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Coronavirus-Krise : Die Raketen starten noch

Start vom Weltraumbahnhof Baikonur (Archivbild) Bild: EPA

Trotz Corona starten Satelliten ins All. Allerdings herrscht in der Raumfahrt nur noch teilweise Normalbetrieb.

          2 Min.

          In diesen turbulenten Zeiten scheint es tatsächlich noch Bereiche zu geben, die normal weiterlaufen: Das europäische Raumfahrtunternehmen Arianespace hat angekündigt, am kommenden Samstag wie geplant den dritten Start einer Konstellation von 34 Weltraum-Satelliten durchzuführen. Mit einer russischen Sojus-Rakete sollen die Satelliten vom Kosmodrom in Baikonur, Kasachstan, ins All fliegen. „Wir nehmen die nötigen Anpassungen vor, doch wir halten an dem Start fest“, sagte eine Sprecherin von Arianespace.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Ist die Flucht ins Coronavirus-freie Weltall derzeit also die einzig sichere Option für einen Normalbetrieb? So einfach ist die Lage nicht. Denn das Virus bremst auch die Raumfahrt an etlichen Stellen. „Die ESA ist quasi zu, nur die kritischen Missionen halten wir aufrecht. Heimarbeit ist Pflicht“, berichtet Jan Wörner, der Präsident der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, der F.A.Z.

          Schon vor einigen Tagen musste die ESA die Mars-Mission Exo-Mars verschieben. Dafür waren zwar vor allem technische Probleme beim russischen Partner Roscosmos verantwortlich, aber Verzögerungen bei den umfangreich beteiligten italienischen Lieferanten „kamen hinzu“, wie Wörner sagt. „Exo-Mars hätte auch ohne Coronavirus nicht starten können“, unter anderem gab es Probleme mit den für die Landung auf dem Mars gebrauchten Fallschirmen; doch das Virus hat dann endgültig den Aufschub erzwungen.

          Der ESA-Chef erwartet auch bei anderen Projekten als Exo-Mars „Verzögerungen“ infolge der Coronavirus-Krise. Bei Exo-Mars liefert die ESA das mit vielen Instrumenten ausgestattete Mars-Mobil; der russische Partner ist für die Trägerrakete und das Landemodul verantwortlich. Der nächste Start ist statt diesem Sommer nun erst für 2022 vorgesehen. Die lange Verschiebung hängt mit der Entfernung des Mars von der Erde zusammen, die nur alle 26 Monate am kürzesten ist. Die Verschiebung sei „eine große Enttäuschung“, räumt der ESA-Chef  Wörner ein. Mars-Missionen aus China, den Vereinigten Staaten und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind für  diesen Sommer weitergeplant – vorerst jedenfalls.

          Zu den aufrechterhaltenen Missionen gehören bei der ESA auch der Betrieb verschiedener Satelliten, die „man ja nicht sich alleine überlassen kann“, wie Wörner sagt. Die Internationale Raumstation ISS fliegt ebenfalls wie gehabt um die Erde. „Die Leute da oben sind ja fit, doch wenn sie was haben sollten, könnten sie schneller auf der Erde sein als wir beide im Krankenhaus“, sagt Wörner nur halb scherzhaft. Denn die an der ISS angedockte Sojus-Kapsel könnte die Astronauten in wenigen Stunden zurückbringen. Vorerst ist auch für den 9. April von Kasachstan aus der Start von zwei russischen Kosmonauten und einem amerikanischen Astronauten zur ISS vorgesehen. Vorsichtshalber sind sie früher in Quarantäne gegangen als im Normalbetrieb. „Mit einer strengen Quarantäne kann man dieses Thema lösen“, sagt Wörner.

          In Baikonur starten weiterhin Raketen, in Kourou nicht

          Der russische Weltraumbahnhof in Baikonur verfolgt einen anderen Ansatz als sein europäisches Gegenstück in Kourou in Französisch-Guyana. Die auf französischem Hoheitsgebiet liegende Anlage hat alle Starts ausgesetzt. Nur die nötigsten Arbeiten werden dort noch erledigt.  Auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) herrscht ab Mittwoch Mitternacht „nur noch Minimalbetrieb“, wie ein Sprecher berichtet. Der Betrieb der Missionen wie Galileo, Columbus oder das Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) sei dabei sichergestellt. 

          Bei dem Arianespace-Start in Russland am kommenden Samstag handelt es sich 34 Satelliten der Gesellschaft One Web, die ein Gemeinschaftsunternehmen der amerikanischen Firma OneWeb und des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus ist. Dabei geht es darum, Kleinsatelliten in die niedrige Umlaufbahn von 450 Kilometern Höhe zu bringen. Die Satelliten sollen sicherstellen, dass überall auf der Welt schnelle Internetverbindungen verfügbar sind. In Zeiten des Coronavirus, das Millionen von Menschen zur Heimarbeit am Computer zwingt, erscheint dies eine besonders sinnvolle Initiative.

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