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Ausbreitung des Coronavirus : Südkorea will Daegu nicht abriegeln

Kunden in einem Supermarkt in Daegu Bild: AFP

Die Regierung in Seoul plant drastische Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus – will die besonders betroffene Stadt Daegu aber nicht isolieren. Der Präsident hat derweil ein Konjunkturpaket in Auftrag gegeben.

          2 Min.

          Südkorea stemmt sich mit aller Macht gegen die schnelle Ausbreitung der Infektionen mit dem Coronavirus im Land. Die Regierung erwägt aber keine Abriegelung der besonders vom Coronavirus betroffenen Gebiete um die Stadt Daegu im Südosten des Landes. Die Zahl der mit dem Virus Infizierten stieg nach Meldung einer staatlichen Gesundheitsbehörde am Dienstagmorgen um 60 auf 893, darunter 8 Tote. Damit zählt das Land erstmals mehr Infektionsfälle als Japan mit 851 und weist nach China die größte Infektionsballung auf. In Südkorea konzentriert sich die Zahl der Patienten auf eine christliche Sekte in der 2,5-Millionen-Stadt Daegu im Südosten des Landes und ein Krankenhaus in einem benachbarten Landkreis.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Vertreter der Partei, der Regierungen und des Präsidialamtes vereinbarten in Seoul eine Politik der „maximalen Eindämmung“ gegen das Virus. Die Regierung studiere Möglichkeiten der Blockade und der administrativen Beschränkung der Bewegung, erklärte ein Sprecher der regierenden Demokratischen Partei im Anschluss. Doch ein Regierungssprecher stellte danach mit Verweis auf Präsident Moon Jae-in klar, dass es nicht um eine regionale Blockade gehe.

          Parlament vorerst geschlossen

          Eine drastische Ausweitung der Infektionsfälle über das Wochenende hatte am Montag an den Finanzmärkten in Südkorea für Unruhe gesorgt und den Aktienindex Kospi um fast 4 Prozent sinken lassen. Am Dienstag erholte der Index sich leicht und stieg zeitweise um 1 Prozent. In China und Japan gaben die Kurse abermals nach. Besonders stark fielen die Aktienkurse in Tokio, wo Händler noch das Minus der Wall Street vom Vortag aufarbeiteten. Der Nikkei-225-Index lag am Nachmittag Ortszeit um 3,4 Prozent im Minus.

          Die südkoreanische Regierung plant weitere Ausgaben, um gegen das Virus anzugehen und die durch die Epidemie in China in Mitleidenschaft gezogene heimische Wirtschaft zu unterstützen. Das Finanzpaket wird im Umfang von 10 Billionen Won (7,6 Milliarden Euro) erwartet. Das gesamte Staatsbudget in diesem Jahr umfasst die Rekordsumme von 512 Billionen Won. Am Donnerstag tagt die Bank von Korea und die Spekulationen werden lauter, dass die Zentralbank angesichts der Virusrisiken den Leitzins von derzeit 1,25 Prozent senken wird. Auch die bisherige Wachstumsprognose von 2,3 Prozent dürfte nicht zu halten sein.

          Mitte Februar hatte Gouverneur Lee Ju-yeol noch auf die große Unsicherheit über die Entwicklung des Virus und auf mögliche Nebeneffekte einer Zinssenkung hingewiesen. Doch das war vor zehn Tagen, als Südkorea nur 28 Infizierte zählte und das Ausmaß der verdeckten Ansteckungen noch nicht klar war. Wirtschaftlich bedroht das Virus Südkorea über zwei Kanäle. Zum einen ist China für Südkorea der wichtigste Exportmarkt und ein wichtiger Zulieferer von Vorprodukten. Zum anderen lähmt das Virus die inländische Aktivität. Dabei geht es vor allem um den Konsum. Ein Index für das Verbrauchervertrauen der Südkoreaner fiel im Februar um 7,3 auf 96,9 Punkte. Das war der stärkste Fall seit Juni 2015, als Südkorea in der Mers-Epidemie von einem anderen Coronavirus heimgesucht wurde.

          Die Regierung kündigte am Dienstag an, dass sie alle Mitglieder der christlichen Shinchonji-Sekte auf das Virus prüfen wolle. Mehr als die Hälfte der bisher bekannten Infektionen ballen sich um eine Kirche der Sekte in Daegu. Das Land hat zudem rund 7000 seiner Soldaten in ihren Kasernen unter Quarantäne gestellt, nachdem elf Soldaten positiv getestet wurden. Die Verteidigungsminister von Südkorea und den Vereinigte Staaten vereinbarten am Montag, dass gemeinsame Manöver in den kommenden Wochen begrenzt werden. In Seoul ist das Parlament vorerst geschlossen.

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