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Umfragen zur Coronakrise : Vor allem junge Männer ändern ihr Verhalten nicht

  • Aktualisiert am

Dortmund-Fans feiern am 14. März trotz Corona vor dem Stadion. Bis zum 13. März hatten die meisten Bundesländer angekündigt, Schulen und Kitas zu schließen, um soziale Kontakte zu minimieren. Bild: dpa

Noch immer sind viele Menschen draußen und treffen sich in Parks. Neue Umfrageergebnisse zeigen, dass junge Männer ihr Verhalten seltener als andere Menschen einschränken. Insgesamt befürworten Frauen eher härtere Maßnahmen als Männer.

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          Immer noch sieht man viele Menschen auf den Straßen, selbst kleinere Gruppen sitzen noch in den Parks. Deshalb droht die Bundesregierung inzwischen mit Ausgangssperren. Welche Bevölkerungsgruppe aber hält sich wie sehr an die Vorgaben?

          Dazu gibt es nun neue Daten, die der F.A.Z. vorab vorliegen. Diese wurden zwar zwischen dem 13. und 15. März schon erhoben, sind damit möglicherweise also nicht mehr auf dem aktuellen Stand, weil sich die Lage seitdem deutlich verschärft hat. Doch eine Tendenz, welche Bevölkerungsgruppe sich wie stark an die Empfehlungen hält, das eigene Verhalten zu ändern und soziale Kontakte einzuschränken, lässt sich daraus dennoch ablesen. Erhoben wurde die repräsentative Umfrage unter den Deutschen vom Internetportal Möbel 24, das damit nicht nur das potentiell veränderte Einkaufsverhalten, sondern auch generelle, durch Corona bedingte Verhaltensänderungen ermitteln wollte.

          Demnach weichen vor allem Männer zwischen 25 und 34 Jahren von ihren bisherigen Gewohnheiten nicht ab. Nur jeder Dritte in dieser Bevölkerungsgruppe gab in der Umfrage an, Menschenmengen zu meiden. In der Gesamtbevölkerung war es mit 48 Prozent fast jeder Zweite. Ähnlich ist das Bild beim Ändern des Hygieneverhaltens. Junge Männer liegen knapp zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

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          Insgesamt scheinen Frauen deutlich häufiger Maßnahmen zu ergreifen als die Männer. Der Anteil der Frauen, die Menschenmengen meiden, liegt fünf Prozentpunkte über dem der Männer, beim Hygieneverhalten beträgt der Abstand sogar neun Prozentpunkte. Auch auf Vorrat haben eher die Frauen eingekauft. Knapp ein Viertel gab das in der Umfrage an, bei den Männern war es nicht einmal ein Fünftel. Die Begründung überrascht dabei ein wenig. Etwa ein Viertel der Menschen gab an, seltener einkaufen zu wollen, um sich und andere weniger anzustecken. Nur jeder Fünfte begründete das damit, für Lieferengpässe gewappnet sein zu wollen.

          Eine Umfrage, die ein internationales Forscherteam zurzeit in den Coronakrisenländern durchführt und die die F.A.Z. laufend auswertet, deutet daraufhin, dass die Frauen schärfere Maßnahmen befürworten. In der Umfrage, die allerdings nicht repräsentativ ist, aber trotzdem ein gutes Indiz sein dürfte und an der bisher knapp 1500 Menschen in Deutschland teilgenommen haben, halten etwa 45 Prozent der Frauen die Maßnahmen der Bundesregierung für nicht ausreichend. Unter den Männern gilt das nur für 35 Prozent. Dagegen finden 15 Prozent der Männer, aber nur etwa 8 Prozent der Frauen die Maßnahmen zu extrem. Auch die Reaktion der Bevölkerung halten die Frauen eher für nicht ausreichend.

          FAZ.NET-Leser für Ausgangssperre

          Der Anteil der Menschen, die ihr Verhalten geändert haben, dürfte in den vergangenen Tagen deutlich angestiegen sein. Dafür sprechen unter anderem die Ergebnisse der Umfragen, die unter den FAZ.NET-Artikeln plaziert sind. Am Mittwoch war nur einer von vier Befragten besorgt, sich mit dem Virus anzustecken, am Freitag liegt der Anteil schon bei etwa 60 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg von etwa 35 Prozent. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass sich damit an den Trends, wie stark sich welche Bevölkerungsgruppe einschränkt, etwas geändert hat. Die meisten FAZ.NET-Leser sprechen sich dabei für eine bundesweite Ausgangssperre aus. Zwei Drittel der mehr als 25.000 Leser, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind für eine solche Maßnahme. Nur ein Viertel ist dagegen.

          Auch die Umfrage des internationalen Forscherteams deutet eher in die Richtung, dass die Deutschen härtere Maßnahmen befürworten. Von den knapp 1500 Befragten in Deutschland sind nur 13 Prozent der Meinung, dass die Reaktion der Bundesregierung zu extrem ist. Die Hälfte der Menschen hält sie für angemessen. 2 von 5 Befragten hält sie für nicht ausreichend. Dagegen beurteilen zwei Drittel der Befragten die Reaktion der Bevölkerung als unzureichend. Maßnahmen zur Vermeidung von Sozialkontakten, wie beispielsweise Ausgangssperren, halten sogar vier von fünf Befragten für ein probates Mittel.

          Dabei scheinen die Menschen sogar bereit zu sein, härtere Strafen in Kauf zu nehmen, damit die Maßnahmen wirken. So befürworten der Umfrage zufolge 70 Prozent der Menschen auch finanzielle Strafen für Verhaltensweisen, die eine Ausbreitung des Virus ermöglichen könnten.

          Zur Teilnahme an der Umfrage, die international vergleichbare Informationen über das Verhalten der Bevölkerung in der Coronakrise liefern soll, geht es hier.

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