisse Ironie erkennen: „Diejenigen, die einst aus diesen Unternehmen geflohen sind, werden jetzt wieder eingebunden – aber auf eine ganz andere, selbstbestimmte Art“, sagt der Organisationsforscher Ayad Al-Ani, der am Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin arbeitet. „Das ist eine bemerkenswerte Fähigkeit des Kapitalismus.“

Bemerkenswert ist außerdem, dass sich sogar die Gewerkschaften mit dieser Art des Arbeitens angefreundet haben. „In den vergangenen Jahren ist der Markt wesentlich professioneller geworden“, sagt Robert Fuß von der IG Metall. Und professioneller bedeutet: anspruchsvollere Tätigkeiten, weniger Ausbeutung. Den Plattformbetreibern dämmert schon seit längerem, dass sie nicht nur die Unternehmen bei Laune halten müssen, sondern auch das Heer der Auftragnehmer, die die Arbeit erledigen sollen. Auf Drängen der IG Metall haben deshalb jetzt einige Plattformen einen „Verhaltenskodex“ unterschrieben, in dem sie versprechen, dass sie sich an dem „lokalen Lohnstandard“ orientieren. Auflagen zum gesetzlichen Mindestlohn sind Standard, manchmal geht es auch darüber hinaus.

Viele „Microjobs“ würde es ohne Digitalisierung nicht geben

Robert Fuß, der Gewerkschafter, hat auch deshalb seinen Frieden mit dieser neuen Form des Arbeitens geschlossen, weil er bisher keinen einzige Fall kennengelernt hat, in dem eine sozialversicherungspflichtige Arbeit verdrängt worden wäre. Bisher jedenfalls. Wenn man einmal vom Fahrdienstvermittler Uber absieht, einem klassischen Fall von Ersetzung, der sich wegen der strengen deutschen Regulierung allerdings ausschließlich jenseits unserer Landesgrenzen abspielt. In New York ist das typische Gelb der Taxis inzwischen wesentlich seltener zu sehen, stattdessen fahren nun unzählige Uber-Fahrer in ihren privaten Autos Fahrgäste umher.

Bisher erledigen viele Crowdworker vornehmlich Arbeiten, die auch früher oft nach außen gegeben wurden: Designer, Architekten oder Programmierer arbeiten seit jeher eigenständig. Nur kommen sie jetzt leichter an Projekte, für die sie sich bewerben können. Die Kehrseite allerdings ist: Auch alle anderen kommen an diese Angebote, der Wettbewerb ist härter geworden. Und Geld trägt, wie beim Airbus-Auftrag, nur der Sieger nach Hause.

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