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„Epidemie ist hier angekommen“ : Spahn: Auch deutsche Orte könnten abgeriegelt werden

Jens Spahn Bild: dpa

Das Coronavirus breitet sich in Europa aus. Der Gesundheitsminister stellt die Deutschen auf Schlimmeres ein. Kliniken bereiten sich auf mehr Patienten vor.

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          Nach der unerwartet schnellen Ausbreitung des Cornavirus in Italien will sich auch Deutschland gegen mögliche neue Infektionsfälle wappnen. „Die Coronaepidemie ist als Epidemie in Europa angekommen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Berlin. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann.“

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.
          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Land sei zwar insgesamt gut vorbereitet. Um die Ausbreitung zu verhindern oder einzudämmen, dürfe man aber „temporär keine Maßnahmen ausschließen“. Außer der Absage von Großveranstaltung oder der vorübergehenden Schließung von Schulen oder Altenheimen seien auch Verkehrsbeschränkungen, Quarantäne und die Abriegelung von Ortschaften möglich. Das Vorgehen müsse jedoch stets „angemessen und verhältnismäßig“ erfolgen.

          So dürfe der Reiseverkehr in der EU nicht generell in Frage gestellt werden, auch wenn es anlassbezogen Unterbrechungen geben könnte. Das sei etwa am Wochenende in einem Zug Richtung München am Brenner zwischen Italien und Österreich der Fall gewesen. „Die Entwicklung in Italien hatte niemand so auf dem Schirm“, sagte Spahn, „die Lage kann sich schnell verändern.“

          „Staat muss funktionieren“

          In Italien ist nach einem Bericht des Rundfunksenders RAI inzwischen ein sechster Mensch am Coronavirus ums Leben gekommen. An der Börse sind die Aktienkurse am Montag stark gefallen – der Dax verminderte sich um mehr als 4 Prozent, Anteile an der Lufthansa oder dem Automobilhersteller Daimler verbilligten sich noch stärker. Die amerikanische Regierung bereitet offenbar eine Milliardenhilfe vor, um das Virus zu bekämpfen. In Deutschland forderte der Industrieverband BDI die Bundesregierung auf, jetzt „schleunigst wirtschaftspolitische Impulse für eine Belebung des Wachstums“ zu setzen.

          Gesundheitsminister Spahn betonte seinerseits, wichtig sei jetzt die enge internationale Abstimmung in der EU und im Kreise der sieben größten Volkswirtschaften (G 7). Spahn will sich am Dienstag in Rom mit seinem italienischen Kollegen und weiteren EU-Ministern abstimmen.

          „In Zeiten wie diesen muss der Staat funktionieren, wir nehmen das sehr, sehr ernst“, versicherte Spahn. „Wir wollen die Bürger schützen.“ Der Einzelne könne aber auch seinen Beitrag leisten, insbesondere durch persönliche Hygiene wie regelmäßiges intensives Händewaschen.

          Vor Jahresende kein Impfstoff

          Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sagte: „Wir müssen davon ausgehen, dass sich das Virus weiter ausbreitet, auch in Deutschland.“ Vor Ende des Jahres werde es keinen Impfstoff geben. Man konzentriere sich jetzt auf die Erforschung von Therapeutika, um Infizierte wirksam zu behandeln.

          In Nordrhein-Westfalen ist ein Mann, der am Coronavirus erkrankt ist, in kritischem Zustand. Lesen Sie hier ein Update.

          Neue Erkenntnisse dazu verspricht sich der Mikrobiologe von einem Team aus zwölf internationalen Wissenschaftlern, das gerade aus Wuhan zurückgekehrt sei. Darunter befinde sich auch ein RKI-Mitarbeiter: „Da werden wir viele Daten bekommen, die wir direkt ummünzen wollen in Therapien.“

          Für entscheidend hält es Wieler, möglichst viel Zeit zu gewinnen. Das Virus komme nicht „wie ein Orkan“, sondern könnte in Wellen verschiedene Regionen nacheinander treffen. Deutschland sei gut vorbereitet. In der Grippeepidemie von 2017/2018 habe es 45.000 zusätzliche Krankenhausaufenthalte und zehn Millionen Hausbesuche von Ärzten gegeben. „Auch das hat das Gesundheitssystem bewältigt“, sagte Wieler. In Deutschland sind bisher 16 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bekannt.

          Die deutschen Krankenhäuser können nach Ansicht ihres Spitzenverbandes gut mit einem möglichen Coronaausbruch umgehen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, Erkrankte in einem eigenen Zimmer mit Bad unterzubringen und sie von anderen Personen zu isolieren. „Spezielle Behandlungsplätze gibt es für Erkrankungen dieser Art nicht“, sagte ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) der F.A.Z. Bundesweit gibt es zwar schätzungsweise nur etwa 50 Betten in Krankenzimmern mit Unterdruck-Schleusen, in denen zum Beispiel Ebola-Patienten behandelt werden können. „Für Covid-19 ist dieser Aufwand aber nicht nötig“, heißt es von der DKG. „Ein Isolierzimmer kann fast jedes Krankenzimmer mit eigener Nasszelle sein.“

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