https://www.faz.net/-gqe-134ex

Cristiano Ronaldo : Spielball der Finanzjongleure

Alles in Ordnung: Mit dem bestandenen Medizin-Check ist der teuerste Deal der Fußballgeschichte perfekt Bild: dpa

Madrid ist in Hysterie: Rund 80.000 Menschen strömten ins Santiago Bernabéu, um den neuen Real-Star im Stadion zu begrüßen. Der 94-Millionen-Transfer soll ein gutes Geschäft werden.

          An Selbstbewusstsein mangelt es Cristiano Ronaldo nicht, wenn es um Auftritte auf dem grünen Rasen oder um seine Eigenvermarktung geht: „Große Fußballer kosten viel Geld“, sagt der 24 Jahre alte Portugiese, „und wer sie haben will, muss halt tief dafür in die Tasche greifen.“

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Unterhändler von Real Madrid und Manchester United verhandelten in den vergangenen Monaten mit Hochdruck, um die Konditionen des bislang teuersten Spielertransfers in der europäischen Fußball-Geschichte festzuzurren. Mit Ronaldos erstem Auftritt im Stadion Bernabéu am Montag, den 80.000 Anhänger von Real bejubelten, ist sein Umzug von England nach Spanien endlich perfekt.

          Runderneuerung bei Real Madrid

          Danach muss Manchester United seinen hoffnungsvollsten Ballkünstler, der vor sechs Jahren von Vereinstrainer Alex Ferguson zum Schnäppchenpreis von 12,2 Millionen Euro verpflichtet wurde, gegen eine Ablöse von 94 Millionen Euro ziehen lassen. Darüber hinaus sind Ronaldo, der auf der Blumeninsel Madeira in ärmlichen Verhältnissen groß wurde, ein jährliches Grundgehalt von 13 Millionen Euro sowie Werbeeinnahmen von 10 Millionen Euro pro Jahr sicher.

          Ballkünstler: Cristiano Ronaldo spielt jetzt bei Real Madrid

          Ronaldo ist der teuerste, aber nicht der einzige Einkauf von schwindelerregender Dimension. Für die Runderneuerung der Mannschaft auf höchstem Niveau hat Real Madrid bisher 220 Millionen Euro ausgeben, unter anderem auch für den Brasilianer Kaká und den Franzosen Karim Benzema. Aus dem Umfeld des Vereins verlautet, dass weitere 80 Millionen Euro fließen sollen: Ganz oben auf der Wunschliste steht dabei Franck Ribéry vom FC Bayern München.

          Ob das neue Starensemble sportlichen Erfolg haben wird, wird sich zeigen. Einen besonderen Erfolg hat Real Madrid bereits verbucht: Trotz der herausragenden vergangenen Saison mit dem Champions-League-Titel, dem nationalen Pokalsieg und der spanischen Meisterschaft mit großem Vorsprung vor Real spricht derzeit kaum noch jemand vom Erzrivalen FC Barcelona.

          Schulden in dreistelliger Millionenhöhe

          Vielmehr fragt sich alle Welt, ob und wie der Madrider Klub die Einkäufe von Ronaldo & Co. finanzieren kann. Und da spricht in der Tat vieles dafür, dass sich Real Madrid durchaus seriös verhält. Immerhin handelt es sich um den umsatzstärksten Fußballverein der Welt, der anders als etwa die deutsche Konkurrenz seine Fernsehauftritte selbst vermarktet, der viel Geld über Merchandising etwa in Asien einnimmt. Hier sieht der Klub mit Hilfe der neuen Stars noch hohes Potential. So soll der Umsatz, der 2008 rund 365 Millionen Euro betrug, bis 2013 auf 500 Millionen Euro erhöht werden.

          Die Person hinter dem neuen Aufschwung ist der seit kurzem amtierende Präsident Florentino Pérez, der den Baukonzern ACS zum nationalen Marktführer aufgebaut hat. Außer an ACS ist er auch an den Versorgern Iberdrola und Unión Fenosa nennenswert beteiligt, so dass er zu den reichsten Spaniern gehört. Allerdings griff er für die Spielerverpflichtungen nicht in die eigenen Kassen, sondern schloss Kreditverträge mit mehreren spanischen Banken, darunter bemerkenswerterweise auch mit der Sparkasse La Caixa aus Barcelona, die jetzt einigen Ärger mit den Fans des FC Barcelona hat. Bei Real Madrid hatten sich schon vor acht Jahren durch teure Spielereinkäufe Schulden in dreistelliger Millionenhöhe aufgetürmt. Die aber war der Verein auf einen Schlag los, als die Stadt das Trainingsgelände im Norden Madrids für 500 Millionen Euro erwarb.

          Reserven sind vorhanden

          Die finanzielle Lage von Manchester United ist ungleich prekärer. Seit der mehrmalige Fußballmeister Englands vor vier Jahren vom amerikanischen Milliardär Malcolm Glazer für 1,5 Milliarden Dollar gekauft und auf Pump finanziert wurde, steht er mit rund 700 Millionen Euro bei diversen Banken in der Kreide. Im Gegensatz zu Real verfügt „ManU“, dessen Stadion „Old Trafford“ längst verpfändet ist, über keinerlei Vereinsvermögen.

          Reserven sind in Madrid üppig vorhanden. So könnte der Verein das Stadion Santiago Bernabéu mit seinem wertvollen Gelände verkaufen und am Stadtrand eine neue Arena errichten. Darüber hinaus gibt es noch ein mehrere Hektar großes Grundstück im Norden der Stadt, das sich versilbern ließe. Experten schätzen den Marktwert des Klubs auf 1,8 Milliarden Euro - bei geschätzten Schulden von nur 200 Millionen Euro. Nach seinem spektakulären Abgang in Manchester muss sich Ronaldo keine Sorgen mehr machen, dass ihm sein Arbeitgeber das Gehalt schuldig bleibt.

          Weitere Themen

          „Zidane ist eine Schande“

          Ärger bei Real Madrid : „Zidane ist eine Schande“

          Der Streit zwischen Real Madrid und dem einstigen Rekordtransfer Gareth Bale spitzt sich zu. Der Berater des Spielers greift Zinedine Zidane mit heftigen Worten an. Der Konter des Trainers folgt prompt.

          Topmeldungen

          Boris Johnson und die EU : Trotz allem – Partner

          In Brüssel hat man Boris Johnson in unangenehmer Erinnerung behalten. Dennoch sollten die „Europäer“ ihm, wo immer möglich, die Hand reichen – nur zu einem nicht.
          Laut Sebastian Kurz habe es sich bei der Datenvernichtung um einen „normalen Vorgang“ gehandelt.

          Datenträger geschreddert : Kurz und der Reißwolf

          Der damalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ließ nach dem Platzen der Koalition mit der rechten FPÖ durch einen Mitarbeiter inkognito Daten vernichten. Warum?

          Greta Thunberg in Paris : Macrons Worte sind ihr zu wenig

          Für ihre kurze Rede erhält die Klimaaktivistin in der französischen Nationalversammlung viel Applaus, besonders aus Macrons Partei – obwohl Thunberg den Präsidenten zuvor kritisiert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.