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Zu wenig Förderung? : Covid-19-Medikamente lassen auf sich warten

Arbeit an Proben für die Coronavirus-Forschung Bild: dpa

Alle Hoffnungen ruhen auf den Impfstoffen – bei der Förderung für die Forschung an Covid-19-Medikamenten tue sich hingegen zu wenig, beklagen die Grünen. Die wenigen Mittel für ihre Entwicklung stünden in einem „krassen Missverhältnis“ zu den sonstigen Ausgaben in der Pandemie.

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          In der Corona-Pandemie ruhen alle Hoffnungen auf den Impfstoffen: Sie standen viel früher zur Verfügung als erhofft, und ihre Entwicklung wurde – auch in Deutschland – mit enormen Summen gefördert. Nach weitverbreiteter Ansicht wird es in der Pandemie aber auf absehbare Zeit auch Medikamente gegen Covid-19 brauchen, etwa weil wegen medizinischer Vorerkrankungen nicht alle Menschen gegen Corona geimpft werden können und weil offen ist, wie lange der Impfschutz anhält. Die Förderung der Bundesregierung für die Therapeutika-Forschung fällt jedoch deutlich niedriger aus – und schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten, wie aus einer kleinen Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, die der F.A.Z. vorliegt.

          Britta Beeger
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Das Bundesforschungsministerium hat bisher zwei Förderprogramme für die Entwicklung von Covid-19-Medikamenten aufgelegt. Das erste in Höhe von rund 45 Millionen Euro hatte sie im März vergangenen Jahres bekanntgemacht. Aus der Opposition und von Biotechnologieunternehmen hatte es daran viel Kritik gegeben, denn in der Impfstoffentwicklung gingen allein an die drei Unternehmen Biontech, Curevac und IDT Biologika 750 Millionen Euro.

          Zudem konnten nur Projekte bis hin zu frühen klinischen Phasen beantragt werden. Aus diesem Programm hat bisher keines der Vorhaben die klinische Phase III erreicht, in der Arzneimittel an großen Patientengruppen erprobt werden, wie die Anfrage zeigt. Wann sie in die Anwendung kommen, lasse sich „frühestens Ende Dezember 2021“ sagen.

          Biotechunternehmen bemängeln Förderlücke

          Im Januar dieses Jahres folgte ein zweites Programm in Höhe von 50 Millionen Euro, in dem es vor allem um die klinische Entwicklung vielversprechender therapeutischer Ansätze gehen soll. Studien der Phase III sind wieder nicht förderberechtigt – wohl aber solche, in denen der Wirkstoff an Patienten getestet und die geeignete Dosis gefunden werden sollen. Auch daran hatte sich Kritik entzündet: Es bestehe nach wie vor eine Förderlücke für zulassungsrelevante Studien, klagte die Initiative Beat-Cov, ein Zusammenschluss von vier deutschen, mittelständischen Biotechs.

          Der Fokus auf die frühen klinischen Entwicklungsstufen führe „zwingend dazu, dass neue Therapeutika erst mittel- bis langfristig zur Verfügung stehen“. Sie dürften sich durch die Einschätzung des Forschungsministeriums nun bestätigt sehen: Erfolgreiche Ansätze aus dem zweiten Programm könnten „bereits vor Ablauf des Förderzeitraums von drei Jahres in die Anwendung kommen“, heißt es in dessen Antwort – unter optimalen Bedingungen und mit einer bedingten Zulassung der Therapeutika.

          Bei den Grünen stoßen diese Aussagen auf Unverständnis. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) habe die Zeichen der Zeit „nicht erkannt und wichtige Zeit verspielt“, sagte Kai Gehring, Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion für Forschung, Wissenschaft und Hochschule, der F.A.Z. „Ihre zaghaften Programme kommen viel zu spät, setzen den falschen Fokus und niemand weiß, wann die Ergebnisse der praktischen Versorgung zugutekommen.“ Das 50-Millionen-Programm vom Januar helfe nicht weiter und stehe in einem „krassen Missverhältnis“ zu anderen Ausgaben in der Pandemie: Allein im Januar habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) 400 Millionen Euro für den Ankauf von Antikörper-Medikamenten aus dem Ausland ausgegeben.

          Das Forschungsministerium erkennt in seiner Antwort an, wie groß der Förderbedarf der Biotechunternehmen ist, verteidigt aber: Zum Zeitpunkt des ersten Aufrufs habe es keine Kandidaten für späte klinische Studien gegeben; der zweite Aufruf wiederum ermögliche eine Förderung für Studien, die für eine bedingte Zulassung durch die Europäische ArzneimittelAgentur zum Teil ausreichten. Zudem plane das Bundesgesundheitsministerium ein Förderprogramm für Arzneimittel, die in der Entwicklung schon weit fortgeschritten sind. Ein ungewöhnlicher Schritt, denn für solche Förderaufrufe ist das Gesundheitsministerium eigentlich nicht zuständig. Ein Sprecher bestätigte auf F.A.Z.-Anfrage, dass „in Zusammenarbeit“ mit dem Forschungsministerium eine Förderung geplant sei, äußerte sich aber nicht zu den Hintergründen.

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